Flynn verhandelte mit Türkei

KORRUPTIONSVERDACHT ⋅ Der US-Sonderermittler Robert Mueller geht Medienberichten zufolge dem Verdacht korrupter Absprachen zwischen der Türkei und dem früheren Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn nach. Dabei soll es um die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen gegangen sein.
10. November 2017, 21:50

Hochrangige türkische Regierungsvertreter sollen dem damaligen Donald-Trump-Vertrauten Flynn bis zu 15 Millionen Dollar zugesagt haben, wenn er die Auslieferung des Predigers, den Ankara als Staatsfeind Nummer eins betrachtet, an die Türkei herbeiführe, berichteten das "Wall Street Journal" und der Sender NBC am Freitag.

US-Präsident Trump hatte Flynn nach dem Amtsantritt im Januar zum Sicherheitsberater im Weissen Haus ernannt. Wenige Wochen später musste Flynn zurücktreten, weil er über vertrauliche Kontakte zum russischen Botschafter gelogen hatte.

Sonderermittler Mueller soll schwerpunktmässig russische Manipulationen im US-Wahlkampf untersuchen. Den Medienberichten zufolge hat der Ermittler nun aber auch das Treffen Flynns mit türkischen Vertretern im Visier. Die Zeitung und der TV-Sender berufen sich auf mehrere Quellen mit Kenntnissen über den internen Stand von Muellers Ermittlungen.

Das Treffen soll im Dezember 2016 in New York stattgefunden haben - nach Trumps Wahlsieg, aber vor seinem Amtsantritt. Dabei sei unter anderem die Frage zur Sprache gekommen, ob der regierungskritische türkische Prediger Gülen heimlich in einem Privatjet aus den USA auf die türkische Gefängnisinsel Imrali ausgeflogen werden könnte, berichteten NBC und "Wall Street Journal".

Die türkischen Vertreter hätten Flynn viel Geld für den Fall angeboten, dass er Gülens Auslieferung bewirke. Unklar sei aber, wie detailliert die Beratungen waren und ob tatsächlich bereits Geld geflossen sei, betonten die US-Medien.

Gülen verfügt in der Türkei über eine grosse Anhängerschaft. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hält ihn für einen der Drahtzieher des gescheiterten Putschversuchs gegen ihn. Seitdem gehen die türkischen Behörden mit grosser Härte gegen vermeintliche Gülen-Anhänger vor. (sda/afp)


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