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Tagblatt Online
16. September 2016, 07:47 Uhr

«Neugier bleibt meine Motivation»

Sina findet im Leben den besten Stoff. Und ihr Glück überträgt sich auf ihre Fans. Sie kaufen ihre Musik seit über 20 Jahren. Jetzt startet die Sängerin mit «Pärlutaucher» in der Ostschweiz ihre neue Tour.

Interview: Michael Hug

1994 erschien ihre erste Mundart-CD «Sina». Die Walliser Sängerin Ursula Bellwald alias Sina hat seither elf Alben veröffentlicht, die mit neunmal Gold und zweimal Platin ausgezeichnet worden sind. Im Mai dieses Jahres hat sie ihren 50. Geburtstag gefeiert. Nun ist sie abgetaucht und hat nach verschollenen Perlen gesucht. Mit ihrer neuesten CD-Produktion «Perlutaucher» startet sie am Samstag im Lichtensteiger Chössi-Theater eine Schweizer Club-Tournée. Wir haben sie bei den Proben in Lichtensteig besucht.

Nach welchen Perlen tauchen Sie in «Pärlutaucher»?
Nach verschollenen. Wir haben ein paar Songs aus der Vergangenheit gehoben. Dabei sind uns ganz zufällig neue Melodien entgegengeschwommen, die wir unserem Publikum natürlich sofort ins Ohr setzen werden. Die CD mit diesen Songs kann man ausschliesslich an den Konzerten kaufen.

Wo haben Sie diese Perlen gefunden?
Wir sind ein halbes Jahr danach getaucht und haben schliesslich ein paar wieder versenkt. Für ein anderes Mal. Das Programm ist so schon abendfüllend. Es kommen noch kleine Filme und Bilder ins Spiel, welche die Stimmung der Songs untermalen.

Meist liegt eine Perle schon fertig in der Muschel. Müssen Ihre Perlen noch geschliffen werden?
Im Trio ist die Balance zwischen Reduktion und musikalischer Notwendigkeit wichtig – das haben meine zwei wasserfesten Musiker und ich gut hinbekommen.

Offensichtlich waren Sie sehr kreativ, ist da so etwas wie ein Kreativitätsrutsch vor sich gegangen?
Ja, man muss die Ideen nehmen, wenn sie kommen. Das ist ein Glück und längst nicht immer der Fall. Projekte ausserhalb des Trios und der Band locken zurzeit zusätzlich – da kann ich einfach nicht Nein sagen.

Wie finden Sie nach so vielen Jahren immer noch Stoff – Perlen – für Ihre Lieder?
Das Leben liefert den besten Stoff. Ich halte einfach Augen und Ohren offen.

Sie haben für Ihre Tour offensichtlich kleinere Locations ausgesucht, warum das?
Ich sitze den Leuten akustisch gerne auf dem Schoss. In der kleinen, fast unverstärkten Besetzung sind kleinere Lokalitäten optimal. Und ich kann besser auf das Publikum reagieren.

Freuen Sie sich auf Lichtensteig?
Sehr. Wir werden zwei Tage vor der Premiere schon anreisen für die Schlussproben und dort im Bahnhof wohnen. Das Chössitheater ist ein sehr stimmungsvoller Ort. Ich habe sehr gute Erinnerungen an die Gastfreundschaft und das Publikum und freue mich, hier die Tour zu starten.

Fühlen Sie sich in Tälern wohler als auf Bergen?
Ich wollte als Teenager immer wissen, was auf der andern Seite des Bergs ist. Dafür muss man allerdings drübersteigen, und oben ist die Luft oft dünn. Wie im Musikbusiness. Die Täler geben mir Schutz und die Möglichkeit, durchzuatmen. Bis es dann auf den nächsten Berg geht.

Fühlen Sie sich in Städten wohler als auf dem Land?
Zwanzig Jahre habe ich in Zürich gewohnt, davor in Genf. Jetzt habe ich meinen Lebensmittelpunkt am Hallwilersee gefunden. Die Stadt brauche ich trotzdem, einfach nicht mehr so oft.

Wird Ihr Publikum mit Ihnen älter, oder können Sie neue Fans unter den Jungen gewinnen?
Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, wo wir spielen. Grundsätzlich kann man aber schon sagen, dass ich die Leute mit meinen Songs oft durch die letzten 20 Jahre begleitet habe. Ein sehr schönes Gefühl.

Warum glauben Sie, ist Ihre Musik immer noch aktuell, trotz des massiven Mainstream-Angebots?
Es gibt so viele Bands wie noch nie. Man muss sich also eine eigene Nische suchen, wenn man auffallen will. Vor über 20 Jahren habe ich mich entschieden, in meiner Muttersprache zu singen, weil ich mich so am besten ausdrücken kann.

Planen Sie Ihre Zukunft oder lassen Sie's drauf ankommen?
Planen ist nicht so meins. Aber ganz ohne geht es nicht. Bis im Frühling bin ich nun im Trio unterwegs, zwischendurch mache ich Projekte mit Kammermusik. Danach möchte ich neue Songs schreiben.

Das sind schon sehr konkrete Pläne!
Oft ist es ein Hoffen. Dass mich die Muse küsst.

Was kann man als Sängerin, die nationale Berühmtheit erreicht hat, noch erwarten?
Sicher keine Weltkarriere. Die ich mir auch nie gewünscht habe, sonst hätte ich mich nicht für Wallisertitsch entschieden. Ich empfinde es als grosses Glück, in dieser kleinen Szene von meiner Musik leben zu können. Auch nach elf CDs und über tausend Konzerten – Ideen und Neugierde sind immer noch mein Motor.

 

Tournéestart mit Sinas «Perlutaucher» ist am Samstag, 17. September 2016, 20.15 Uhr im Chössi-Theater Lichtensteig, Sina – Gesang, Blas- & Schlaginstrumente, Peter Wagner – Keyboard, Gitarre, Percussion Michael Chylewski – E-Bass, Kontrabass, Gitarre Tickets: www.choessi.ch


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