Heiden–Bänziger–Schachen–Blatten–Eggen–Büriswilen–Au

Durchs wilde Vorderland und Innerrhoder Exklaven

Auch auf einer Route abseits des Witzwanderwegs gibt es einiges zu lachen. Mitten in unübersichtlichem Gelände meldet ein SMS: «Willkommen in Deutschland».
27. März 2014, 09:26
Eine Wanderung durch das Appenzeller Vorderland mag vielleicht nicht so ruppig sein wie eine «Durch das wilde Kurdistan» von Karl May. Aber sie führt durch eine verwinkelte Gegend, in der sich Ortsunkundige auch verlaufen können. Zum Beispiel in die Innerrhoder Exklaven. Plötzlich stehen wir auf einem kaum bekannten Hochplateau bei Schachen, plötzlich in einer Waldlichtung, die an das Rütli erinnert, unversehens in den Rebbergen des Rheintals. Spannend.
(th)
 





 



Die Wanderung im Überblick

Start: Bahnhof Heiden
Ziel: Bahnhof Au
Wanderzeit: 3 1⁄4 Stunden
Weglänge: 12,2 km
Gesamtaufstieg: 290 m
Gesamtabstieg:  675 m
Ausrüstung: Trekking- oder Wanderschuhe
Gaststätten: Restaurant Sonne, Blatten: 071 891 15 85. Wirtschaft zum Lerchenfeld, Hüsli (Berneck): 071 744 12 53. Restaurant Tobelmühle, Büriswilen: 071 744 16 27
Parkplätze: Evangelische Kirche Heiden
Öffentlicher Verkehr: Appenzeller Bahnen Rorschach–Heiden, SBB Au–Rorschach
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25000 Blatt 1075, Rorschach
 
1 Es muss ja nicht immer der Witzwanderweg sein. Wie sieht denn die geländegängige Gegend daneben aus? Um das zu erfahren, gilt es ab Bahnhof Heiden zunächst strikt südwärts durch den Höhenkurort zu marschieren, das heisst über die Bahnhofstrasse, die Schmittenbühlstrasse, die Strasse Kohlplatz (am Schwimmbad vorbei), bis diese in eine grössere Kreuzung einbiegt. Dort gehen wir halblinks auf der Obereggerstrasse ein paar hundert Meter weiter bis zur Schreinerei und biegen gleich nach ihr in die Langmoosstrasse ein. Von dort führt der Weg lange geradeaus auf der geteerten Strasse. Einen Wegweiser, der nach rechts zeigt, nicht beachten. Allmählich wandern wir an den letzten Häusern von Heiden vorbei. Der Weg führt leicht bergauf, bis wir zu einem Weiler namens Bänziger gelangen.
 
2 Hier nehmen wir weiter den Weg geradeaus, der sich allmählich leicht nach rechts wendet, überqueren das nächste Strässchen und wandern in den Wald hinein. An dessen Ende, nach ein paar hundert Metern, öffnet sich dort ein Hochplateau, wie man es ohne nähere Ortskenntnisse kaum vermuten würde. Das Appenzeller Vorderland mag für viele bloss der Abhang sein von Heiden weg Richtung Rheineck oder Rheintal, doch es ist viel grösser, viel verwinkelter. Und unversehens gerät man in «Feindesland», in die Innerrhoder Enklaven. Wir geben es zu: Eigentlich wollten wir nach Lachen wandern, wenn wir schon nicht den Witzwanderweg benützen. Doch wir gerieten zu weit nach Süden – und hatten doch etwas zu lachen. «Willkommen in Deutschland», meldet das SMS. Nur von Deutschland ist hier oben weit und breit nichts zu sehen. Derart plumpe Gebietsaneignung hätten sich die Appenzeller früher nicht gefallen lassen. Wir fragen eine Frau nach dem Weg nach Lachen – und landen in Schachen.
 
3 Der Umweg dorthin lohnt sich insofern, als sich der Wanderer eine derart abgelegene Gegend durchaus näher ansehen darf. Man kann, einmal auf der Ebene angelangt (siehe Punkt 2), auch einfach die Abkürzung geradeaus nehmen und auf den Abstecher nach Schachen verzichten. Auf der Strasse dorthin verkehren ein paar wenige Autos, die aber kaum stören. In Schachen, das eigentlich ein Vorort von Oberegg ist, biegen wir links ab (Wegweiser «St.Margrethen»). Ein paar Meter weiter unten ist bei der Vergabelung der Weg links zu nehmen, der in den Wald führt und wieder zurück auf das Hochplateau. An dessen Ende geht es hinauf in Richtung Blatten. Oben gelangen wir an diesem Regentag zum Restaurant Sonne. Immer mehr öffnet sich der Blick in Richtung Rheintal. Die Schilder «Kellenberg» und «Büriswilen» weisen uns den Weg auf eine nun wieder geteerte Strasse. Ein Stück weiter unten dem Wanderwegweiser rechts folgen. Dann geht es nochmals Richtung Büriswilen einen kurzen Weg steil bergauf. Schon befinden wir uns auf einer malerischen Weide, von Bäumen umrandet. Es erinnert einen an die Rütliwiese. Oder nicht? Auf ihr hält man sich eher rechts und beachtet am Ende die Markierung an einem Baum. Dort wandern wir hinab ins Gebiet Hüsli und gehen im Weiler links weg bis zu einer breiten Strasse.
 
4 Auf ihr gilt es nun eine Weile abwärts durch den Wald zu marschieren, zunächst kurvig, dann geradeaus bis ins Dorf Büriswilen. Weiter folgen wir talwärts auf der breiten Strasse bis zum Restaurant Tobelmühle.
 
5 Das Strässchen linker Hand und die Wegweiser führen uns bald steil abwärts in Richtung Bahnhof Au. Vor dem letzten Abstieg werden wir belohnt mit dem Panoramablick und der faszinierenden Rebberg-Landschaft oberhalb von Berneck und Au.
 
 
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