Der Dealer namens Herz

In Aufzug Nr. 2 des Langzeitprojekts «Mensch! – Ein Showbusiness in mehreren Aufzügen» geht's um Ignoranz, Zärtlichkeit und Verzweiflung.
22. Mai 2014, 02:35
BRIGITTE SCHMID-GUGLER

Vergangenen Herbst hatte eine kleine Theatertruppe auf dem St. Galler Marktplatz mal kurz für Aufmerksamkeit gesorgt. Da sass in einem der längst leer stehenden Markthäuschen eine Gruppe Menschen in zwei Reihen und schaute durch die geöffnete Lade hinaus auf die Strasse. Dort spielte einer in einem wallenden Cape ziemlich schön und ziemlich traurig auf einer elektrischen Gitarre, so traurig und einsam, wie die beiden Figuren, die hin und her spazierten, über die Strasse hechteten und wieder zurück, zueinander sprachen, ohne sich jemals anzuschauen.

Sich suchen und nicht finden

Das Leuchtschriftband über dem Markthäuschen scrollte die Worte: «Willkommen in der Tyrannei meiner Intimität». Es war ein sehr lustiges, unterhaltendes und nachdenklich machendes Zuschauen gewesen, damals im Herbst. Seither haben der in St. Gallen aufgewachsene Berliner Regisseur Jonas Knecht und die Performerin und Autorin Beatrice Fleischlin jene kleine Tranche ihres Langzeitprojekts weiterentwickelt.

Interdisziplinäres Projekt

Das daraus entstandene, von Gessnerallee Zürich, Sophiensälen Berlin, Theater Chur, Theater Tuchlaube Aarau und dem Koproduktionsmodell des Migros-Kulturprozents «Prairie» koproduzierte Stück «Mein Herz ist ein Dealer» kam in der Gessnerallee zur Uraufführung. «Das Grübeln über das Existenzielle in der heutigen Wettbewerbsgesellschaft», wie sie die Kombination von Sprechtheater und Audio untertiteln, ist eine Liebesgeschichte mit Musik mit und von Andi Peter und Anna Trauffer; Letztere war auch schon bei Knechts Bühnenadaptionen von Tim Krohns «Quatemberkinder» und «Vrenelis Gärtli» dabei gewesen.

Lokremise, 24.; 28.; 29.5. 20 Uhr Reservationen: www.theater- konstellationen.ch/tickets

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