Aus einer Stubenfliege wird Kunst

Die Kunstkommission der Uni St.Gallen weiht drei neue Werke ein: Drucke von Günther Uecker und Antoni Tapies und ein Projekt der Künstler Frank und Patrik Riklin. Ihre "Fliege Erika" findet im Hauptgebäude ihren Platz. (Hanspeter Schiess)
ST.GALLEN. Die Kunstsammlung der Universität St.Gallen ist seit Montag um ein originelles Werk reicher: Die Stubenfliege «Erika» der Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin steht symbolisch dafür, wie ein deutscher Insektizid-Hersteller die Nachhaltigkeit entdeckte.
02. März 2015, 14:57
Das in Glas gegossene Insekt wurde am Montag feierlich in den Boden in einem Durchgang des HSG-Hauptgebäudes eingelassen. Rektor Thomas Bieger sprach von einer inspirierenden Verbindung von unternehmerischer und künstlerischer Kreativität, die sich hier zeige.

Gestiftet wurde das Fliegen-Kunstwerk vom deutschen Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus, der in Deppendorf bei Bielefeld eine Firma für Insektenvertilger betreibt. «Erika» ist auch die Geschichte darüber, wie sich die Unternehmensphilosophie dieser Firma wandelte.

«Fliegen retten in Deppendorf»
Die Idee dazu hatten die St.Galler Künstler-Zwillinge Frank und Patrik Riklin mit ihrem «Atelier für Sonderaufgaben». Als sie Reckhaus im Jahr 2012 vorschlugen, Fliegen zu retten statt zu vertilgen, reagierte dieser zuerst mit Unverständnis, wie er in St.Gallen erzählte.

Viele sahen in der Aktion «Fliegen retten in Deppendorf» eine absurde Lachnummer. Doch Reckhaus nahm die Idee ernst und richtete sein Unternehmen auf Nachhaltigkeit neu aus. Parallel zur Produktion von Insektenvertilgern schafft die Firma seither Ausgleichsflächen, um Insekten Lebensräume zu bieten.

Frank und Patrik Riklin haben die ungewöhnliche Geschichte filmisch dokumentiert. Hans-Dietrich Reckhaus sprach der Universität St.Gallen seine Anerkennung aus für «ihren Mut, dass dieses radikale Werk hier Platz findet». Im Dialog zwischen Wirtschaft und Kunst liege innovatives Potenzial, sagte Reckhaus.

Kopfschütteln bei Studierenden
Bei den HSG-Studierenden stiess das Kunstprojekt fast nur auf Kopfschütteln. Patrik Riklin bekam Kommentare wie «krank», «makaber» oder «Spinnerei» zu hören. Das Entscheidende sei aber der Diskurs, erklärte Riklin der Nachrichtenagentur sda. Seine Kunst wolle Gewohntes hinterfragen und dürfe an der HSG auch stören.

«Erika» ergänzt die Kunstsammlung der Universität und nimmt jetzt neben Werken von Roman Signer, Antoni Tapies oder Günther Uecker einen prominenten Platz ein. Yvette Sanchez, Präsidentin der HSG-Kunstkommission, bezeichnete es als «interessant, welch unterschiedliche Kunstwerke hier Platz haben». (sda)

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