Pronto

Aufgezeichnete Emotionen

24. Juni 2009, 01:03

Roland Wäspe Direktor Kunstmuseum St. Gallen

Seit dem 5. Juni untersuchen Sie mittels Sensoren die Wirkung des Museums und seiner Objekte auf das Erleben der Besucher. Wie ist das Nationalforschungsprojekt «eMotion» angelaufen?

Die Museumsbesucher machen grossartig mit, aber die Technik bereitet uns noch etwas Kopfzerbrechen.

Es kam zu Pannen?

Wir zeichnen die emotionalen und geistigen Reaktionen der Leute während ihres Museumsbesuches auf, wobei eine Datenmenge im Terabyte-Bereich generiert wird. Dass es da zu technischen Schwierigkeiten kommen würde, war zu erwarten.

Sind sie mit dem Projekt im Verzug?

Ursprünglich wollten wir die Ausstellung am 16. Juni erstmals verändern. Da aber die 100 auswertbaren Durchgänge noch nicht beisammen sind, die wir pro Dispositiv benötigen, müssen wir damit bis Ende Woche warten.

Wie reagieren die Museumsbesucher auf das Projekt?

Es gibt Leute, die nicht mitmachen, weil sie sich während des Museumsbesuches einfach unterhalten wollen – ohne Sensoren auf der Haut; eine Haltung, die ich durchaus nachvollziehen kann. Ein grosser Teil jener, die sich das Projekt erklären lassen, nimmt aber mit Begeisterung daran teil.

Und wie sieht es nach dem Rundgang und der Auswertung aus?

Auch hier fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Ein Teil der Teilnehmer nimmt die Ergebnisse zur Kenntnis und lässt es dabei bewenden. Andere gehen mit dem Auswertungsbogen nochmals durch die Ausstellung, um zu sehen, auf welche Bilder sie besonders intensiv reagiert haben.

Gibt es bereits erste Erkenntnisse?

Die wichtigste Erkenntnis bisher ist, dass die Technik funktioniert und ein differenziertes Abbild des Museumsbesuches liefert. Beispielsweise jenes einer älteren Dame, die mit moderner Kunst nichts anfangen kann oder jenes einer Kunststudentin, das ein wahres Feuerwerk an Reaktionen zeigt. Ich gehe davon aus, dass uns Marketingexperten jetzt die Tür einrennen werden, um mit der Technologie das Kundenverhalten analysieren zu können. Vertreter der US-Armee haben sich übrigens bereits bei uns gemeldet, aber wir haben ihre Anfrage mit einer Absage beantwortet.

Interview: Peter Brühwiler


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