So ruhig, dass man an Lautlos denkt

17. September 2012, 01:36

Scheinwerfer tauchen die Baumkronen und das Holzgebälk in farbiges Licht. In Fässern flackert das Feuer, am Himmel leuchten die Sterne, im Wasser spiegelt sich die Bühne. Spätsommer-Romantik auf Drei Weieren, am ersten «Weihern Unplugged», dem ersten zweitägigen Unplugged-Festival in der Frauenbadi.

Es ist Samstagabend, und das Singer-Songwriter-Duo Eibish gibt vor 300 Zuhörern ein Konzert in der Badhütte. «Im nächsten Song geht's um die Schüchternheit. Wie zum Beispiel die Schüchternheit vor diesem Auftritt», sagt Sängerin Brigitte Knöpfel ins Mikrophon, bevor sie den Song «Kingdom come» anstimmt. Es gäbe keinen Grund, nervös zu sein. Das Publikum ist konzentriert, mucksmäuschenstill, und blickt von Festbänken aus, in Decken gepackt, wohlwollend Richtung Bühne. Gesprochen wird höchstens am Rand, ansonsten ist es so ruhig an diesem Open Air, dass man sein Handy auf Lautlos schalten möchte, um die Atmosphäre nicht zu stören.

Rettungsschwimmer vor Ort

Von dieser Stimmung wird auch der Veranstalter von «Weihern Unplugged», Dario T. Aemisegger, am nächsten Tag schwärmen. «Anders als normal» sei die Atmosphäre, und er führt dies unter anderem auf den Alkoholverzicht zurück. Weil die Frauenbadi eine städtische Badeanstalt ist, müssen die Open-Air-Veranstalter einige Vorgaben einhalten. Unter anderem dürfen sie keinen Alkohol ausschenken, und ein Rettungsschwimmer muss vor Ort sein, um bei Bedarf ins Wasser zu springen.

Das Musikprogramm passt sich ebenfalls dem Veranstaltungsort an. Statt heulenden Rockbands oder pumpenden DJs betreten ruhigere Bands die Bühne, und die Verstärker bleiben zu Hause. Der Freitagabend ist mit Bright sowie Thomaten und Beeren zwar noch verhältnismässig rockig und zieht ein jüngeres Publikum an. Am Samstag wirds mit Eibish und dem Solo-Bassisten Mich Gerber aber dezenter und sphärischer, und das Durchschnittsalter steigt. Wobei auch auffällig viele Kinder zuhören – oder warm eingepackt vor Ort schlafen.

Hoffentlich ohne Wasserleiche

Insgesamt 500 Besucherinnen und Besuchern zählte Dario T. Aemisegger am ersten «Weihern Unplugged», 200 am Freitag und 300 am Samstag. Damit ist der Veranstalter zufrieden. «Alles ist reibungslos verlaufen», sagt er am Tag danach. Auch der Rettungsschwimmer sei nicht zum Einsatz gekommen. «Zudem gab es extrem wenig Littering.» Die Leute hätten sich derart rücksichtsvoll verhalten, das die Aufräumequipe am Sonntag fast keinen Abfall vorfand.

Geht es nach Aemisegger, wird das «Weihern Unplugged» erneut stattfinden. Zuerst wird er den Anlass aber mit den beteiligten Behörden und Partnern auswerten. Doch er ist zuversichtlich, dass es auch 2013 ein Open Air geben wird – «sofern in den nächsten vierundzwanzig Stunden keine Wasserleiche auftaucht». Roger Berhalter


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