Kurz und bündig – kreativ und pfiffig

Noch nie gab es einen so starken Ostschweizer Block an der Kurzfilmnacht. Am Freitag und Samstag sind neben vier weiteren sehenswerten Blöcken mit nationalen und internationalen Kurzfilmen sechs lokale Premieren zu sehen, unter anderem von Michaela Müller und Sascha Tittmann.
05. Mai 2010, 01:02
Andreas stock

Seine internationale Premiere wird «Miramare» am Filmfestival Cannes haben. Doch nach einem Studentenfilmpreis in Zagreb ist der Animationsfilm der Rorschacherin Michaela Müller dieses Wochenende zuerst noch im Ostschweizer Block der Kurzfilmnacht zu sehen. «Miramare» beschreibt in acht Minuten stimmungsvoll die Campingferien einer Familie an einem Mittelmeerstrand.

Auf Glasplatte gemalt, nimmt die «Wasserfarben»-Technik die mediterran-sommerliche Atmosphäre in einer fliessend-luftigen Erzählung stimmig auf.

Expressionistischer Videoclip

Dynamisch und temporeich ist die Inszenierung von «Too long», dem neuen Video-Clip von Sascha Tittmann. Der St. Galler Grafiker und Animationsfilmer hat den gleichnamigen düsteren Popsong der deutschen Band Subraum Katzen visualisiert. Das Orwellsche Thema von Überwachung und Kontrolle setzt Tittmann in expressivem Schwarzweiss und einer Bildsprache um, die an Stummfilme und Plakate aus den 20er-Jahren erinnert. Sehr ornamental, vereinzelt fast wie im klassischen Scherenschnitt, sind die Bilder sehr dynamisch und hart aneinandergeschnitten. Der Animationsfilm, eine Auftragsarbeit, wurde soeben fertig und erlebt am Freitag seine Premiere.

Rigider Gärtner

«Little Eden» heisst die schöne Abschlussarbeit von Nino Christen an der Hochschule Luzern, und erinnert thematisch leicht an den Film «Innenhof» von Tittmann. Im ironischen, sechsminütigen Animationsfilm des St. Gallers versucht ein Mann in seinem Garten alles zu vertreiben und zu eliminieren, was nicht in seine rigide Vorstellung von Ordnung passt. Ein Rabe wird dem Gärtner aber zum Verhängnis. Zusammen mit dem einminütigen «Jack'n'Jill» von Rahel Eisenring wird eindrücklich unterstrichen, wie kreativ sich das St. Galler Animationsfilmschaffen derzeit präsentiert.

Ausserdem ist das Action-Abenteuer «Brennender Stein» zu sehen, womit der junge Sebastian Klinger wieder grossen Hollywood-Vorbildern nacheifert, sowie «Wild» von Marco von Moos und Patricia Keller, einer etwas gar dramatisch zugespitzten Dreiecksgeschichte in den Bergen.

Preisträger und Hommagen

Die Tour der Kurzfilmnacht bringt vier weitere, zwischen 50 und 80 Minuten dauernde Blöcke mit sehenswerten Kurzfilmen nach St. Gallen. Der erste Filmblock ist den für einen Schweizer Filmpreis «Quartz» nominierten Shorts gewidmet. Darunter auch der Gewinner des Preises für den besten Kurzfilm, «Las Pelotas» von Chris Niemeyer und die mehrfach ausgezeichnete «Schonzeit» von Irene Ledermann. Der zweite Block mit dem Titel «Cinema Forever» ist eine Liebeserklärung ans Kino. Hier sind Remakes, Persiflagen und Hommagen an bekannte Filme wie beispielsweise «Psycho» oder «Die Hard» zu sehen.

Tierisches Sexleben

Im Block «Down under» werden die Zuschauer mit dem eigenständigen Kurzfilmschaffen aus Neuseeland und Australien bekannt gemacht. Und schliesslich beantwortet die wunderbare Isabella Rossellini alle Fragen rund ums Liebes- und Sexleben von Käfern, Insekten und Meerestieren. Mit «Green Porno» hat die berühmte Schauspielerin fürs renommierte Sundance Festival eine Reihe von humorvollen Kürzest-Filmen geschaffen, realisiert mit Karton und Pappmaché, aber wissenschaftlich korrekt. Sie sind in der Schweiz das erste Mal auf grosser Leinwand zu sehen.


Leserkommentare

Anzeige: