Lukasmüli – Galgentobel – Enggwil – Reggenschwil – Guggeien

Auf Gallus’ Spuren durchs wilde Galgentobel

(Andreas Nagel)
Die Wanderung, die auch als Sonntagsspaziergang durchgeht, führt durchs wilde Galgentobel im Osten der Stadt St. Gallen. Der Weg, bis vor kurzem lediglich ein Trampelpfad, wurde auf das Gallusjubiläum hin herausgeputzt, was sich die Stadt über eine halbe Million Franken kosten liess.
14. Juni 2012, 13:29
Der Stadtheilige soll auf ebendieser Strecke der Steinach folgend ins nachmalige St. Gallen gefunden haben. Das sanierte Wegstück lässt nicht nur die Herzen von Gallus-, sondern insbesondere auch von Bahnliebhabern höher schlagen. Und mit etwas Glück bekommt der Wandervogel nebst satten Mörschwiler Wiesen gar einen Feldhasen zu Gesicht.
 









 


Die Wanderung im Überblick

Start und Ziel: St. Gallen Lukasmüli–St. Gallen-Guggeien
Wanderzeit: knapp zwei Stunden
Weglänge: 7 km
Gesamtaufstieg: 205 m
Gesamtabstieg: 166 m
Ausrüstung: Trekkingschuhe, feste Turnschuhe
Gaststätten: Besenbeiz Studach (Selbstbedienung), Reggenschwil, Telefon 0718661537, täglich 7 bis 22 Uhr
Parkplätze: keine
Öffentlicher Verkehr: Bus Nr. 1 bis Neudorf oder Nr. 3 bis Heiligkreuz, Spaziergang in die Lukasmüli (10 Minuten); vom Zielpunkt Bus Nr. 4 zum Hauptbahnhof
Kartenmaterial: Landeskarte 1:25 000 Blatt 1075
 
1 Der «Einstieg» ins wilde Galgentobel erfolgt in der Lukasmüli, im Osten der Stadt St. Gallen, bei den dortigen Schrebergärten und zu Füssen des legendären Espenmoos. Hier hat der FC St. Gallen bis zum Umzug in die AFG Arena seine Heimspiele ausgetragen. Die ersten Meter zieren einige ganz schöne Graffiti. Die Stadtjugend grüsst noch einmal, bevor es in die wildromantische Steinachschlucht geht. Das sanierte Wegstück im Steinachtobel ist nur knapp einen Kilometer lang und lässt nicht nur die Herzen von Gallus-, sondern insbesondere auch von Bahnliebhabern höher schlagen. Zum einen realisieren die SBB den Doppelspurausbau, zum anderen erstellt die Südostbahn (SOB) eine Verbindungsspange vom Bruggwaldtunnel zum SBBNetz. Bald dröhnt denn auch die chronisch überlastete Stadtautobahn nicht mehr, dafür rattern zahlreich die Züge vom und zum See. Linker Hand ragen die wenig ansehnlichen Hochkonjunktur- Hochhäuser von Kronbühl über die Baumspitzen, rechts, unterhalb des Ostfriedhofs, treibt modernere  Architektur ihre Blüten. Die Steinach nimmt’s gelassen und plätschert ruhig dahin.
 
2 Nach besagtem Kilometer über grösstenteils geteerten Untergrund folgt links der Abzweiger Richtung Kronbühl-Wittenbach. Wir halten uns aber rechts, verlassen Tobel und Steinach wieder und unterqueren eines der zahlreichen Bahnviadukte Richtung Mörschwil. Zum erstenmal geht’s über zwei, drei Schlaufen spürbar bergauf. Das Bänkli auf der Anhöhe kurz vor Schimishus, welches einen schönen Blick auf den Höchsterwald eröffnet, steht zweifellos am richtigen Ort und lädt zu einer kurzen Rast.
 
3 Bei der nächsten Weggabelung in Schimishus links Richtung Mörschwil Bahnhof halten. Weiter geht’s über saftige Mörschwiler Wiesen, wo nebst Steueroptimierern durchaus auch noch Bauern wirtschaften. Ein besonders schönes Gehöft befindet sich in Enggwil mit wunderbarem Blick auf den Bodensee. Hier drehen die Mörschwilerinnen und Mörschwiler gemütlich ihre Joggingrunden und erfreuen sich an den zahlreichen Feldhasen, die einem hier noch auf freier Wildbahn begegnen können.
 
4 Rund eine Stunde ist nun marschiert, Zeit für eine Pause auf dem Studach-Hof in Reggenschwil, wo Bauer und Bäuerin Studach seit rund 15 Jahren eine überaus einladende Besenbeiz mit allerlei selbstgemachten Spezialitäten betreiben. Viele Einheimische schwören auf den Sonntagszopf von Studachs. Und gerade im Frühling ist es da ein wunderschönes Sitzen unter den blühenden Obstbäumen.
 
5 Weiter geht’s alles der Reggenschwiler Strasse entlang zum «Paradis », dann kurz vor dem Mörschwiler Dorfeingang rechts den Stutz hoch, am Bitzi-Hof vorbei auf eine kleine Anhöhe beim Pumpwerk Lehn. Was für ein Ausblick von hier oben! Die Villenbesitzer von Vorderstaag wissen schon, warum sie ausgerechnet hier gebaut haben. Linker Hand liegt das Schloss Watt mit seinen grosszügigen Stallungen und der Storchenstation. Wir folgen dem Weg und gelangen nach Hagenwil (SG, nicht TG), einem weiteren kleinen Weiler mit prächtiger Riegelbaute. Nach 50 Metern rechts auf den schmaleren Weg einbiegen, auf welchem immer wieder gelb-blau-rote Bänkli zu einer Rast einladen.

6 Kurz vor der Stadtgrenze grüssen uns vier fröhliche Schafe. Wir biegen rechts ab Richtung Guggeien, wo wir nach weiteren zehn Gehminuten die gleichnamige Endstation des «Vierers» erreichen. Zwei gemütliche Wanderstunden sind geschafft und die Erkenntnis gereift, dass Gallus seine Zelle wohl genauso in Mörschwil hätte errichten können. Die Geschichte hätte nur geringfügig umgeschrieben werden müssen: Statt eines Bären wäre ihm dann wohl einfach ein Feldhase begegnet.
 



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