Nordkorea provoziert mit Raketentest

NORDKOREA ⋅ Mit einem neuen Raketentest hat Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un die USA herausgefordert. Nach Angaben des südkoreanischen und des amerikanischen Militärs scheiterte der Raketentest allerdings.
16. April 2017, 16:55

Trotz aller Warnungen schoss das nordkoreanische Militär am Sonntagmorgen einen Flugkörper von der Ostküste nahe der Hafenstadt Sinpo ab - nur Stunden vor der Landung von US-Vizepräsident Mike Pence zu einem Besuch im Nachbarland Südkorea.

Die Führung des abgeschotteten, kommunistischen Staats strebt trotz internationaler Ächtung den Bau von Atomwaffen mit grosser Reichweite an - was die USA und seine Verbündeten verhindern wollen. Zuletzt gab es mehrere Raketentests, ein Atomwaffentest könnte bald bevorstehen.

Der Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, Herbert Raymond McMaster, sprach von einem neuen Beweis für Nordkoreas "destabilisierendes und bedrohliches" Verhalten. "Das ist eine Situation, die nicht weitergehen kann", sagte er dem Sender ABC. "Es gibt international Übereinstimmung, auch mit den Chinesen und der chinesischen Führung, dass diese Situation nicht weiter andauern darf", sagte McMaster.

Der Flugkörper "explodierte fast sofort", wie das US-Pazifikkommando berichtete. Um welche Art von Rakete es sich gehandelt habe, werde noch geprüft. Experten spekulieren, dass es eine Mittelstreckenrakete gewesen sein könnte. Möglicherweise feuerte Nordkorea denselben Typ bei einem Test am 5. April ab. Das Geschoss flog damals 60 Kilometer, bevor es im Japanischen Meer versank.

US-Vizepräsident in Südkorea

Der Test überschattet den Besuch von US-Vizepräsident Pence, der am Sonntag im US-Luftstützpunkt Pyeongtaek in Südkorea eintraf. Pence wollte vor dem Hintergrund der verschärften Spannungen um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm die Solidarität der USA mit dem südkoreanischen Verbündeten bekunden.

Unter der Führung Trumps sei die Verpflichtung gegenüber dem südkoreanischen Volk so stark wie nie, sagte Pence während einer Rede vor US-Soldaten: "Die Provokation Nordkoreas an diesem Morgen erinnert uns erneut an die Gefahren, die die Verteidigung des südkoreanischen und amerikanischen Volkes mit sich bringt."

Nach seiner Ankunft besuchte der US-Vizepräsident den Nationalfriedhof, um einen Kranz zum Gedenken an die gefallenen Soldaten während des Koreakriegs (1950-53) niederzulegen. Anschliessend feierte er gemeinsam mit seiner Ehefrau und seinen beiden Töchtern mit US-Soldaten eine Ostermesse. An diesem Montag wird der Republikaner mit dem kommissarischen Präsidenten Südkoreas, Hwang Kyo-ahn, zusammentreffen.

Weitere Stationen der ersten offiziellen Reise des US-Vizepräsidenten in die Asien-Pazifik-Region sind Japan, Indonesien und Australien.

In Südkorea tagte unterdessen der Nationale Sicherheitsrat. Man werde "entschieden" auf weitere Provokationen reagieren, hiess es in einer Stellungnahme aus dem Präsidentenamt. Auch das südkoreanische Aussenministerium verurteilte den Raketentest scharf. Sollte Nordkorea einen weiteren Nukleartest oder anderweitige Provokationen unternehmen, werde man mit "ernsthaften Strafmassnahmen" reagieren.

Russland als möglicher Vermittler

Der jüngste nordkoreanische Raketentest spiele den USA in die Hände, meinte der russische Militärexperte Jewgeni Nikitenko. "Unter dem Vorwand des Drucks auf Pjöngjang verstärken die Amerikaner ihre Flotte in der Nähe der Küste Chinas und nicht weit von der russischen Grenze", sagte er der Agentur Interfax am Sonntag. In dieser gespannten Lage gewinne Russland als möglicher Vermittler an Bedeutung, meinte er. Denn Russland pflege stabile Beziehungen mit Süd- und Nordkorea.

US-Präsident Trump hatte schon zuvor betont, dass alle Optionen auf dem Tisch lägen und die USA notfalls auch im Alleingang gegen Nordkorea vorgehen würden. Ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, hatte dazu in Washington ausgeführt, die USA hätten bereits mehrere militärische Möglichkeiten geprüft.

UNO-Resolutionen untersagen Nordkorea den Abschuss ballistischer Raketen. Der Test erfolgte nur einen Tag nach den Feiern zum 105. Geburtstag des Staatsgründers Kim Il Sung, zu dem am Samstag eine grosse Militärparade mit tausenden Soldaten, Raketen, Panzern und anderen Militärfahrzeugen durch die Hauptstadt Pjöngjang gezogen war.

Als Demonstration militärischer Stärke hatte Trump einen Flottenverband mit dem US-Flugzeugträger "USS Carl Vinson" entsandt. Er sollte an diesem Wochenende nahe der koreanischen Halbinsel in Position gehen. (sda/dpa)


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