Der Reiz der Leuchtkästen

Die Macelleria d'Arte überrascht immer wieder durch spontane, kurze Ausstellungen. Die Luzerner Künstlerin Irene Naef wurde für drei Wochen eingeladen. Sie zeigt in hochwertigen Arbeiten einige Aspekte ihrer künstlerischen Handschrift.
25. Mai 2013, 01:34
MARTIN PREISSER

Leuchtkästen sind der deutlichste Anziehungspunkt der kleinen Werkschau von Irene Naef. Blütenstudien wechseln mit Blicken auf zwei Zürcher Hinterhöfe und zwei südliche Nachtszenen ab.

Spannend ist die dreiteilige Arbeit «Souvenir». Die gefragte Luzerner Künstlerin, übrigens eine Schülerin von Roman Signer, legt hier attraktive Definitionen des Raums vor, den sie mit Blütenmeeren und Szenen der Geschichte der Malerei fast ein wenig subversiv theatralisch bespielt (so tauchen etwa Figuren von Vermeer oder Ingres auf).

Frauen aus drei Epochen werden hier inszeniert, mit so üppig wie surreal wirkenden Blumenteppichen. Hier wird Naefs künstlerische Strategie, vorgegebene Bilder zu verändern und sie in neue Erscheinungen überzuführen, besonders deutlich.

Poetisch zeichnerisch wirken die kleineren Leuchtkästen mit gescannten Blaupausen, auf denen kurze, flüchtige Momente feinsinnig und mit gekonntem «Strich» festgehalten sind. Die Arbeiten, die man von Irene Naef in der Macelleria d'Arte sieht, sind oft genau und bewusst austarierte Schwebezustände und nicht selten anspielungsreich. Sie zeigen – technisch präzis – auch immer Brüche zwischen real und irreal, zwischen Fliessen und Verfestigung, streng und verspielt.

Neben Arbeiten, mit denen Naef Räume definiert und inszeniert, gibt es solche, die dezidiert nach dem fragen, was ein Bild ist. Hier überzeugen auch die grossformatigen übermalten Fotografien von Frauen. Geheimnisvoll scheint das Bild der Frau, und hinter den Arbeiten scheint durchaus auch Humorvoll-Sinnliches auf.

Fast zu einer Bühne für Träume, Phantasien und Imaginationen wird die interessante Installation «Im Schatten des Schatten», einem Siebdruck auf Plexiglas. Man sieht einen Kronleuchter im freien Fall, besser seinen Schatten, der aber Licht abgibt. Eine kurze, etwas beunruhigende Szene vor heller Ornamentik. Auch hier zeigt Irene Naef einen ganz kurzen Moment eines Schwebezustandes zwischen nicht mehr und noch nicht.

Bis 5. Juni (Galerie Macelleria d'Arte)

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