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Tagblatt Online, 22. Juli 2010 08:22:00

Mehr Drama für Jackie

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Schüler trifft auf Meister: Will Smiths Sohn Jaden lernt von Jackie Chan das Kämpfen. (Bild: Bild: Sony Pictures)

Jackie Chan ist eine Legende des Actionfilms. Die Neuauflage des Kampfsport-Klassikers Karate Kid zeigt ihn als Haus- und Kung-Fu-Meister in Personalunion. Im Interview erzählt der 56-Jährige, weshalb Asiaten seine Witze nicht lustig finden und Europäer ihn nicht ernst nehmen. André Wesche

Herr Chan, wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Jaden Smith, dem Sohn von Will Smith, erlebt? Er soll ja ziemlich schwierig sein.

Jackie Chan: Ich befürchtete auch, dass der Sohn von Will Smith vielleicht ein kleiner Snob sei, der sich bei jeder Gelegenheit beklagt. Aber das Gegenteil war der Fall. Jaden hat mich während des Trainings sogar gefragt, ob er mal austreten oder etwas Wasser haben darf. Er hat einfach immer weitertrainiert, auch wenn ihm dabei die Tränen in die Augen geschossen sind.

Waren Sie sofort begeistert von der Idee, Karate Kid neu zu verfilmen?

Chan: Nein. Ich habe mir anfangs Sorgen gemacht, ob eine neue Version dem Original nicht eher schadet.

Was hat Sie schliesslich überzeugt?

Chan: Nachdem ich erfahren hatte, dass die Geschichte diesmal in China angesiedelt ist und sich meine Figur grundlegend von der aus dem Original unterscheidet, habe ich mein Okay gegeben.

Der Film zeigt Sie auch von einer ungewohnt dramatischen Seite.

Chan: Ich habe in den letzten zehn Jahren versucht, mich zu verändern. Nur, lassen das die Studios in den USA nicht gerne zu. Sie möchten lieber «Rush Hour 4» oder einen weiteren «Shanghai Noon»-Streifen drehen, ein dramatischer Jackie Chan passt da nicht rein. Ich habe mich schon oft gefragt, wie lange ich das noch machen kann.

Aber wenn ich von heute auf morgen damit aufhören und mich dem Drama zuwenden würde, würde das das Publikum nicht akzeptieren.

Sie möchten allmählich ins dramatische Fach hineinwachsen?

Chan: Ich muss dem Publikum zeigen, dass ich Comedy und Stunts beherrsche, aber auch ein guter Schauspieler bin. In den Staaten ist das schwierig, aber in Hongkong kann ich tun, was immer ich möchte. Dort drehe ich schon heute viele dramatische Filme, aber sie sind nur im asiatischen Raum zu sehen.

Die Arbeit im Filmgeschäft ist immer ein Glücksspiel. Man weiss nie, womit man Erfolg haben wird und womit nicht. Ich möchte gern ein asiatischer Clint Eastwood sein, der mit Ende siebzig noch phantastische Filme dreht. Wenn dich die Menschen nur als Actionstar sehen, ist dein Leben sehr kurz. Es kommen ständig neue, gute Leute.

Sind Ihre amerikanischen Filme in China ebenso populär wie asiatische Produktionen?

Chan: Die «Rush Hour»-Filme waren in den USA und in Europa riesige Erfolge, aber nicht in Asien. Die Leute in China mögen den Gedanken, dass es einem der ihren gelingt, den amerikanischen Markt zu erobern. Aber es fällt ihnen schwer, den Humor dieser Filme zu verstehen. Und die Actionszenen finden sie nicht so gut wie die in meinen asiatischen Filmen. Auf der anderen Seite landen meine asiatischen Nr.-1-Hits in den Staaten oft im Videoregal.

Im Film fällt der Name Bruce Lee. War der verstorbene Kampfkünstler seinerzeit Ihr Vorbild?

Chan: Als ich jung war, absolut. Wenn ich enttäuscht war und keine Zukunft mehr für mich gesehen habe, blickte ich zu zwei Leuten auf: zu Stallone in seiner Rolle als Rocky und zu Bruce Lee. Sie haben mich dazu motiviert, weiterzutrainieren.

Würden Sie heute noch einmal für eine Stuntszene Kopf und Kragen riskieren?

Chan: Ich bin nicht mehr der Jüngste, aber ich liebe die Action nach wie vor. Heute ist vieles einfacher geworden, ich kann meine Sprünge tiefer ansetzen. In Asien habe ich verrückte Sachen gemacht. Dort gibt es für eine Stuntszene immer nur eine Chance, dann muss sie im Kasten sein. Ich habe mir Finger gebrochen oder den Knöchel, aber mich immer zuerst nach dem Dreh erkundigt.

Wenn man in Amerika dreht, sitzt man da und beobachtet, wie die Leute den Wind messen, die Geschwindigkeit berechnen und im Computer alles durchrechnen. Dann erst heisst es, Jackie, du kannst loslegen. In Asien verlassen wir uns auf unser Augenmass.





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