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Tagblatt Online, 27. Mai 2010 08:29:00

In der Menopause

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Für Miranda, Carrie, Samantha und Charlotte ist die Welt auch 2010 noch immer ein einziger Laufsteg. (Bild: Bild: Warner Bros.)

Ein Film wie ein Modekatalog. Sex and the City 2 ist ein schöner Film mit vielen schönen Kleidern. Leider sind der Sex und die City abhanden gekommen.

Katja Fischer

«Sex and the City 2» ist in die Wechseljahre gekommen, Hitzewallungen in der Wüste und Stimmungsschwankungen im Valentino-Dress inklusive. Streng nach Drehbuch müsste nur die notorisch läufige Samantha (Kim Cattrall) unter einem «beunruhigenden Libidoverlust» leiden. Faktisch mangelt es aber dem ganzen Film an Spritzigkeit. Während Samantha mit allerlei Pillen gegen die Last des Alters kämpft und für ihr Sexleben eine Verhaftung («Ja, das sind Kondome, und das sind meine Brüste») im Gottesstaat

Abu Dhabi riskiert, ist bei ihren drei Freundinnen tatsächlich nicht mehr viel los mit Sex und langen Nächten in der Stadt.

In Dior auf dem Sofa

Ohne Samanthas Eskapaden und ihre launigen Sprüche wäre «Sex and the City 2» nicht viel mehr als die bizarre Kopie von «Desperate Housewives». Bizarr deshalb, weil sich der Alltag mit schreienden Kindern und langweiligem Ehemann («Mister Big» kauft sich einen Flachbildschirm fürs Schlafzimmer) schlecht in Kostümen im Gesamtwert von 10 Millionen Dollar darstellen lässt.

Es freut die Zuschauerin dafür umso mehr, wenn Charlottes (Kristin Davis) Tochter auf Mamis weissem Valentino-Kostüm (welches diese zum Backen trägt) rote Flecken hinterlässt oder Carrie mit einem grünen 30 000-Dollar-Kleid zu Hause auf dem Sofa bleiben muss.

Der Sex ist weg – die Ehe da

Der Sex ist verschwunden, gekommen sind die Sorgen um die Kinder (Charlotte), das spiessige Eheleben mit Video und Pizzakurier (Carrie) und das Alter (Samantha).

Das ist normal für Frauen um die vierzig – aber nicht der exklusive Stoff, aus dem die Geschichten von «Sex and the City» von 1998 bis 2004 gemacht wurden. Damals ging es darum, den Sex beim Wort zu nennen, sich gegen das Schicksal am Herd zu wehren und das Recht auf gute Cocktails in den schönsten Kleidern zu verteidigen.

Die Serie – kurz SATC – hatte Millionen Fans und wurde dank der schrillen Stylistin Patricia Field zum wöchentlichen Modehappening für Frauen zwischen 20 und 40 Jahren. Was Carrie (Sarah Jessica Parker) in einer Folge trug, war jeweils innert Stunden ausverkauft.

Ein Prinzessinnentraum in N. Y.

Mit Klischees, Geld und Kitsch wurde in der Serie schon damals nicht gespart – gestört hat es niemand.

Nur böse Kritikerinnen haben sich 1998 gefragt, wie Carrie als Kolumnistin derart viel Geld verdienen kann und ob es wirklich der Sinn eines emanzipierten Frauenlebens ist, auf 13-Zentimeter-Absätzen «Mister Right» zu suchen.

Ist es natürlich nicht, und natürlich war «Sex and the City» nie exaktes Abbild einer Frauenrealität. Es war ein witziger, selbstironischer Frauentraum. Vier moderne Prinzessinnen leben ein Prinzessinnenleben in der schönsten Stadt der Welt (New York).

Irgendwann kamen aber drei Prinzen geritten, und es wurde geheiratet. Aus gutem Grund schliessen Märchen an dieser Stelle. Doch die Macher von «Sex and the City» wollten das Märchen weiterträumen. Keine gute Idee.

Vier Trampeltiere in Abu Dhabi

Denn mit den Grossstadtheldinnen des Jahres 1998 haben die in die Jahre gekommenen Frauen 2010 nur noch ganz am Rande zu tun. Da hilft auch ein Trip ins Luxusparadies von Abu Dhabi nicht viel. Zumindest der Story nicht, dem Product Placement schon.

Wo sonst kann man problemlos vier Maybachs auffahren lassen und müssen die Damen der Hitze wegen mehrmals täglich die Kostüme wechseln? Ansonsten war es ein Fehler, die vier New Yorkerinnen in die Vereinigten Arabischen Emirate zu schicken. Während sich Carrie und Co. in den Strassenschluchten des Big Apple stets mit Grazie bewegten, führen sie sich in Abu Dhabi auf wie kapitalistische Trampeltiere. Früher hat das Quartett Millionen Fans die Welt erklärt. Jetzt fröstelt es die Zuschauerinnen, wenn Miranda ihren Freundinnen sagen muss, was ein Muezzin ist.

Hochzeit mit Schwänen

Die beste Szene von «Sex and the City 2» kommt denn auch gleich zu Beginn und spielt in New York. Eine Schwulenhochzeit wird gefeiert. Mit Schwänen und schwülstigem Männerchor, alles glitzert, alles schimmert, Carrie sieht wahnsinnig gut aus, Liza Minnelli singt, und «Mister Big» sprüht vor Charme. «Sex and the City» at its best. Zuckersüsse Unterhaltung mit Witz und Kitsch.

Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden, schliesslich ist es auch müssig, bei jedem neuen Actionstreifen (für Männer) nach der Story zu fahnden und den Machern mangelnde Tiefgründigkeit vorzuwerfen. «Sex and the City» ist ein schöner Film mit schönen Frauen in schönen Kleidern, die komplett unwichtige Dinge tun. Schade nur, sind die 90er-Jahre vorbei.





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