Emmanuel Macron zu Besuch bei Angela Merkel

DEUTSCHLAND - FRANKREICH ⋅ Angela Merkel hat am Donnerstag in Berlin den unabhängigen französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron empfangen. Merkel traf den Ex-Wirtschaftsminister im Kanzleramt zu einem "inoffiziellen" und "vertraulichen Gespräch", wie es hiess.
16. März 2017, 17:51

Merkel hatte im Januar schon dessen konservativen Rivalen François Fillon getroffen. Auf Wahlkampfhilfe der Kanzlerin kann Macron zwar nicht hoffen - gleichwohl konnte er bei seinem Besuch schon einmal die Rolle des Staatsmannes einüben: Macron schickt sich an, im Mai der jüngste Präsident in der Geschichte von Frankreichs Fünfter Republik zu werden.

Der kometenhafte Aufstieg des Ärztesohns aus dem nordfranzösischen Amiens ist in Frankreich beispiellos. Ohne etablierten Parteiapparat im Rücken ist der Gründer der Bewegung En Marche! (In Bewegung!) an die Spitze der Umfragen gestürmt. Meinungsforscher sagen derzeit für die erste Wahlrunde am 23. April ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und Le Pen voraus, in der Stichwahl würde er die Front-National-Chefin dann klar schlagen.

Nach den lähmenden Hollande-Jahren fühlen sich viele Franzosen zu dem charismatischen Strahlemann hingezogen, der Aufbruchstimmung verbreitet, Frankreich einen "radikalen Umbau" verspricht und mit seinem sozialliberalen Reformprogramm "Freiheit und Schutz" miteinander versöhnen will. Das Lagerdenken zwischen Links und Rechts hält er für überholt, er präsentiert sich als Kandidat des "Fortschritts".

Moderne Mitte

Damit verkörpert er eine moderne Mitte - und profitiert davon, dass die regierenden Sozialisten mit Benoît Hamon einen sehr linken und die Konservativen mit Fillon einen sehr rechten Kandidaten aufgestellt haben. Zumal Fillon durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre in schwere Bedrängnis geraten ist.

Wie kein zweiter Präsidentschaftskandidat ist Macron auch bekennender Pro-Europäer. Zu einem Zeitpunkt, zu dem Rechtspopulisten mit Anti-EU-Parolen auf Stimmenfang gehen, wirbt er für eine Vertiefung der EU und der Eurozone. Der Zusammenarbeit mit Deutschland gibt er dabei eine besondere Bedeutung, wie er am Donnerstag erneut deutlich machte.

Schon im Januar hatte er Merkel überschwänglich gelobt: In der Flüchtlingskrise habe die Kanzlerin die "Würde" Europas gerettet. Das dürfte Merkel gefallen haben - ebenso wie Macrons Versprechen, sich bei einem Wahlsieg an die EU-Defizitvorgaben zu halten. (sda/afp)


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