Krinau–Egg–Dreischlatt–Älplisattel–Tweralpspitz–Hüttenberg– Bodenwis–Ricken

Über Bräkers Einöde zum Alpenblick

Vom Krinauer Dorfplatz führt eine sanfte Steigung zur Egg. Schon ist man im Tal, in dem Ulrich Bräker im 18. Jahrhundert seine Jugendjahre verbracht hat. Das Dreischlatt bezeichnete er einerseits als «Einöde», anderseits lobte er es als Ort mit dem «herrlichsten Quellwasser».
06. September 2012, 07:52
Zuweilen steil aufwärts führt der Weg zum Älplisattel, wo das «Schwämmli» zur Einkehr lockt. Ein Auf und Ab führt dann zum Tweralpspitz. Je nach Wetter geniesst man dort den Blick in die Alpen, oder man bleibt im Nebel eingehüllt und entdeckt Pilze und Blumen. Bei der Einkehr im «Hüttenberg» erholen sich die müden Beine, und das Ziel Ricken liegt bereits vor Augen.
 









 


Die Wanderung im Überblick

Start: Krinau
Ziel: Ricken
Wanderzeit: 31⁄2 bis 4 Stunden
Weglänge: 11,2 km
Gesamtaufstieg: 743 m
Gesamtabstieg: 768 m
Ausrüstung: Wanderschuhe
Gaststätten: Schwämmli, 071 988 32 71, Hüttenberg, 055 284 14 57
Parkplätze: Öffentliche Parkplätze in Krinau und auf dem Ricken
Öffentlicher Verkehr: Postautolinie 772 und Buslinie 622
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25 000, Blatt 2513; Wanderkarte Mittleres Toggenburg - Gasterland
 
1 Kein Mensch ist an diesem Nachmittag gegen zwei Uhr in Krinau zu sehen. Die Kinder sind bereits in der Schule, die Erwachsenen an der Arbeit. Noch bis Ende Jahr ist Krinau die kleinste Gemeinde des Kantons, ab Januar 2013 gehört das 270-Seelen-Dorf zu Wattwil. Von diesen Plänen ist nichts zu spüren beim Gang an den «Tätschhäusern» und dem einheimischen Gewerbe vorbei. Schon ein paar Minuten vom Dorfplatz entfernt wandert man mitten im Grünen.
 
2 Bei der Egg blickt man unversehens ins nächste Tal hinein und der Weg gabelt sich. Geradeaus geht es am nördlichen Hang das Tal hinauf, links führt der Weg hinunter und nach ein paar Metern weist der Wegweiser «Dreischlatt» auf den Ort hin, wo Ulrich Bräker seine Jugendjahre verbrachte. Noch immer ist kein Mensch zu sehen, Kinderspielzeug vor dem Hof auf dem Schuflenberg beweist aber: Hier gibt es Kinder.
 
3 «Dreyschlatt ist ein wildes einödes Ort, zuhinterst an den Alpen Schwämmle, Kreutzegg und Aueralp», schreibt Bräker in «Der arme Mann vom Tockenburg». Im Bräkerhaus kann man heute Ferien machen und dabei vielleicht erleben, was Bräker auch noch darüber schreibt: «Wenn’s im Dreyschlatt stürmt, so stürmt’s dann recht.» Und: «Da hat es das herrlichste Quellwasser.» Weiter führt der Weg wohl an manchem Ort vorbei, an dem Ulrich Bräker Geissen gehütet hat. Schliesslich heisst der nächstgelegene 1085-Meter-Hügel auch Geiss-Chopf.
 
4 Bis zum Älplisattel geht es bisweilen steil aufwärts. Bei Herbstnebel Anfang September ist bald nur noch wenig zu sehen. Irgendwo im Nebel grasen Kühe, deren Muhen klingt wie Nebelhörner. Kurz nachdem der Weg auf einen Grat einschwenkt, steht ein Gedenkstein. Es ist die Erinnerung an einen Helikopterabsturz. Am 31. Januar 1996 starben vier Menschen an diesem Ort. Ursache war ein Pilotenfehler – im dichten Nebel. Auf dem Älplisattel ist dann der erste Mensch auf dieser Wanderung zu sehen. Beim Schwämmli wird Holz gespalten.
 
5 Weiter geht es rauf und runter bis zum Tweralpspitz. Vorsicht ist geboten beim Wegweiser kurz vor der Oberen Tweralp. Wer hier falsch geht, landet in der Unteren Tweralp. Der Aufstieg geht rasch voran, und je nach Wetter richtet sich der Blick in die Höhe oder eher auf den Boden. Wenn es nebelt, tauchen Disteln und Blumen vor den Füssen auf. Ein Waldweg wird plötzlich zum Tunnel mit einem fernen Ausgang, wo er in eine Wiese mündet. Unvermittelt tauchen Kühe aus dem Nebel auf und scheinen selber Teil der Landschaft zu sein. Bei gutem Wetter aber ist die weite Sichte rundum von den Ostschweizer Voralpen bis in die Innerschweizer Alpen zu geniessen. Und es können durchaus Besenbeizen zur Einkehr laden.
 
6 Ist das Wetter aber eher neblig und die Landschaft mystisch aufgeladen, kehrt man im Restaurant Hüttenberg ein. «Wer solche Tage nicht aushält, ist hier fehl am Platz», sagt die Wirtin in der schönen Holzstube. Das Panorama bei Sonnenschein ist allerdings atemberaubend – und man nimmt sich vor, bei gutem Wetter wiederzukommen.

7 Bereits ist die Kirche von Ricken im Blick und rasch geht es hinunter zur Bodenwis, wo das Schweizer Militär mit dem nahegelegenen Cholloch einen Übungsplatz besitzt. Wer weniger militärisch veranlagt ist, späht in den unmittelbar auf die Bodenwis folgenden, linker Hand liegenden Sagenwald hinein. Davor steht eine Art Knusperhäuschen, bei dem allerdings Händel und Gretel fehlen.

8 Nach ein paar Minuten ist das Wanderziel Ricken erreicht. War vorher ausser dem Muhen der Kühe und dem Wind in den Bäumen nichts zu hören, brausen hier Autos und Laster vorbei. (kl)




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