Zeit für höhere Ziele

Asool lassen sich gerne Zeit. Schon seit zehn Jahren schreibt die St. Galler Band eigene Songs, jetzt veröffentlicht sie ihr erstes Album und tauft es in der Grabenhalle. «A Sudden Outbreak of Lethargy» ist ein starkes Stück Alternative Rock.
20. März 2013, 01:35
ROGER BERHALTER

Man soll sich hohe Ziele stecken, heisst es. Also möglichst alles wollen, damit man möglichst viel erreicht. Asool gehen gelassener vor. «Wir gehen es lieber ruhig an», sagt Roger Gahler und lacht. Der Sänger und Gitarrist der Band beschreibt, wie gut die Idee war, irgendwann die Ziele herunterzuschrauben: «Wir entspannten uns sofort und wurden kreativ. Auch unser Sound wurde besser.» Anstatt dass die Band nach jahrelangem Proben in Lethargie versumpfte, blühte sie neu auf. Vielleicht ist der Albumtitel «A Sudden Outbreak of Lethargy» ja eine Anspielung darauf.

Auf jeden Fall hat es der St. Galler Band nur gutgetan, den Ehrgeiz zu drosseln. Mit ihrem Débutalbum ist ihnen ein starkes Stück Alternative Rock gelungen. «A Sudden Outbreak of Lethargy» vereint harte Gitarren und weiche Pianolinien, treibendes Schlagzeug und besänftigende Geigen. Zweistimmiger Gesang, überraschende Arrangements und ein raffiniertes Wechselspiel zwischen melodiösen und brachialen Passagen zeichnen die Musik von Asool aus. Von Lethargie keine Spur, hier drücken eine Musikerin und drei Musiker gleichzeitig aufs Gaspedal.

Störgeräusche willkommen

«Früher montierten wir die Songs beim Aufnehmen Spur um Spur zusammen», sagt Gahler. Als Asool hingegen im Rotfarb-Studio in Uznach ihr Album aufnahmen, stellten sich alle Musiker in einen Raum und spielten zusammen drauflos. So sind auf dem Album auch ein paar Störgeräusche verblieben: Das Knacken des Schlagzeugstuhls, das Klappen der Pianopedale. «Irgendwann waren wir an dem Punkt, an dem wir den Klang nicht mehr korrigieren wollten», sagt Gahler. «Die zwölf Songs sollten roh bleiben und ihren Charakter behalten.»

Asool haben sich für ihr erstes Album viel Zeit gelassen. Bald zehn Jahre gibt es die Band schon, doch erst jetzt veröffentlichen sie ein «richtiges» Album. Bisher kursierten erst Demoaufnahmen, und Asool produzierten in ihrem Proberaum in Mörschwil lieber CDs für andere als für sich selbst. «Bis jetzt haben wir vor allem gelernt», erklärt Gahler bescheiden die Wartezeit.

Stabile Bandbesetzung

Zusammen mit dem Schlagzeuger und Pianisten Simon Honegger gründete Roger Gahler vor zehn Jahren Asool, nach und nach kamen die übrigen Bandmitglieder Nicole Zahner (Gesang und Piano/Samples) und Luca Bernardinis (Bass) hinzu, zwischendurch verstärkte ein zweiter Gitarrist die Band. Die Viererbesetzung ist seit zehn Jahren stabil, dennoch ergab sich erst 2012 die richtige Konstellation, um eine Albumproduktion zu wagen. Als die Band an einem Konzert in der Grabenhalle den Live-Mischer Martin Hofstetter kennenlernte, war ihnen auch klar, mit wem sie ins Studio gehen wollten.

Gemeinsam durch Krisen

«Wir haben uns viel Zeit genommen», erinnert sich Gahler. Statt das komplette Album in ein paar Tagen in die Saiten zu hauen, verteilte man die Aufnahmen über Monate hinweg auf mehrere Wochenenden. «Wir haben nicht den Stress einer jungen Band», gibt sich Gahler abgeklärt. «Wenn man so lange zusammenspielt wie wir, fällt die Gruppe nicht gleich bei der ersten Krise auseinander.» Das habe sich gerade auch im Studio als Vorteil erwiesen.

Sticheln Richtung Röhrli-Jeans

Überhaupt sticheln Asool gern in Richtung jener jungen Rockbands mit «perfekt sitzenden Out-of-Bed-Frisuren und engen Jeans», wie sie im Pressetext schreiben. Asool bieten sich als «Verschnaufpause vom Indie-Rock» an. Roger Gahler erklärt: «Wir wollen andere Bands nicht schlechtmachen. Aber es gibt halt schon viele Musiker, die sich mehr Gedanken über ihre Kleider als über ihre Songs machen.» Wobei sich die Situation in den vergangenen zwei, drei Jahren wieder gebessert habe. «Viele der neuen jungen Bands spielen saugut», sagt Gahler, der als Jurymitglied des Ostschweizer Bandwettbewerbs «bandXost» genau weiss, wie der Nachwuchs klingt.

Bis nach Brighton

Zurück zu den Zielen. Asool haben ihre zum Glück wieder höher gesteckt. Die vier Musiker schreiben im Moment viele Festivals an, im Mai geht's für einen Auftritt sogar bis nach Brighton. Zwar waren Asool in jüngster Zeit immer wieder auf kleineren Bühnen zu hören, wie zuletzt an der Neueröffnung der Bar Tankstell in St. Gallen. Doch jetzt dürfen die Bühnen ruhig wieder grösser werden.

CD-Taufe (mit Reding Street): Fr, Grabenhalle, 21 Uhr

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