Zwei Heilige als freche Jungs

Das Innenarchitekturbüro Schudel & Partner stellt eine neue Kunstplattform zur Verfügung. Zur Premiere hat das Zürcher Künstlerinnen-Duo Rahel Müller und Melanie Tauscher ein wenig augenzwinkernd «Peter und Paul» gemalt.
03. April 2009, 01:03
martin preisser

Rund dreissig Stunden vor der gestrigen Vernissage wirken Rahel Müller und Melanie Tauscher überraschend entspannt. Noch ist erst die Hälfte ihres Wandbildes fertig, das die beiden Zürcher Künstlerinnen speziell für die erste Ausstellung bei «Kunst + Raum» realisieren. Und die Bilder und Arbeiten, die sie zusätzlich mitgebracht haben, sind noch nicht gehängt.

«So spontan ist noch nie ein Bild entstanden», sagen die beiden Frauen, die sich fast wie Schwestern ähneln und seit zehn Jahren künstlerisch zusammenarbeiten. Zwei Fotografien von zwei Jungen an die Wand geheftet und los kann das Wandgemälde gehen. «Peter und Paul» heisst es und nimmt ein St. Galler Wahrzeichen humorvoll unter den Pinsel.

Nicht nur bedeutungsschwer

Paulus, achtjährig und mit lockigem Haar, ein Heft in der Hand, neben ihm mit langen blonden Haaren Kollege Petrus mit dem Schlüssel. Ein wenig frech, jedenfalls recht selbstbewusst schauen die beiden Jungen von der Wand. Die Künstlerinnen kennen ihre Modelle persönlich. Ein wenig merkt man, das Rahel Müller in Berlin einmal einem Maler assistiert hat, der im Renaissance-Stil Figuren malt. Leicht hingeworfen wirken «Peter und Paul». Die Kunst von Müller und Tauscher will hier demonstrativ nicht bedeutungsschwer erscheinen.

Das Künstlerinnen-Duo hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit Kunst gemacht, die recht konkret und alltagsnah wirkt. Dekoratives Arbeiten oder Auftragskunst sind für Müller und Tauscher keine negativen Begriffe. «Unsere Sachen sind oft nicht so weit hergeholt», betonen sie. Beide wollten Goldschmiedinnen werden, fanden aber keine Lehrstelle. Zusammen haben sie dann in St. Gallen eine Zahntechnikerausbildung absolviert, um sich danach sofort gemeinsam der Kunst zu widmen. Bei «Peter und Paul» darf jede der beiden auch in die Arbeit der anderen eingreifen. «Wir bringen uns gegenseitig weiter», sagt Melanie Tauscher. «Wir sind ein Duo, keine Konkurrenten», doppelt Rahel Müller nach.

Der Reiz toter Gegenstände

Unverstellt und unmittelbar wirkt ihr Umgang mit Kunst. Müller und Tauscher sind vor allem auf dem Gebiet der Malerei und der Installation daheim. Seit Jahren beschäftigen sie sich auch mit dem «emotionalen Wert toter Gegenstände», porträtieren das Unbeachtete, wobei sie schon einmal Bohrmaschinen (italienisch: trapani) zum sizilianischen Wappen-Emblem zusammenfügen, und der Name der Stadt Trapani plötzlich ganz neu erklärt ist. 2006 haben sie ihre Firma «Müller Tauscher GmbH» gegründet, mit der sie ihre Kunst «in den kommerziellen Auftrag integrieren» können.

«Gewöhnliche Dinge, die trotz ihrer Belanglosigkeit viel in sich bergen, stehen im Zentrum unserer Arbeit», erklärt das Duo. Die Künstlerinnen hoffen, dass die St. Gallerinnen und St. Galler über die beiden jungen Freunde «Peter und Paul» schmunzeln werden. «Starke und wilde Jungs müssen es sein», finden Rahel Müller und Melanie Tauscher, die neben dem Wandbild, von dem man auch eine Kopie für die eigenen vier Wände malen lassen kann, Ölbilder und Objekte mitgebracht haben, welche ihr gesamtes Schaffen repräsentieren.

Bis 29. Mai. Interni, Schudel & Partner, Innenarchitektur. St. Jakob-Strasse 64, SG. 071 244 12 08. www.muellertauscher.ch; www.interni.ch

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