«Ein bisschen offen für Phantastisches»

Nicht nur Erwachsene, auch Kinder sollen im Theater 111 ein und aus gehen. Das unabhängige St. Galler Kleintheater möchte vermehrt Märchen und Figurenspiele zeigen. Ab heute erzählt Claudia Wirth die Geschichte «Ein Mond für Leonore».
14. Mai 2014, 02:35
ROGER BERHALTER

«Manche Erwachsene sind zu erwachsen für ein Kinderstück», sagt Claudia Wirth. Sie muss es wissen, hat sie doch schon viel Erfahrung im Erzählen von Märchen und anderen Geschichten. Ab heute führt sie im Theater 111 das Märchen «Ein Mond für Leonore» auf. Es soll nicht das einzige Kinderstück der Saison bleiben. «Die Idee ist, dass im Theater 111 etwa einmal im Monat ein Stück für Kinder zu sehen ist.» Dass auch Kinder im Kleintheater ein- und ausgehen sollen, sei von Anfang an klar gewesen. Schon an der Eröffnung vor rund acht Monaten las Claudia Wirth unter dem Titel «Die Nachtigall» Geschichten von Hans Christian Andersen.

Der Hofnarr kennt die Lösung

«Ein Mond für Leonore» bezeichnet Claudia Wirth als «ein sehr poetisches Märchen, das man bei uns noch nicht so kennt». In der Geschichte des amerikanischen Autors und Zeichners James Thurber geht es um einen König, der seiner kranken Tochter den Mond verspricht – und der eine ganze Reihe von Gelehrten aufbietet, um dieses Versprechen einlösen zu können. Schliesslich aber ist es der Hofnarr, der den Weg zu einer Lösung aufzeigt.

«Erwachsene sehen die Welt oft zu kompliziert, während für Kinder vieles ganz einfach ist», sagt Claudia Wirth. Im Märchen mit der kranken Leonore werde die Vernunft widerlegt. «Mit dem Kopf kommt man nicht so weit wie mit der Phantasie.» Claudia Wirth wird im Stück verschiedene Figuren spielen und dabei von der Kontrabassistin Adelina Filli begleitet. Das knapp einstündige Stück (für Kinder ab vier Jahren) sei auch für Erwachsene unterhaltsam – zumindest für jene, die eben noch nicht allzu erwachsen oder laut Wirth «noch immer ein bisschen offen für Phantastisches sind».

Austausch mit Figurentheater

Kathrin Bosshard formuliert es so: «Manche Kinderstücke sind nicht nur für Kinder gedacht.» Die Figurenspielerin und Gründerin des Theaters «Fleisch+ Pappe» gehört wie Claudia Wirth zum Kernteam des Theaters 111. Derzeit feilt sie am nächsten Kinderstück, das am 20. September Premiere feiert: Bei «Lumpenhut» steht sie mit Andrea Schulthess auf der Bühne. Regie führt Frauke Jacobi, die wiederum im kommenden Herbst die Leitung des St. Galler Figurentheaters übernimmt. «Zwischen den beiden Theatern herrscht ein befruchtender Austausch», sagt Kathrin Bosshard. So seien die zwei Aufführungen von «Pandoras Jukebox» des Theaters «Fleisch+Pappe» im Figurentheater beide ausverkauft gewesen – auch nachdem dasselbe Stück schon im Theater 111 zu sehen war.

Ein junges Theaterpublikum ist also offenbar vorhanden, deshalb wird im Theater 111 für die Kleinen munter weiter geplant. Noch ein kleiner Ausblick: Im kommenden Winter wird der Theatermacher Hansueli Trüb mit seinem Stück «Das rote Nashorn» zu Gast sein.

«Ein Mond für Leonore»: Heute Mi, 15 Uhr; Sa, 17 Uhr, So, 11 Uhr; Theater 111

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