Interaktion an der Trash Bar

Beni Bischof und Georg Gatsas bespielen Katharinen mit ihrer Trash Bar: Kunst zum Anfassen, Abhängen, Austrinken.
07. September 2011, 01:07
Kristin Schmidt

Die Idee ist nicht neu und trotzdem bestechend: Der Rezipient soll das Kunstwerk aktivieren. Erst durch sein Zutun lebt es; die räumlichen und immateriellen Grenzen werden zugunsten eines Miteinanders verlassen. Experimente dieser Art sind in der bildenden Kunst insbesondere seit den 1960er-Jahren verbreitet, doch bis heute kann man sich kaum unkomplizierter, genüsslicher von der Passivität des Betrachters verabschieden als am Tresen. Kein Wunder also, dass es Künstlerbars schon viele gab und wohl auch noch so einige geben wird. Aber selten gehen sie eine so enge räumliche Symbiose ein wie in dieser Ausstellung. Georg Gatsas' und Beni Bischofs Arbeit breitet sich in jeden Winkel Katharinens aus. Der mittelalterliche Raum wird zur Gänze genutzt, besetzt und verwandelt. Holzbalken und Militärplachen widersprechen sich nicht. Statt Dunkelmännern gibt es einen Darkroom. Die Aufsichten schenken aus und ein. Bei so manchem Detail des Arrangements ist schon zur Vernissage nicht mehr klar, ob es inszeniert, ein Überbleibsel der Aufbauarbeiten oder der Unachtsamkeit eines Vernissagebesuchers zu verdanken ist. Alles gehört dazu – vom Harass bis zum Bravoposter, von der Luftpolsterfolie bis zur Kippe.

Spontan würde man die unkonventionelle Materialansammlung eher der Arbeitsweise Beni Bischofs zuordnen. Doch die Trash Bar ist eine Gemeinschaftsarbeit beider Künstler, und so lassen sich in den Zitaten brüchiger Alltagswelten auch die präzisen Setzungen Georg Gatsas' erkennen. Gatsas ist zudem bekannt dafür, Menschen zu vernetzen, auf dass sie selber weiter werken. Denkbar beiläufig und gelassen funktioniert dies hier.

Bis 25.9., Katharinen

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