Bad Ragaz – Pardiel – Zanuztal – Alp Lasa/Obersäss – Pizolhütte – Wangser See – Vilterser See – Pardiel – Bad Ragaz

Die andere Seen-Wanderung am Pizol

Die Vermutung liegt nahe, ist aber falsch: Die Zwei-Seen-Wanderung ist keine Abkürzung des Klassikers am Pizol, der Fünf-Seen-Wanderung. Sie ist – kombiniert mit dem Bettlerweg – eine abwechslungsreiche Rundwanderung.
25. Juli 2012, 22:33
Ab Pardiel steigt der Weg angenehm an, bis zur Alp Lasa/Obersäss geht es zügig voran. Die Bündner  Herrschaft und das Taminatal liegen zu Füssen, das Calanda-Massiv hält dagegen. Mit dem Aufstieg zur Pizolhütte steigt auch der Puls. Der Rückweg – die eigentliche Seen-Wanderung – verleitet zur Gemütlichkeit. An den beiden Seen, Wangser und Vilterser See, lässt’s sich bestens rasten – und ins Rheintal schauen.
 









 


Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Bad Ragaz oder Wangs
Wanderzeit: ca. 4,5 Stunden
Weglänge: 11,7 km
Gesamtaufstieg: 647 m
Gesamtabstieg: 647 m
Ausrüstung: Wanderschuhe
Gaststätten: Mehrere Berggasthäuser auf Pardiel oder Furt, Pizolhütte
Parkplätze: Bad Ragaz und Wangs, Talstation der Pizolbahnen
Öffentlicher Verkehr: SBB und Bus; Busse ab den Bahnhöfen Bad Ragaz und Sargans zu den Talstationen
in Bad Ragaz und Wangs
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25000 Blatt 1155 (Sargans), Blatt 1175 (Vättis); Wanderkarte 1:50000 Heidiland
 
1 Die Frau an der Kasse warnt: «Es hat Nebel auf Pardiel.» Es braucht keinen prüfenden Blick bergwärts: Die Gipfel haben sich «verzogen» - in den Nebel. Der Wetterbericht verspricht Besserung für den Nachmittag. Und so werden die Bahntickets gekauft – Nebel hin oder her. Es gibt keine Warteschlange.
 
2 Die Frau an der Kasse hatte sich getäuscht: Die Gondel taucht bereits unterhalb von Pardiel in den Nebel ein. Ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? Die Antwort gibt es wenige Minuten später bei der Bergstation: dichter Nebel. Das Berggasthaus wirbt mit der Sonnenterrasse. Keine Verführung bei der kühlen Temperatur.
 
3 Im Zickzack geht es wenige Meter bergwärts – bis zum Einstieg in die Tour: den Bettlerweg. Ein Schild macht darauf aufmerksam: Letzte Talfahrt ab Laufböden 16 h. Der Sessellift ist keine Option an diesem Morgen. Der Routenentscheid ist gefällt: der Bergflanke entlang ins Zanuztal und weiter zum Tristeli. Und so interessiert das Wanderwegkreuz: Tristeli 1h, Lasa/Obersäss 1 h 35, Pizolhütte 2 h 45. Nach wenigen Metern taucht die erste weiss-rot-weisse Markierung auf. Der Ausblick in die Bündner Herrschaft lässt sich nur ausmalen und nicht geniessen. Auch die Bank am Wegesrand lädt nicht ein zur Rast – umso weniger, als von «Calancablick» keine Rede sein kann. Der Weg zieht sich dem Hang entlang. Dann bringt ein erster stotziger Anstieg den Puls in Schwung. Nicht vergeblich. Kurz danach öffnet sich der Blick auf das Zanuztal – tief eingegraben in die Bergflanke, wild und mit einem tosenden Bach, der sich ins Taminatal stürzt.
 
4 Da der Fernblick an diesem Tag eher ein Glückstreffer ist, konzentriert sich das Auge auf den Wegesrand. Und dort gibt es einiges zu entdecken: Glockenblumen, Margriten, Hahnenfuss, Teufelskralle, Eisenhut. Und für Wanderer, die mit der Alpenflora vertraut sind, wohl noch einiges mehr. Der Weg führt weiter über Weiden, durch kurze Waldabschnitte, entlang von Sträuchern. Erst fern, dann immer näher ist Glockengebimmel zu hören. Das nächste Etappenziel rückt näher: das Tristeli – oder vielmehr der Abzweiger hinunter zum Tristeli und weiter nach Valens.
 
5 Der Wegweiser nach Alp Lasa/Obersäss und weiter zur Pizolhütte deutet dagegen bergwärts. Gut 200 Höhenmeter sind es ab Pardiel – diese sind kaum zu spüren; der Weg ist gut angelegt. Steil wird es erst später im Aufstieg zur Pizolhütte. Spuren im lehmigen Boden und Kot verraten: Hier halten sich Wildtiere auf. Zu sehen ist keines – beim Regen, der inzwischen eingesetzt hat, halten sie sich wohl lieber an geschützten Plätzen auf.

6 Auch die Wanderer zieht es von Obersäss rasch weiter – Richtung ferner Schärmen, Richtung Pizolhütte. Die Unterhaltung wird spärlicher, nicht allein wegen der Steigung. Der Regen ist heftiger geworden und dringt an ersten Stellen auf den Körper durch. Zügig geht’s bergan – getrieben von Nässe und Kälte. Die Pizolhütte taucht auf. Die Frau an der Kasse hatte gewarnt: «Am Vortag war sie wegen schlechten Wetters geschlossen.» So ist es auch heute. Zweieinhalb Stunden unterwegs: kein Einkehren in der Hütte und auch keine Aussicht auf ein trockenes Picknick an den Seen, dem zweiten Teil der Wanderung. Der Blick schweift Richtung Wangsersee. Ein trüber Blick. Der Entscheid ist rasch gefällt: Abbruch.
Im Internet wird die 2-Seen-Wanderung als Geheimtip geführt. Sie bleibt es – jedenfalls an diesem Tag. Ein zweiter Anlauf ist geplant. Noch vor der Wintersaison. Schneebedeckt ist das Gebiet der weiteren Wanderung vertraut.

7 Sessel- und Gondelbahn führen ins Tal nach Wangs. Mit Bus und Bahn geht es zurück zum Ausgangspunkt, zur Talstation in Bad Ragaz. Die Frau an der Kasse hat inzwischen Feierabend.
 



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