Urnäsch–Bruggerenwald–Rossmoos Ost–Hochalp Ost–Hochalp–Nasen–Rossmoos West–Bruggerenwald

Hochalp – sommers wie winters

Das Motto des Tages ist klar: Raus aus dem Nebel. Seit Tagen kriecht er um die Häuser, seit Tagen variieren lediglich die Grautöne. Das Ziel: die Hochalp – oberhalb von Urnäsch gelegen.
29. November 2012, 08:44
Wenig ausserhalb des Dorfkerns biegt die Strasse bergwärts ab – die bequemste Variante: Mit dem Auto hochfahren und es erst im Bruggerenwald abstellen. Der Aufstieg über Rossmoos Ost reicht alleweil, um die Lunge in Schwung zu bringen. Gut 350 Höhenmeter sind es hinauf zum Berggasthaus. Die Tour kann beliebig verlängert werden, indem tiefer eingestiegen wird. Und im Winter kann der Abstieg abgekürzt werden – auf dem Schlitten oder den Ski. (rw)
 









 


Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Bruggerenwald, oberhalb von Urnäsch
Wanderzeit: knapp zwei Stunden
Weglänge: 4,8 km
Gesamtaufstieg: 350 m
Gesamtabstieg:  350 m
Ausrüstung: feste Schuhe
Gaststätten: Berggasthaus Hochalp, Telefon 071 364 11 15 oder, wenn keine Antwort, Telefon 071 364 15 86
Parkplätze: zwischen Urnäsch und Bruggerenwald diverse Stellen
Öffentlicher Verkehr: Bahnverbindung bis Urnäsch
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25 000, Blatt 1114, Nesslau
 
1 Bruggerenwald. Das Auto ist abgestellt – und das erste Wegweiserkreuz informiert: Bruggerenwald 1194 mü.M. Der Wanderer hat die Qual der Wahl: Zwei Wegvarianten führen auf die Hochalp. Der Waldboden ist gefroren, die Finger sind rasch klamm. So fällt es leicht, die Feuerstelle links liegen zu lassen.
 
2 Abzweigung Alp Fildi. Der Weg ist breit, steigt leicht an und führt durch Nadelwald. Blaue Spangen an kleinen Tannen lassen ein erstes Mal Innehalten: Es wird aufgeforstet. Schon von weitem ist ein Holzwegweiser zu erkennen – er signalisiert den Abbieger zur Alp Fildi. Wenige Meter weiter eine Holzbank, ihre Erbauer: die Landjugend Säntis. Und: Der Blick auf den Säntis ist frei.
 
3 Rossmoos Ost. Der Weg wird schmaler, führt über Nagelfluhbänder. Aus dem Tobel dringt das Rauschen des Baches hoch. Noch einmal verengt sich der Weg, und dem Wanderer fällt unweigerlich ein: Durch diese hohle Gasse muss er kommen – es kommt keiner. Dafür ein Metalltor. Und kurz danach das nächste Wegkreuz: Rossmoos Ost, 1300 mü.M. Zwanzig Minuten sind seit dem Abmarsch verstrichen – und noch einmal hat der Wanderer die Wahl: Zwei Wege führen hinauf auf die Hochalp – der eine über Nasen, der andere über die «Ostflanke».
 
4 «Ostflanke». Die Variante über die «Ostflanke» führt rasch aus dem Wald: Das Gelände öffnet sich, der Weg führt über Alpweiden – markiert mit gelben Pflocks. Und der höchste Punkt der Wanderung zeigt sich: das Berggasthaus und die Ställe auf der Hochalp. Sanft steigt der Weg über den Wiesenrücken an, vor dem Wanderer erhebt sich der Säntis, im Rücken sind Bodensee und Fürstenland. Die Schatten der Körper sind lang, schwappen über den Grat hinunter ins Tal – fast bis nach Urnäsch.
 
5 Hochalp Ost. Mit der Gemütlichkeit ist es dann rasch vorbei: Das Gelände wird steiler, es liegt Schnee – fest gefroren. Was dem Wanderer erspart bleibt, anders als im Sommer: das Übersteigen von Viehzäunen. Sie sind abgeräumt, die Holztritte – im Sommer nützliche Hilfen – führen ins Leere. Nach einer Stunde ist die Krete erreicht: Hochalp Ost, 1525 mü.M. Luft holen lohnt sich – auch wegen der Rundsicht: Alpstein, Churfirsten, Stockberg, Speer. Hinunter zum Rossfall ist es eine Stunde, hinüber zur Schwägalp sind es gut zwei Stunden. Der kürzeste – und verlockendste – Weg führt der Krete entlang zum Berggasthaus. Sieben Minuten sind es laut Wegschild – keine fünf und keine zehn, Schweizer Genauigkeit auch auf den Berghügeln.
 
6 Hochalp. Miststock, Windrad, Schweizer Fahne: Das Berggasthaus Hochalp ist erreicht. Der zügige Wind treibt in die Gaststube, Holztische, Holzbänke, bestellt wird an der Theke. Das Gesicht ist bekannt. Der Wirt, ein Landwirt, arbeitet seit Jahren hier oben, schwarze Zipfelmütze, kariertes Hemd, olivgrüner Faserpelz, ein Stock als Gehhilfe lehnt an der Wand hinter der Theke. Während in der Küche das Kaffeewasser brodelt, bleibt Zeit für einen kurzen Schwatz. Die Saison sei schlecht gewesen – «schlechtes Wetter an den Wochenenden, schlechtes Wetter während der Ferien». Es sei die schlechteste Saison, die er je erlebt habe. Und es sind einige.

7 Nasen. Aufgewärmt scheint der Wind beim Verlassen des Gasthauses noch garstiger. Der Routenentscheid, Fahrstrasse oder «Direttissima», ist schnell gefällt: auf direktem Weg talwärts, im Zickzack-Kurs Richtung Nasen. Im Winter – der Aufstieg auf die Hochalp ist eine beliebte Skitour – ist der Hang wesentlich rascher bewältigt. Und auch die Abfahrt mit dem Schlitten auf der Fahrstrasse ist rasanter als der Abstieg zu Fuss.

8 Rossmoos West. Nach Nasen führt der Weg der Asphaltstrasse entlang – doch bereits in Rossmoos West, 1310 mü.M., kann wieder in den Wald abgezweigt werden, und nach wenige Metern biegt der Weg in die Aufstiegsroute ein. (rw)



 

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