Parallel-Heimspiel im Hotel

Eine Stunde vor dem offiziellen «Heimspiel», mit dem der Kanton Ostschweizer Kunstschaffen zeigt, geht im leeren Hotel Ekkehard am Freitag ein weiteres «Spiel» auf. Erwartet werden über zwanzig Kunstschaffende aus der Ostschweiz.
10. Dezember 2012, 01:38
MARTIN PREISSER

Über vierhundert Kunstschaffende haben sich für das offizielle «Heimspiel», organisiert vom Amt für Kultur des Kantons St. Gallen, beworben, 53 wurden ausgewählt. Das führt in der Kunstszene automatisch zu Diskussionen, teils auch zu Irritationen. Die Fragen, warum wer nicht genommen wurde, sind vorprogrammiert.

Jetzt soll es eine Art zweites «Heimspiel» geben, mit Kunstschaffenden ebenfalls aus der gesamten Ostschweiz, die beim offiziellen aussen vor blieben. Man lässt einfach das «Heim» weg und nennt die Aktion im leeren Hotel Ekkehard an der Rorschacher Strasse, nur wenige Schritte vom Kunstmuseum entfernt, «Spiel».

Die Organisatoren wollen die Kunstaktion, die am Freitag genau eine Stunde vor dem offiziellen «Heimspiel» startet, allerdings nicht als Protestaktion verstanden wissen. «Es soll eine ergänzende Plattform sein», sagt Claudius Krucker, Jurist, Kunstvernetzer und Präsident der Kunsthalle Arbon. «Das offizielle <Heimspiel> alle drei Jahre reicht nicht aus, um das regionale Kunstschaffen abzubilden. Mit <Spiel> wollen wir die Werkschau Ostschweizer Kunst erweitern.»

Keine Protestveranstaltung

Das Parallel-Heimspiel sei keine spontane Aktion, sondern schon vor den Juryentscheiden des offiziellen «Heimspiels» angedacht worden, sagt die St. Galler Künstlerin Barbara Bär, die mit ihren Kolleginnen Michèle Mettler und Claudia Valer die Kerngruppe von «Spiel» bildet. Auch Barbara Bär will nicht von Protest sprechen, sondern von einer interessanten Ergänzung. Bei der Aktion «Spiel» wurde im Gegensatz zu «Heimspiel» nicht juriert. Qualität stehe aber im Vordergrund: «Wir kennen viele gute Leute, die sich bereit erklärt haben mitzumachen», sagt die Organisatorin.

Gratis zur Verfügung gestellt

Der Ausstellungsraum im «Ekkehard» hat einen speziellen rauhen Baustellencharakter. Genutzt wird das seit vier Jahren leerstehende Hotel nicht zum erstenmal für kulturelle Zwecke. Im Juni haben junge St. Gallerinnen New Yorker Filmschaffende zu einer Filmnacht geladen. Die Ekkehard Immobilien AG samt Trägerschaft, wie sich die Eigentümer nennen, stellen die Liegenschaft für die «Spiel»-Aktion gratis zur Verfügung. «Wir machen das uneigennützig und sind kulturell neutral», sagt Architekt Thomas Reiner, der zwischen der Ekkehard Immobilien und den Ausstellungsmachern vermittelt. Die Pläne für ein neues Ekkehard-Hotel sind indes nach wie vor unverändert in der Stand-By-Phase.

Ausser einer kleinen Homepage (www.das-spiel.ch) hat bis jetzt nichts auf das Parallel-Heimspiel hingewiesen. Die Veranstalter arbeiten sehr kurzfristig und mit Low-Cost-Budget, heisst: die Kunstschaffenden beteiligen sich an den Kosten. Dass alles erst in letzter Minute aufgegleist wird, liegt auch daran, dass die Bewilligung der städtischen Baubehörde erst vor einigen Tagen eintraf.

Vernissage: Fr, 14.12., Hotel Ekkehard (Rorschacher Str.), 17 Uhr

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