Haggen–Kubel–Sittertobel–Burentobel–Spisegg

Unten durch und oben drüber

Auf einer Länge von 9,36 km verläuft der St.Galler Brückenweg an nicht weniger als 18 Viadukten, Holz- und Betonbrücken vorbei. Aber der Weg ist nicht nur etwas für Brückenliebhaber, denn nach einem kurzen Abstecher ins Appenzellerland führt der Weg an der Sitter entlang, mit vielen schönen Plätzen am Fluss.
02. Oktober 2014, 10:04
Die Reise führt zurück ins 18. Jahrhundert. Unter der wackligen Fachwerkbrücke Haggen-Stein geht es durch alte überdachte Holzbrücken. Ab Mitte des Brückenwegs folgen dann die riesigen Betonkolosse, wie das SOB-Sitterviadukt oder das 655 m lange Sitterviadukt der A1, welche die Wandernden stets überragen. Anstrengend ist der Wanderweg nicht, nur der Nacken kann von dem steten Blick nach oben etwas schmerzen. (ren)

 

 




 

 

Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Von SBB-Station St.Gallen-Haggen bis Haltestelle Spisegg
Wanderzeit: knapp 3 Stunden
Weglänge: 9,36 km
Gesamtaufstieg: 422 m
Gesamtabstieg:  526 m
Ausrüstung: Schuhwerk
Gaststätten: Restaurant Schlössli-Haggen, 071277 31 01
Parkplätze: Bahnhof Haggen
Öffentlicher Verkehr: St.Galler Bus, Linie 4, Postauto 121
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25000, Blatt 1095 Gais
 
1 Der St.Galler Brückenweg ist auch hungrig möglich. Denn bevor die ersten Höhenmeter unter die Füssen genommen werden, führt der Weg am Restaurant Schlössli Haggen vorbei. Dort kann man mit mariniertem schottischem Lachs oder mit einem Schwartenmagen Energie tanken. Die Wanderung führt an 18 Brücken vorbei; in diesem Text wird nicht auf jede eingegangen.
 
2 Vom Restaurant Schlössli ist es ein Katzensprung zur ersten Brücke, der Fachwerkbrücke Haggen–Stein, für viele auch die «Ganggelibrogg». Sie wurde 1936/37 mit vorfabrizierten Eisenteilen erbaut. Ein Blick von der Mitte der Brücke lohnt sich allemal. Und dann spürt man auch, woher der Übername kommt. Die Geister scheiden sich jedoch darüber, welche Brücke denn nun wirklich die «Ganggelibrogg» ist, denn später führt der Weg über ein wirklich wackeliges Gebilde.

3 Nach wenigen Gehminuten zeigt sich auch für Laien, wie sich die Bauweise von Flussübergängen in den vergangenen Jahrhunderten veränderte. Denn unterhalb der Fachwerkbrücke stehen zwei überdachte Holzbrücken. Die Brücke über den Wattbach und diejenige über die Sitter. Beide wurden im 18. Jahrhundert erbaut. Nicht nur die Bauweise erinnert an vergangene Zeiten: Im Inneren sind Sprüche aufgemalt. Zum Kontrast ragt hinter den beiden alten Holzkonstruktionen stets die moderne Eisenbrücke in den Himmel.
 
4 Der einzige strenge Aufstieg geht von der Sitter hinauf zum anderen Ende der Fachwerkbrücke. Will man sich diese Anstrengung ersparen, wählt man den direkten Weg über die Eisenbrücke, verpasst dann aber die beidenHolzbrücken. Oben angekommen, geht es kurz durchs Appenzellerland, bevor es wieder runter zur Sitter geht. Und schon von weitem ragt das nächste Konstrukt in die Höhe: Das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete SOB-Sitterviadukt. Das hundert Meter hohe Viadukt gilt als eine der höchsten normalspurigen Eisenbahnbrücken Europas in einer Stein- und Stahlkonstruktion. Und auch hier trifft wieder Altes auf Neues. Denn unter dem SOB-Viadukt führt die gedeckte Kubelbrücke über die Urnäsch. Diese baute der berühmte Teufner Baumeister Hans Ulrich Grubenmann im Jahre 1780. Aufgrund der vielen historischen Inschriften wird sie auch «Sprechende Brücke» genannt. Ebenfalls unter dem Viadukt befindet sich noch ein weiteres Zeitzeugnis, eine weitere Holzbrücke, die über die Sitter führt und heute im Besitz der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke ist.
 
5 Der Weg geht nun entlang der Sitter. Hier gibt es an mehreren Orten die Möglichkeit zum Grillieren. Unterwegs stehen nun immer grössere, modernere Brücken; das 209 Meter lange und 63 Meter hohe SBB-Sitterviadukt und die 489 Meter lange und 60 Meter hohe Fürstenlandbrücke. Der Weg führt weiter durch das St.Galler OpenAir-Gelände.
 
6 Der Hängesteg im Rechen ist zwar nicht hoch, doch bekommt man beim Überqueren weiche Knie, denn er überspannt die Sitter ohne Zwischenstütze und wird deshalb im Volksmund auch «Ganggelibrogg» genannt.
 
7 Das Ziel, die Haltestelle Spisegg, ist bald erreicht. Kurz vorher ragt aber das grösste Brückenbauwerk im Kanton St.Gallen, das Zwillingsviadukt über die Sitter. Wen der Hunger plagt, der kann ins Restaurant Spisegg gehen. Dort gibt es für jeden Magen genug; die Spezialität sind riesige Wiener Schnitzel.
 

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