Ein unberührtes Stück Alpstein

WANDERPARADIES ⋅ Von der Schwägalp führt am Fusse der nördlichen Säntiskette ein abwechslungsreicher Weg über Alpweiden, durch Wälder und Tobel nach Appenzell.
16. August 2017, 21:08
Beda Hanimann

Die Wanderung im Überblick

Start: Schwägalp
Ziel: Appenzell
Strecke: 15 km
Wanderzeit: 3 Std. 40 Min.
Aufstieg: 184 m
Abstieg: 747 m
Ausrüstung: Wanderschuhe oder robuste Laufschuhe
Gaststätten: Restaurants auf der Schwägalp und in Appenzell. Unterwegs: Waldgasthaus Lehmen, Tel. 071 799 13 48, Mo-Di Ruhetag
Öffentlicher Verkehr: Postauto Urnäsch–Schwägalp (80.791) oder Nesslau–Schwägalp (80.792); Rückreise ab Appenzell mit Appenzeller Bahnen in Richtung Gossau (854) oder St.Gallen (855)
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25000, Blatt 1114 Nesslau, 1115 Säntis, 1095 Gais
1 Schwägalp Es ist bisweilen eng im Postauto hoch zur Schwägalp. Man nimmt es hin – im Wissen, dass sich die Menschenmenge oben bald verteilen wird. Wir ziehen über den Parkplatz hinter dem alten Schwägalp-Gebäude und verlassen ihn rech­terhand. Der Weg führt in eine Senke und läuft längs dem Talboden über Wiesland. Nach einer Weile erreichen wir die alte Passstrasse, von der wir aber nach wenigen Metern rechts ab­zweigen. Es geht nun schräg in die Höhe zur Chammhalde, einem Kamm, der sich quer in das Tal zwi­schen Säntiskette und Kronberg schiebt und die Grenze zwischen Aus­ser-und Innerrhoden bildet. Auf der Krete zweigt der Weg zum Kronberg ab (auch eine lohnende Tour), aber wir halten rechts in den weiten Tal­kessel hinein, in dem die Potersalp liegt.

2 Potersalp Der Name Potersalp deutet alte Besitzverhältnisse an, die Alp gehörte einst zum Pförtner­amt des Klosters St.Gallen. Sie besteht aus mehreren Gruppen von Hütten, die wir in leicht abwärts führendem Hin und Her passieren, bis wir Drei­hütten erreichen. Hier findet auf einem mit Tanzbühne und Geigen­stuhl unter freiem Himmel aufgebau­ten Festplatz jedes Jahr gegen Ende Juli die Potersalp-Stobete statt, bei ge­eignetem Wetter nur, es ist eine der urtümlichsten im Alpstein.

3 Schwizerälpli Unmittelbar vor Dreihütten führt der Weg rechts in den Hang hinein. Wir haben nun die ganze Länge des Tales vor uns, das zwischen nördlichster Alpsteinkette und Kronberg von der Chammhalde bis nach Weissbad führt. Rechts stei­gen die Felswände zum Öhrli an, links geht der Blick über ein waldiges Tobel zum Kronberg und zur Scheidegg. Vor uns verliert er sich über den Hirsch­berg hinweg in den Vorarlberger Hü­geln. Wir gehen am Schwizerälpli vor­bei durch ein fast unberührtes Stück Alpstein mit Alpweiden, Kühen, Zie­gen, vereinzelten Hütten. Der Weg ist abwechslungsreich, nach dem Weiler Grossberndli senkt er sich in das klei­ne, wilde Tobel des Berndlibachs. Dann geht es auf einem Fahrsträss­chen leicht abfallend vorbei an Leustöckli und Vorderleu zum Gasthaus Lehmen. Der Flurname Grossbernd­li deutet übrigens darauf hin, dass hier tatsächlich einmal Bären lebten. Eine vollkommen falsche Fährte ist hin­gegen Vorderleu, wie Yvonne Steiner in ihrem Appenzeller Orts-und Flur­namenbuch «Von Äbisegg bis Zwis­len» erläutert. Die Bezeichnung leu geht auf das althochdeutsche leuuin zurück, das bedeutet Erd-oder Schneerutsch. Wenn man dieses leu­uin ein paar mal laut und rasch wie­derholt, ist man tatsächlich bald ein­mal beim Wort Lawine.

4 Lehmen Nun folgen wir ein Stück weit der Strasse durch den Wald talauswärts. Auf der ersten Lich­tung zweigt beim Weiler Eugst ein Wanderweg links ab. Ein klassischer schöner Wiesenweg führt zum waldi­gen Tobel des Weissbachs, den wir nach einem serpentinenartigen Ab­steig überqueren.

5 Sonnenhalb Die Nordseite, also die besonnte Flanke des Weiss­bachtals, heisst Sonnenhalb. Auf einem schön dem Hang entlang füh­renden Strässchen erreichen wir die Kapelle Sonnenhalb. Die Aussicht öff­net sich bald in Richtung Hoher Kas­ten und Schwendetal, oberhalb von Weissbad lädt ein Bänklein zu einem letzten Ausruhen mit Blick zurück in das verwunschene Tal, das wir in der ganzen Länge durchwandert haben.

6 Appenzell Über einen von Sol­daten schön in den Hang geleg­ten Saumpfad erreichen wir in leich­tem Abstieg ein kleines Hochplateau oberhalb von Appenzell, mit schöner Sicht zum Hohen Hirschberg und das Sittertal abwärts. Wenn wir in Unter­rain links und gleich wieder rechts ab­biegen, stehen wir nach wenigen Mi­nuten beim Bahnhof Appenzell.

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