Heiden–Schwendi–Tobel–Steiniger Tisch–Rheineck

Vom Kurort über Rebhänge an den Alten Rhein

St. Gallen - Wanderung Slivan Lüchinger (Silvan Lüchinger)
Heiden liegt privilegiert auf einer Sonnenterrasse hoch über dem Bodensee. 400 Meter tiefer breitet sich der Bodensee aus.
10. Mai 2012, 07:44
Dazwischen liegt eine abwechslungsreiche, von Bachtobeln, Felsrippen und Wäldern kleinräumig gegliederte Landschaft. In Dörfern und Weilern finden sich gepflegte Bürger- und Bauernhäuser und unterwegs der Flecken Wienacht-Tobel, in dem auch Appenzell Ausserrhoden ein Weinbaukanton ist. Unterwegs laden mit dem Restaurant «Station» und dem «Steinigen Tisch» zwei Gasthäuser zur Rast. Dazwischen bietet der Weg auf der Buechbergkrete reizvolle Tief- und Ausblicke bis nach Österreich und Deutschland.
 







 


Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Bahnhöfe Rorschach oder Heiden; Bahnhof Rheineck
Wanderzeit: 2 Std. 30 Min.
Weglänge: 7,8 km
Gesamtaufstieg: 180 m
Gesamtabstieg: 565 m
Ausrüstung: Wanderschuhe
Gaststätten: «Station», Schwendi, 071 891 12 52; «Steiniger Tisch», 071 888 12 05; Restaurants in Heiden und Rheineck
Parkplätze: Bahnhof Rorschach
Öffentlicher Verkehr: Mit Bus oder Rorschach-Heiden-Bergbahn nach Heiden
Kartenmaterial: Landeskarte der Schweiz 1:25000, Blatt 1075 (Rorschach) und Blatt 1076 (St.Margrethen)

1 Wer mag, kann diese Wanderung mit einer Bahnfahrt eröffnen und sich dem Startort Heiden vom Bodensee her annähern. Die Rorschach- Heiden-Bergbahn verbindet das Städtchen am See im Stundentakt mit dem Kurort im Appenzeller Vorderland. Der Bahnhof des Biedermeierdorfes, wie Heiden manchmal genannt wird, ist unser Ausgangspunkt. Biedermeierdorf deshalb, weil der Dorfkern und die nördlichen Dorfteile von Heiden 1838 einem verheerenden Brand zum Opfer fielen. Der Wiederaufbau erfolgte im zeitgenössischen Biedermeierstil; heute steht das Ortsbild wegen seiner stilistischen Reinheit unter nationalem Denkmalschutz. Die Bergbahn, kurz RHB, ist seit 1875 in Betrieb und gehört seit 2006 zu den Appenzeller Bahnen. Am Bahnhofbrunnnen vorbei geht es Richtung Schwendi und Wienacht-Tobel nordwärts zum Dorf hinaus – zuerst ein paar Hundert Meter auf geteertem Trottoir, dann links abbiegend auf dem Gmeindweg. Rechts oben über dem Tobel des Gstaldenbachs liegt Wolfhalden, geradeaus und 400 Meter tiefer glänzt der Bodensee.

2 An einer Verzweigung mit vier Birken und einer verwitterten Tafel «Waldpark» geht es geradeaus auf einen Wiesenweg. Bald darauf zieht der Pfad in steilen Kehren im Wald abwärts. Nach dem nächtlichen Regen rauscht der ansonsten bescheidene Mattenbach, als wäre er ein Fluss. Nach dem etwas verwahrlost wirkenden Weiler Matten unterqueren wir die Bahnlinie und finden im Weiler Schwendi das Restaurant Station (Mittwoch und Donnerstag geschlossen, Werktage 16 bis 20 Uhr offen, Samstag und Sonntag ab 10 Uhr offen). In der gemütlichen alten Gaststube hängen im Winkel zwischen Wänden und Decke Dutzende bekritzelter Notizzettel – und auf jedem ist ein Fünfliber aufgeklebt. Was es damit auf sich hat? Die Wirtin weiss es.

3 Nochmals kreuzen wir nach der Einkehr in der «Station» die Bahnlinie und erreichen dann, dem Wegweiser Thal–Rheineck folgend, den Ortsteil Tobel, die östliche Fraktion des Dorfes Wienacht-Tobel, das zur Gemeinde Lutzenberg gehört. Die meist alten Häuser sind sorgfältig unterhalten und gepflegt – zur kompletten Idylle fehlt lediglich ein Gartenrestaurant. Auszuschenken gäbe es einheimischen Wein, denn der südöstlich orientierte Steilhang nach den letzten Häusern ist mit Reben bestockt. Bewirtschaftet werden sie von der Familie Lutz, die den einzigen Erwerbsweinbau- Betrieb im Appenzellerland führt. Nicht allein seines Namens wegen weit über die Region hinaus bekannt ist der Wienachtswy. Ein Genuss auch in anderen Monaten als im Dezember.

4 Der Weg folgt dem oberen Rand des Rebbergs entlang und taucht dann in den Wald ein. In stetem Gefälle geht es hinab zur Buchsteiggass, einem kleinen Passübergang zwischen Thal und Buechen.

5 Nur wenige Meter von der Strasse entfernt steht das in Privatbesitz befindliche Schloss Greifenstein. Zu besichtigen ist es leider nicht, doch die weitere Route entlang der Buechbergkrete entschädigt mit Ausblicken hinüber zu den Streusiedlungen des Appenzeller Vorderlandes, hinaus auf den See und hinab in die ausgedehnten Rebhänge der Gemeinde Thal. Wer den Augenschmaus sitzend geniessen will, kann dies auf der Terrasse des Restaurants «Steiniger Tisch» tun. (Mittwoch bis Sonntag 9 bis 23 Uhr offen, Montag/Dienstag geschlossen).

6 Von hier geht es via Wiesen- und später Waldweg hinunter nach Buriet. Dort lenken wir Richtung Rheineck, bis bei der Ortstafel ein gelbes Täfelchen einen Weg abseits der grossen Strasse anzeigt. In Kürze ist dann der Bahnhof Rheineck erreicht. Wer jetzt noch die brennenden Füsse in kühles Wasser hängen will: Der Alte Rhein fliesst gleich jenseits von Bahnlinie und Autobahn dem See zu. (nr)




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