Frischer Nordwind zum zehnten

Das «Nordklang»-Festival feiert seine 10. Ausgabe. Am 19. und 20. Februar gibt es dabei gewohnt viele nordische Musikentdeckungen zu machen. Grösste Veränderung: Felix van den Berg übergibt die Festivalleitung in jüngere Hände.
28. Januar 2016, 02:35
ANDREAS STOCK

ST. GALLEN. In der Geschichte des «Nordklang»-Festivals wird diese 10. Ausgabe wohl einst als wichtiger Eckpunkt festgehalten werden. Nicht wegen des runden Geburtstags, um den das sympathische kleine Musikfestival kein Aufheben macht. Sondern weil sich zwei Vorstands- und OK-Mitglieder der ersten Stunde in die zweite Reihe zurückziehen und ihre Aufgabe in jüngere Hände geben.

«Schön, dass es weitergeht»

Tobias Bolzern war vom ersten Festival an verantwortlich für das Musikprogramm. Er war mit Felix van den Berg das Gesicht des Festivals und prägte mit ihm dessen Ausrichtung. Und ohne van den Berg gäbe es «Nordklang» gar nicht. Was vor 14 Jahren in einem Plattenladen auf den Färöer-Inseln in den Ferien angefangen hatte, und im einstigen St. Galler Plattengeschäft «Tonart» in der so genannten «Färöer-Connection» aufblühte, wuchs zu einem in dieser Form einmaligen Musikfestival heran, das längst über die Region hinaus wahrgenommen wird.

Der Initiant des Festivals und «Nordklang»-Präsident hatte früh begonnen, die Organisation auf weitere und jüngere Köpfe zu verteilen. Die Verantwortung der zehnten Ausgabe hat er dem neuen, jüngeren Team anvertraut. Ist ihm das schwer gefallen? «Nein, überhaupt nicht», sagt er, «im Gegenteil, ich freue mich sehr, dass die Geschichte des Festivals weitergeht und ich miterleben darf, wie es sich weiterentwickelt.»

Bewährtes bleibt

Van den Berg und Bolzern bleiben dem Festival erhalten: Der Vereinspräsident wird weiter das Freitagabend-Programm in Zusammenarbeit mit dem Kinok betreuen. Bolzern sagt zur Stabübergabe: «Das Loslassen fällt einfacher, weil wir Vertrauen ins neue Team haben.» Larissa Bissegger als Festival Managerin gehört zum neuen achtköpfigen Kernteam im Alter zwischen Mitte 20 bis Mitte 30, das für das 10. Festival verantwortlich zeichnet. Sie betont, dass man an der Ausrichtung festhalte. Nämlich ein vielfältiges Spektrum an Musik aus der Polarregion zu präsentieren. «Wir wollen nicht grösser werden und setzen weiter auf die bewährten Lokalitäten.» Larissa Bissegger ist als Architektin tätig und hat das Festival immer besucht. Seit drei Jahren arbeitet sie im 15köpfigen OK mit.

Ein neuer Stilbarometer

Die offensichtlichste Veränderung zeigt sich in der Neugestaltung des Programmhefts, das als handlicher Leporello erscheint. Er bietet eine pfiffige Charakterisierung der Musik – eine Einschätzung, die hilfreich ist, weil sich damit Erwartungen etwas justieren lassen. Vier «Barometer» verorten den Sound in einer Skala zwischen «melancholisch bis fröhlich», instrumentell bis elektronisch», «leise bis laut» und «traditionell bis modern».

Eine Woche Werkstatt

Zwei Programmpunkte gehören seit Jahren zum «Nordklang»: Die Kollaboration zwischen nordischen und Ostschweizer Musikern sowie die Stummfilm-Vertonung. Beides fällt diesmal mit der «Nordklang Sessions» zusammen. Eine Woche vor dem Festival reisen sieben Musikerinnen und Musiker aus Dänemark, Island, Norwegen und den Färöern an. Zu ihnen gesellt sich der Ostschweizer Perkussionist Heinz Lieb. In Teufen werden sie innerhalb einer Woche zwei unterschiedliche Interpretationen des Stummfilms «Das Eskimobaby» entwickeln. Im Kinok werden beide Interpretationen einmal aufgeführt. Auch am Samstag im Pfalzkeller wird das nordisch-schweizerische Kollektiv mit einer «Carte blanche» nochmals einen Auftritt haben.

19./20.2., VV: Transa Travel und Viegener Optik; www.nordklang.ch

Leserkommentare

Anzeige: