Simon Enzler: "Jede Gesellschaft hat die Komiker, die sie verdient"

INTERVIEW ⋅ Nach einer Pause geht der Appenzeller Komiker Simon Enzler wieder auf Tour. Im Interview verrät er, dass er über den Sommer offline war und ob er bei seinen Auftritten die Innerrhödler in die Pfanne haut.
14. September 2017, 09:34
Interview: Simon Roth, Christoph Sulser
Simon Enzler, was haben Sie den Sommer über gemacht?

Ich war offline. Die Bühne war für einmal ganz weit weg. Es war herrlich. Ich bin aber auch wahnsinnig gern unterwegs und freue mich wieder auf die Bühne.

Sie haben das Fischen für sich entdeckt. Wie kam es dazu?

Das war eine grosse Entdeckung – das perfekte Hobby für den Mann, weil man immer wieder neues Zubehör kaufen kann. Ich war noch nie so oft in der Natur. Das Lied «Gone Fishing» von Chris Rea hat mich wohl dazu inspiriert. Ich habe es beim Autofahren bestimmt Hunderte Male gehört.

Auf Tournee sind Sie viel mit dem Auto unterwegs. Stört Sie das nicht?

Die Schweiz ist in dieser Hinsicht ein praktisches Land. Nach einem Auftritt kann ich nach Hause fahren. Dabei höre ich Musik. Nachts auf der Autobahn zu fahren, ist wie fliegen.

Wie sind Sie eigentlich Komiker geworden?

Mit elf Jahren wurde mir eine Kassette mit Geschichten von Emil geschenkt. Das hat mich fasziniert. Im Gymi habe ich dann angefangen, eigene Texte zu verfassen und sie auswendig zu lernen. Mit 15 hatte ich den ersten Auftritt am 70. Geburtstag meines Grossvaters.

Was ist guter Humor?

Guter Humor muss echt sein und ehrlich transportiert werden. Humor ist nicht unbedingt, was auf der Bühne passiert. Humor kann auch alltäglich sein. Dennoch hat jede Gesellschaft die Komiker, die sie verdient. Die Bühne ist ein Abbild der Gesellschaft.

Wie wichtig ist der Lacher?

Ein Komiker braucht die Resonanz des Publikums. Die Performance lebt von der Interaktion mit den Leuten. Ein Komiker ohne Lacher ist wie ein Fisch ohne Wasser.

Und der beste Lacher ist für Sie?

Der spontane, ehrliche Lacher, den man nicht zurückhalten kann.

Sie spielen den hinterwäldlerischen Appenzeller. Wollen Sie die Innerrhödler damit in die Pfanne hauen?

Nein, der Innerrhödler steht als Platzhalter für alle Schweizer. Ich mache mir nur das Klischee des rückständigen Appenzellers zunutze. Im Verlauf des Abends breche ich mit dem Bild, das in den Köpfen der Zuschauer geistert. Plötzlich ist da ein Appenzeller, der offen und progressiv denkt. Damit will ich die Leute anregen, unsere heile Welt zu hinterfragen.

Sind Sie ein Weltverbesserer oder ein Schwarzmaler?

Auf der Bühne stelle ich die Welt dar, wie ich sie sehe. Ich gebe mir Mühe, nicht moralisch zu sein. Ich präsentiere lediglich eine Beobachtung und übe Kritik an gewissen Zuständen. Das Urteil überlasse ich den Zuschauern. Meine Figuren sind nicht von Grund auf böse, sie scheitern nur an den Herausforderungen der Realität.

Interview: Simon Roth, Christoph Sulser

Simon Enzler live: Der Appenzeller Kabarettist tritt am 29. und 30. September in der Alten Stuhlfabrik in Herisau auf.


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