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Felix Unholz …über das erste Mal – facebooklos
03. Januar 2012, 01:05

 

«Sorry, ich kann nicht, muss da noch einige Frauen klarmachen!», entgegnet ein Freund, als ich ihn vor zwei Jahren um 20.59 Uhr frage, ob er sich an meinem Versuch beteiligt: 30 Tage ohne Facebook. 21.00 Uhr, ich schreibe eine Abschiedsnachricht, ziehe den Stecker und verkrieche mich mit meiner Zeitung unter die Bettdecke.

Tag zwei: In der Uni spottet man: «Pass auf, dass Du nicht vereinsamst!» Ich lächle nur müde, fühle mich frei, muss in den Vorlesungspausen nicht immer «News checken». Abends sagt Papa: «Freunde schliessen auf Facebook schon Wetten ab, wie lange es geht, bis Du aufgibst.» – «Muss ich nicht wissen.» Am vierten Tag beginne ich Tagebuch zu schreiben. Nach einer Woche mutiere ich zum Dauertelefonierer. Die Handyrechnung Ende Monat: 236 Franken und 20 Rappen. Ich verpasse sogar die Party meiner besten Freundin. «Ich habe Dir doch eine Veranstaltungseinladung geschickt.»

Tag 21: Plötzlich steige ich einfach so in den Zug, fahre nach Genf, trinke einen Cappuccino, kehre wieder um. Hauptsache Zeit vertrieben.

Eine Studienkollegin sagt: «Du bist schon weg vom Fenster.» Ich kann nicht mehr. Ich logge mich an Tag 29 ein, setze meinen ersten Status: «Meine digitale Seele lebt wieder.» Das erste «Gefällt mir» beruhigt. Facebook ist die Alltagsdroge der digitalen Gesellschaft.

 

Felix Unholz schreibt wöchentlich über das Leben mit Facebook. Feedback:

www.facebook.com/felixunholz


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