Weieren bei Züberwangen–Niederstetten–Schwarzenbach– Jonschwil–Mühlau–Bazenheid

Die Schule des Rauschens entlang der Thur

VonWeieren geht es in die Ebene hinaus, gelenkt durch das Rauschen der Autobahn. DieThurau ist für Wil Naherholungsgebiet, vondem grosse Teile zum Inventar der Auengebiete gehört.
11. Juli 2013, 09:31
VonWeieren geht es in die Ebene hinaus, gelenkt durch das Rauschen der Autobahn. DieThurau ist für Wil Naherholungsgebiet, vondem grosse Teile zum Inventar der Auengebiete gehört. Nach dem Abzweiger Richtung Niederstetten wird es ruhig, Anfang Juli weht der Wind fein den Duft der Linden durch die Gegend. Bei Schwarzenbach imponieren Felsplatten in der Thur, die beruhigend rauscht. Dann aber bleibt sie fast unsichtbar bis zur Mühlau-Brücke und ist nur zu hören oder schimmert durch Bäume hindurch. DieWanderung mit wenig Höhenunterschied führt abwechselnd durch Natur-Trouvaillen und Industriebauten. (kl)



 

 


 

 

Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Von Weieren bei Züberwangen nach Bazenheid
Wanderzeit: 3 Stunden
Weglänge: 12 km
Gesamtaufstieg: 307 m
Gesamtabstieg:  220 m
Ausrüstung: Gutes Schuhwerk
Gaststätten: «Alpenrose», Weieren, 071 9442478; «Hirschen», Schwarzenbach, 0719231166; «Sonne», Jonschwil, 0719231060
Parkplätze: vorhanden
Öffentlicher Verkehr: Bus 725 ab Wil, Haltestelle Züberwangen Weieren; S9 ab Bazenheid
Kartenmaterial: Wanderkarte Wil – Wattwil 1:25000
 
1 Weieren ist mit dem Bus von Wil aus bestens erreichbar und liegt verschlafen in der Mittagshitze. Das Restaurant Alpenrose eignet sich, um die Wanderroute zu besprechen, die «Brunnen-Bar» allerdings bleibt geschlossen. Entlang eines Fischteichs geht es in die Ebene hinaus, das Rauschen der Autobahn gibt die Richtung an. Die Thurau ist ein Naturjuwel, solange man hinschaut und nicht hinhört. Denn der Verkehr stört schon sehr. Oder man stülpt sich Kopfhörer über das Ohr und geniesst «Ich hört ein Bächlein rauschen» von Franz-Schubert. Die Thurau hat eine interessante Geschichte: Im 15. Jahrhundert stand dort eine Ziegelhütte, und in den Anfängen der Fliegerei diente sie als Flugplatz. 1943 war sie Notlandeplatz eines US-Bombers. Wer den Thurau-Wald verlässt, hat auch das Autorauschen hinter sich. Dafür weht einem Anfang Juli der Duft von Linden entgegen. Die wunderbar gewachsenen Bäume sind den Kühen auch Schutz gegen die Hitze.
 
2 Nördlich von Niederstetten zweigt der Weg scharf Richtung Westen ab. Dem Waldrand entlang erkennt der Wanderer verschiedenste Baumsorten: Eichen und Buchen sind nur einige von ihnen. Kurz vor Schwarzenbach kommt, gleich nach der Kläranlage, eine der schönsten Stellen: Imponierende Felsplatten liegen wie Inseln in der Thur. Kurz danach stösst man beim Bahnhof auf eine Demonstration der Technik: Eisenbahn, Tanks, Bagger, Lastwagen. Und auf eine Ständerätinnen-Beschimpfung mittels Spraydose auf einem Elektrokasten. Dann steht man im Dorf Schwarzenbach: Das war doch der Ort mit der «Möbel-Maa»-Werbung?
 
3 Die Strasse ist beflaggt mit Fahnen der Gemeinde Jonschwil, die den mantelteilenden Martin darin trägt. Der Weg führt entlang von Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern Richtung Jonschwil und zweigt bei der Degenau ins Feld ab.
 
4 Die Landwirtschaft lebt: Gerade bringt am heissen Sommertag ein Bauer das Heu nach Hause, während der Jugendliche mit dem Töffli von der Schule nach Hause fährt. Weit unten ist die Thur zu hören, und beim Abstieg Richtung Schachen kommt sie näher. Ein kühler Waldweg führt in Richtung Gräsau und, vor dem steilen Aufstieg nach Jonschwil, an einen Wasserfall. Hoppla: Hier warnt die Politische Gemeinde vor dem Begehen des Thurwanderwegs unterhalb des Chäferfelsens. Der kurze Aufstieg nach Jonschwil treibt den Schweiss auf die Stirn. Kaum hat man den Wald verlassen, steht man auch schon im Einfamilienhausquartier. Ein abrupter Übergang. Der Kirchturm grüsst gesprenkelt.
 
5 In Jonschwil geht es der Strasse entlang Richtung Süden. Auch hier gibt es Anschauungsunterricht in Sachen Einfamilienhaus-Architektur: Am Dorfausgang linker Hand befindet sich ein Freiluftmuseum der Baustilwut. Blickt man nach rechts, kommt das Wanderziel in den Blick: Bazenheid grüsst von ennet der Thur.
 
6 Auf dem Weg Richtung Mülau ist endlich die Thur nahe. Nachdem sie durch Bäume blinkte, kommt man ihr nach abgelegenen Weihern bei Mühlau nahe. Der Blick flussabwärts zeigt, wie schön die mäandernde Thur sein kann. Bei der Brücke steht ein Kleinkraftwerk, das seit September 2010 rund 1300 Haushalte mit Strom versorgt. An Schafen vorbei geht es steil aufwärts, und das Thurrauschen verliert sich rasch. Nochmals gibt es technischen Anschauungsunterricht: Der Blick geht auf die Umfahrung Bazenheid mit den beiden Tunnels.
 
7 Und wieder steht man plötzlich im Dorf: Am warmen Nachmittag sitzen Leute auf bootsähnlichen Balkonen. Durch das verkehrsberuhigte Dorf geht es, entlang von Schildern «Zimmer zu vermieten» und heruntergelassenen Rollläden, rasch zum Bahnhof. (kl)
 

 
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