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Facebook , 01. Juni 2010 07:14:00

Mit Freunden zahlen

Facebook

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Leere Anmeldefelder am gestrigen «Quit Facebook»-Tag. (Bild: Bild: pd)

Je mehr persönliche Daten Facebook-Nutzer bekanntgeben, desto hellhöriger werden die Werbepartner. Jetzt feilscht die Plattform mit den Benutzern um den Preis der Mitgliedschaft. Die Währung heisst: Benutzerdaten.

Tin Fischer

Gestern hat Facebook 0,005 Prozent seiner Nutzer verloren. Mehr als 28 000 Leute haben am «Quit Facebook»-Tag aus Protest ihr Profil gelöscht, weil sie nicht einverstanden sind, wie mit ihren persönlichen Daten umgegangen wird.

Ist das ein Ereignis? In der Facebook-Statistik nicht. Das Netzwerk hat über 400 Millionen Nutzer, davon zwei Millionen in der Schweiz, Tendenz steigend.

Aber es ist wie mit der Demo auf der Strasse: Der Aufstand von wenigen ist womöglich die Unzufriedenheit von vielen.

Und die ist vorhanden. Seit Monaten feilscht Facebook-Gründer Mark Zuckerberg mit seinen Nutzergemeinde um den Preis der Mitgliedschaft. Verhandelt wird nicht in Dollar oder Franken. Die Währung heisst Benutzerdaten, und die Rechnung ist einfach.

Je mehr die Benutzer von ihren Daten – ihren persönlichen Angaben, Freunden und Interessen – bekanntgeben, desto interessanter wird Facebook für Werbepartner, seine einzige Geldquelle.

Kreuzlinger Männermode

Warum das so ist, erklärt Jürg Stuker, Geschäftsführer des St. Galler E-Business-Unternehmens Namics: «Je stärker ich die Werbung mit dem sozialen Graph einer Person – also ihren Freunden und deren Interessen – verbinden kann, desto effektiver kann ich werben.

Wenn ich weiss, dass ein Freund einer Person, die ich ansprechen möchte, bereits Fan von meinem Produkt ist, kann ich sie besser davon überzeugen. Deshalb sind Daten über diesen sozialen Graph extrem wertvoll.»

Ein Beispiel aus der Ostschweiz: Wie kaum ein zweites Unternehmen in der Region vermarktet der Kreuzlinger Männermode-Produzent Strellson seine Produkte über soziale Netzwerke. Rund 9000 Fans zählt Strellson allein bei Facebook.

Für das Unternehmen könnte es interessant sein, auch deren – wenn möglich nur männlichen – Freunde zu bewerben. Sie haben wahrscheinlich den gleichen Modegeschmack.

Öffentlich Fan sein

Vor kurzem hatte Facebook seine Standard-Einstellungen geändert. Plötzlich war öffentlich, wovon ein Benutzer Fan ist. Die Entrüstung war gross, weshalb letzte Woche ein Teilrückzug angekündigt wurde. Nur noch wenige persönliche Infos sollen standardmässig publik sein.

Zudem soll es einfacher werden, Anwendungen von Drittanbietern zu blockieren. Die Benutzergemeinde war erwartungsgemäss wenig begeistert. Die Anwendungen müssen weiterhin manuell deaktiviert werden. Und das ist mühsam.

So viele Daten wie möglich

Das kleinliche Feilschen um Häkchen schürt an einem tiefer liegenden Konflikt. Facebook hat Signalwirkung für die ganze Branche. Was hier ausgehandelt wird, etabliert sich als Standard. Hinzu kommt, dass Facebook immer mehr Daten sammelt und weiter ins Internet vordringt.

«Bei Facebook ist es sehr einfach, Daten zu importieren», sagt Stuker. «Das Ziel von Facebook ist, so viel Daten wie möglich zu sammeln, aber sie dann bei sich zu behalten.» Das macht abhängig. Mit bissiger Ironie bezeichnet der amerikanische Rechtsprofessor Eben Moglen Plattformen wie Facebook als «Orte, die man nicht verlassen kann».

Alternativen in Aussicht

Im Einklang mit dem Protestgeschrei wird der Ruf nach Alternativen immer lauter. In New York haben vier Studenten innert weniger Tage mehr als 200 000 Franken an Spenden erhalten. Sie wollen ein dezentrales soziales Netzwerk namens «Diaspora» programmieren, in dem der User selbst über seine Daten bestimmt. Welche Chancen solche Alternativen gegen den Giganten Facebook haben, ist ungewiss.

Aber Beispiele wie MySpace haben gezeigt, dass selbst etablierte Plattformen so schnell schrumpfen können, wie sie gewachsen sind. Stuker: «Sattelfest ist Facebook überhaupt nicht.»





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