Gelungene Premiere am Jubiläum

Das 10. «Nordklang»-Festival war für das neue Organisationsteam die Premiere. Etwas, wovon das Publikum am ausverkauften Festival fast nichts gemerkt hat. Sie konnten sich ganz den musikalischen Entdeckungen widmen.
22. Februar 2016, 02:35
Andreas Stock

ST. GALLEN. Es ist ein rührender Moment im Pfalzkeller, zum Auftakt des zweiten Festivalabends. Der «Nordklang»-Initiant und abtretende Festivalmanager, Felix van den Berg, übergibt die Leitung offiziell in jüngere Hände. In einer kurzen Rede erinnert er daran, wie alles vor 14 Jahren begann – und wie sich daraus 2006 das erste Festival entwickelte. Larissa Bissegger, die neue Festivalleiterin, dankt Felix und seiner Frau Isabel, die dem Festival im Hintergrund weiterhin treu bleiben werden, für ihr «Herzblut und ihre bedingungslose Unterstützung». «Wir sind stolz, das Festival von dir übernehmen und mit dir machen zu dürfen», sagt Bissegger im Namen des neuen OK. Mit Blumen und viel Applaus vom Publikum wurden sie sowie die zwei weiteren künftigen Ehrenmitglieder Harry Preis und Tobias Bolzern verdankt.

Bewährt sympathisch

Ein Kompliment, dass man dem achtköpfigen neuen Team machen kann: Wer von den Veränderungen nichts mitbekommen hat, der wird nichts bemerkt haben. Die ausverkaufte zehnte «Nordklang»-Auflage präsentiert sich in bewährter, rundum erfreulicher Weise: Mit einem neugierigen, aufmerksamen und altersmässig breit durchmischten Publikum. Und durch seine begrenzte Grösse im intimen Rahmen, was zum Pendeln zwischen den fünf Lokalitäten einlädt, auch wenn man dabei in den einen oder anderen Regenguss geriet.

Unerschöpflich

Der charmant unaufgeregte Rahmen des Festivals macht einmal mehr deutlich, worum es den Veranstaltern seit zehn Jahren geht: Unbekannte, aber lohnenswerte Musik aus dem Norden zu entdecken. Auch als langjähriger Besucher kann man nicht anders, als jedes Jahr zu staunen, wie schier unerschöpflich das Reservoir an Musikerinnen und Musikern aus der skandinavischen Region ist. Wie es «Nordklang» immer wieder gelingt, dass man Entdeckungen machen und einmalige Konzerte erleben kann, die in Erinnerung bleiben werden. Persönlich ist diese Entdeckung der Auftritt von Henrik Jansberg in der Kellerbühne.

Mitreissend und zart

Jansberg stand seit einigen Jahren auf der Wunschliste des «Nordklangs». Die Eigenkompositionen des dänischen Violinisten erinnern in ihren minimalistischen Melodien an traditionelle Lieder, bekommen aber durch die Verbindung mit elektronischen Elementen einen rockigen, teils jazzigen Dreh. Nach St. Gallen ist der junge Fiddler in Duo-Besetzung mit dem Pianisten Morten Puper gekommen – ein Glücksfall. Denn die dadurch entschlackten Songs klingen so nicht nur fragiler, sondern bekommen mit dem exzellenten Pianisten einen ungemein spannenden, jazzigen und improvisierten Charakter.

Feingliedrig die Songs der Finnin Mirja Klippel und des dänischen Gitarristen Alex Jønsson, die Americana mit Gitarren-Folk verbinden, und bei denen selbst ein Song wie «Joy» melancholisch klingt. Ungemein viel Spielfreude, die sich aufs Publikum überträgt, ist beim Quartett Northern Assembly zu erleben. Der schwungvolle Folk der Dänen erinnert stellenweise ein wenig an Mumford & Sons. Im Pfalzkeller auch der Auftritt der «Nordklang»-Session, jener sieben Musikerinnen und Musiker, die zusammen mit Schlagzeuger Heinz Lieb am Freitag den Stummfilm «Das Eskimobaby» (siehe «Ostschweiz am Sonntag») im Kinok vertonten. Die Idee der «carte blanche», die zur gemeinsamen Interaktion einlädt, wird nur teilweise erfüllt; vor allem zehnminütige Einzelauftritte sind zu erleben.

Einstündige Konzerte, fast gleichzeitig auf fünf Bühnen – da gilt es auszuwählen. Manchmal steht man dann vor einem Konzertlokal, das bereits voll ist. Beispielsweise, wer im Palace noch ein Ohr voll bei Vök nehmen will. Das isländische Electro-Trio wird ziemlich gefeiert und startet hiermit gleich eine kleine Schweizer Tour. Also weiter zum nächsten Lokal. Vielleicht erwartet einen dort ja etwas Unerwartetes. Denn genau das macht das «Nordklang»-Festival schliesslich aus. Man darf sich auf die nächsten zehn Jahre freuen.


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