«arthur»: Kunst geht fremd

Die mobilen Kunsthallen Toggenburg sind zum sechstenmal unterwegs. Diesmal gastiert «arthur» im Fürstentum.
16. September 2011, 01:08
Kristin Schmidt

«arthur» hat seinen Platz gefunden. Und seine Farbe: aufreizendes Rot. Der kleine Wohnwagen, das Herzstück der Kunsthallen Toggenburg, parkiert nahe der Molkerei Eschen. Die Initianten des nomadisierenden Toggenburger Kunstprojekts sind emigriert.

Chatten und reisen

Die Grenzüberschreitung ist zugleich inhaltliche Vorlage. «Fremd gehen» ist das Motto; ihm kommt Daniela Vetsch Böhi mit ihren Chatroomrecherchen sehr nahe. Einerseits bestätigt sie Vorurteile, andrerseits hinterfragt sie Identität und Anonymität der Chatter. Die Arbeit ist einer der Höhepunkte der kleinen Präsentation. Auch Andy Storcheneggers «Altar für das Paradies» zählt dazu: Mit Grünpflanzen verwandelt der Zürcher einen Nebenraum der Molkerei in ein tropisches Separee. Videos, gedreht im Königreich Tonga und vor Ort in Liechtenstein, thematisieren die Brüchigkeit der gezeigten Welten und ihre befremdliche Verwandtschaft.

Regula Gahlers überdimensionale Suppentöpfe bieten die Folie für eine vordergründigere Gegenüberstellung: ein kauerndes, verhungerndes Kind neben einer Magersüchtigen. Das ist zwar etwas plakativ, aber dennoch wirksam. Umso mehr, als es von Nadja L. Haefelis Gemälden von Törtchen und verrottendem Obst umrahmt ist – auch dies eine Konfrontation der expliziteren Art.

Kunst im Kunstfernen

Wohltuend sind die stillen Töne, etwa Anita Schneebergers Lochkamerabilder aus Zugfenstern, beiläufig präsentiert in einem Postkartenständer. So meistert die Zürcherin zudem die Herausforderung des Raums. Für die Kunsthallen Toggenburg ist die Kunstferne des Ausstellungsortes stets ein Kriterium. Ein anderes, die Qualität der Arbeiten, bleibt diesmal hinter «arthur#5» im vergangenen Jahr zurück.

Alte Sennerei-Molkerei Eschen/FL, bis 25. 9., Fr und Sa 15–20 Uhr und So 13–17 Uhr geöffnet. www.kunsthallen-toggenburg.ch

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