Aus für die Kunstausstellung Trubschachen

KUNSTAUSSTELLUNG ⋅ Fast das ganze Dorf Trubschachen packte alle vier Jahre mit an, um im Schulhaus eine hochkarätige Schau grosser Schweizer Kunst zu präsentieren. Doch nun ist Schluss: Den Organisatoren ist das Risiko zu gross geworden.
10. November 2017, 12:13

An Erfolg dürfte es der aussergewöhnlichen Kunstausstellung nicht gemangelt haben. Rund 43'000 Kunstfreunde pilgerten allein diesen Sommer in das 1400-Seelen-Dorf im hintersten Emmental, um sich im Dorfschulhaus von Trubschachen hochkarätige Werke von Hodler, Giacometti, de Saint Phalle oder Biéler anzusehen.

Dass der Traditionsanlass in dieser Form nicht mehr weitergeführt wird, hat vielmehr mit den steigenden Anforderungen an die Professionalität zu tun, die von einer Organisation von Freiwilligen kaum mehr bewältigt werden kann, wie aus einer Mitteilung des Kulturvereins Trubschachen vom Mittwoch hervorgeht.

Erschwerend hinzu kommt, dass die konservatorische Schutzbedürftigkeit der Gemälde grosser Meister zunimmt, und auch die Versicherungswerte steigen. Die Anforderungen der Leihgeber seien immer mehr gestiegen und damit auch die Kosten, sagte Rudolf Trauffer, Leiter des Ausstellungsteams in einem Interview mit "Radio Neo1".

Wenn man finanziell einigermassen gesund über die Runden kommen wolle, dann müssten auch die Einnahmen stetig steigen. "Dann müssen wir immer grösser und grösser werden und das ist für alle Beteiligten nicht mehr zumutbar".

Giacometti in der Turnhalle

Dazu muss man wissen, dass die Kunstausstellung Trubschachen jeweils während der Sommerferien im Dorfschulhaus stattfand. Werke von Hodler, Giacometti, Segantini, Amiet oder Anker hingen in Klassenzimmern, in der Turnhalle und in der Aula.

Die millionenschwere Kunst musste sachgerecht ausgestellt und rund um die Uhr bewacht werden. Rund 430 Freiwillige, vom Dorfschullehrer bis zur Bauersfrau, sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Viele Helfer sind seit Jahrzehnten dabei. Die Ausstellung versetzte das Dorf jeweils in eine Art freudigen Ausnahmezustand.

Organisiert wurde die Ausstellung vom Kulturverein Trubschachen, dessen Präsident der örtliche Biscuitfabrikant Oskar Kambly ist. Sein Vater war es, der 1964 zusammen mit dem Dorfschullehrer Walter Berger die erste Schau initiierte. Ihr Ziel war es, grosse Kunst aufs Land zu bringen, zu Leuten, die nicht ins Museum gehen.

Der Kulturverein Trubschachen will sich nach eigenen Angaben nun wieder auf die ursprünglichen Ziele konzentrieren. Bis zur Hauptversammlung im kommenden Herbst will er neue Projekte und Strukturen präsentieren. (sda)


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