Badi Unterer Reiat–Hofen–Hockenbrunnen–Egghof–Regelsrüti– Altdorf–Opfertshofen–Badi Unterer Reiat

Auf den Spuren der Schmuggler

Rebberge, Wälder, Felder und Weiden, das ist der Reiat im Kanton Schaffhausen. In der nördlichsten Ecke der Schweiz verläuft der nördlichste Rundwanderweg der Schweiz: der Kleine Reiat-Weg.
04. Oktober 2012, 08:20
Die grüne Grenze nach Deutschland mit Grenzsteinen und Schmugglerpfaden ist allgegenwärtig. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts blühte der Einkaufstourismus. Die sanfte Hügellandschaft liegt am Fuss der hoch aufragenden Hegau-Vulkane. Landwirtschaft, aufgrund der Stadtflucht renovierte Riegelhäuser und neue Einfamilienhäuser prägen die kleinen Reiatdörfer, wo übrigens auch ein ausgezeichneter Tropfen Wein wächst. (bor)
 







 


Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: Hofen SH
Wanderzeit: 3,5 Stunden
Weglänge: ca. 10 km
Gesamtaufstieg: 293 m
Gesamtabstieg: 293 m
Ausrüstung: Festes Schuhwerk
Gaststätten: Reiatstube Opfertshofen, gutbürgerliche Küche, kinderfreundlich, Spielplatz, Skilift, prächtige Panoramasicht von der Terrasse. Tel. 0526493416, Montag, Dienstag Ruhetag.
Parkplätze: Badi Unterer Reiat, Hofen
Öffentlicher Verkehr: Postauto, Linie 26
Kartenmaterial: Wanderkarte Schaffhausen, Stein am Rhein 1:50 000, Blatt: map 405T, swisstopo
 
Karte der Wanderung Zoom

Karte der Wanderung

 Das ist ein Ausflug in den Kanton Schaffhausen und den nördlichsten Zipfel der Schweiz. Die Wanderschuhe sind geschnürt. Start und Ziel sind die Reiatschule und Badi südlich von Hofen. Im Schwimmbad kann man im Sommer nach getanem Fussmarsch ein erfrischendes Bad nehmen und Kaffee trinken. Im Herbst zeigt sich der Untere Reiat farbenfroh. Der Weg führt am Flüsschen Biber entlang zunächst nach Norden bis Hofen.
 
Mit Blick auf schöne Riegelhäuser geht es nach der Bushaltestelle steil rechts den Berg hinauf, bis man sich oberhalb der Gärtnerei befindet. Der Weg ist durch ein grünes Emblem gekennzeichnet. Der Reiatweg verbindet alle Reiatdörfer. Unser Kleiner Reiatweg führt durch den Unteren Reiat mit Hofen, Altdorf und Opfertshofen.
 
Hofen liegt hinter und unter uns. Über den Chuttler bewegen wir uns auf alten Schmugglerpfaden. Grenzsteine entlang des Schmugglergrabens zeigen, dass man zeitweise direkt auf der Landesgrenze wandert. Schmuggeln hat hier Tradition. Nach einer Schmugglernacht wurden in den Dörfern grössere Mengen Zigaretten und Kaffee verkauft. Grenzer mussten sich mit schlauen Bauern herumschlagen. Während einer mit leerem Rucksack den Grenzbewacher ablenkte schlichen sich an andere Stelle die Schmuggler über die Grenze nach Deutschland. Hier oben befindet sich auch ein Grillplatz mit prächtiger Aussicht auf den Unteren Reiat.
 
4 Gestärkt geht es weiter am Waldrand entlang bis zu einer Kreuzung. Wer die Wanderung um die Hälfte abkürzen will, der kann jetzt direkt nach Altdorf absteigen. Doch es lohnt sich, weiter dem Schmugglergraben und der Grenze zu folgen. Der Weg beschreibt einen grossen Bogen durch ein nahezu unbewohntes Gebiet mit vereinzelten Höfen.
 
Immer wieder öffnet sich der Blick auf die Vulkanlandschaft des Hegau. Steter Begleiter sind die Grenzsteine. Nachdem wir den nördlichsten Punkt der Schweiz passiert haben, geht es südwärts.
 
Einige Schritte ab vom Weg liegt der zweite Grillplatz.

Im Tal grüsst schon Altdorf. An den steilen Südhängen wandern wir durch den nördlichsten Weinberg der Schweiz. Die Reben haben viel Sonne, und so wird hier ein guter Tropfen angebaut. In Altdorf erzählt man sich die Geschichte vom «Hintereggwiibli». In manchen Nächten soll man ihr noch immer begegnen können. Geräusche im Hinteregg erschrecken die Altdorfer heute noch. Nach der Überlieferung von Traugott Imthurn wollte ein junger Mann aus Altdorf für seine Zukünftige einen schönen Goldring kaufen. Damals waren im Grossherzogtum Baden die Goldpreise viel niedriger. Also ging er durch den Schmugglergraben über die Grenze. In Engen kaufte er einen Goldring und hatte noch Geld übrig. In einem Gasthaus nahe der Grenze trank er ein bisschen zu viel Wein. Auf der Suche nach dem kürzesten Weg zur Grenze verirrte er sich in der Nacht. An einem Gehöft bot sich eine wohlgeformte Magd an, ihn zu begleiten. In einem Schuppen am Weg gelang es ihr, den jungen Mann zu verführen. Der gab anschliessend Fersengeld. Ab dem Schmugglergraben kannte er sich wieder aus. Die Frau folgte ihm und schimpfte, dass sie nun ein Kind von ihm erwarte. An der Grenze kam es zu einem Handgemenge. In Altdorf suchte die Frau nach dem Liebhaber. In Hinteregg richtete sie sich ein, um den Jüngling eines Tages zu treffen. In Deutschland liessen ihre Eltern nach ihr suchen. Vergeblich. Die junge Frau wurde nie wieder gesehen. Aber seither geht der Geist des «Hintereggwiiblis» um.

Von Altdorf geht es nach Opfertshofen. Dort empfiehlt es sich, in der gastfreundlichen Reiatstube einzukehren. Der Blick von der Terrasse ist überwältigend. (bor)



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