Das Festival für Musik-Gourmets

Zum zweiten Mal ging am Wochenende «Weihern unplugged» über die Bühne. Ein ruhiges Festival, bei dem nicht Partystimmung im Zentrum steht, sondern die Musik selbst. Und in Sachen Musik war nicht nur mit Stiller Has oder Manuel Stahlberger einiges geboten.
09. September 2013, 02:34
REBECCA C. SCHNYDER

Der Blick von der neuen Hauptbühne auf der grossen Wiese der Frauenbadi muss für die spielenden Künstler phantastisch sein. Die «Location» des Weihern unplugged ist einmalig. Spätsommerliche Stimmung liegt an diesem Wochenende über dem Gelände. Am Freitagabend macht der Blues-Barde Blues Max mit Gitarrist Richard Koechli den Auftakt und eröffnet das zweite Festival im St. Galler Naherholungsgebiet. Die Wiese vor der Hauptbühne ist gut gefüllt. Blues Max höchstpersönlich macht die Runde und bittet die Zuschauer weiter nach vorne: «Isch schöner zum spile, weisch.»

Zwei Männer, acht Gitarren

Und wie sie spielen: Zwei Männer, acht Gitarren, viel Blues und ein begeistertes Publikum. Nachdem im Anschluss Manuel Stahlberger vor stetig wachsendem Publikum spielt, zieht Dario Aemisegger, Gründer des Weihern unplugged, eine positive Bilanz des ersten von drei Festivaltagen: «Der Abend zeigt, dass die Musik von heute offensichtlich einem Bedürfnis entspricht.» Während sich am Freitag das Publikum vor allem aus 40+ zusammensetzt, tröpfeln am Samstag im Laufe des Nachmittags auch die Jüngeren ein. Doch der Start ist ein schüchterner, beim ersten Konzert steht anfangs einzig ein Herr in Badehose vor der Badibühne, auf der die Fabe Vega Band ihren eingängigen Sound zum Besten gibt. Die Badibühne ist dieses Jahr die sogenannte Startrampe, eine Plattform für noch unbekanntere Bands.

Sternbild über der Bühne

Wie zum Beispiel Fish Head, die hier ihren ersten Auftritt in St. Gallen spielen. Ihr Funky Early Reggae passt wunderbar in die Nachmittagssonne. Schade nur, dass währenddessen der Soundcheck auf der Hauptbühne zur Badibühne hinüberschallt.

Highlight vom Samstagabend: die oft als «unschweizerisch» bezeichnete Schweizer Band My Heart Belongs To Cecilia Winter. Trotz vieler Lücken vor der Bühne kommt allmählich Grosskonzert-Stimmung auf. Während dessen steht der Grosse Wagen direkt über der Bühne am Himmel. Die als Geheimtip aus Luzern angekündigten fünf jungen Herren von Kapnorth runden nach einer etwas zu langen Umbau- und Soundcheckpause den zweiten Festivaltag mit freimütigen Sound passend ab.

Die Musikauswahl bediente auch dieses Jahr eher die ruhigeren Gemüter, übers Schunkeln und Kopfnicken hinaus geht das Tanzen nicht. Ob es am Konzept «alkoholfrei und familienfreundlich» liegt? «Ein Festival ohne Alkohol stösst vermutlich nur zögerlich auf Resonanz bei jungen Menschen», meint Dario Aemisegger. Er sieht die Zukunft des Weihern unplugged somit auch mehr im Publikum vom Freitagabend: «Wir sind ein Festival für Gourmets in Sachen Musik.» Fest steht: Das Weihern unplugged ist keine Party. Es ist ein Musikfestival, das dieser Bezeichnung gerecht wird.


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