Ratgeber

Wie geniesse ich eine Flasche Wein richtig?

STIL ⋅ Ab und zu gönne ich mir einen teuren Wein. Ich bin aber unsicher, ob ich mit meiner Art und Weise, diesen zu geniessen, das Optimum aus dem edlen Tropfen heraushole. Worauf ist bei der Konsumation zu achten, dass ein Wein sich optimal entfalten kann? Oder umgekehrt: Kann man etwas falsch machen?
02. Oktober 2017, 18:04

Über die Art und Weise, wie ein edler Tropfen genossen werden soll, scheiden sich die Geister. Zahlreiche Grössen erläutern in Fachbüchern das professionelle «Weinmaleins». Meines Erachtens sollte der Weingenuss in erster Linie Spass machen, denn das Leben ist eindeutig zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Doch was definiert «guten» beziehungsweise «schlechten» Wein? Nicht immer ist der Preis ein verlässlicher Garant dafür!

Das Geniessen von Wein ist mehr als ein blosser Akt des Trinkens. So sind es oftmals die Riten, die den Trinkmoment zum vollkommenen Genuss steigern. Einen entscheidenden Einfluss hat vorab das Glas. Wer Wein mit Stil geniessen möchte, greift zum Stielglas und hält es am Fuss, damit nicht Fingerabdrücke die visuelle Wahrnehmung trüben. Zudem sollte das Weinglas einen runden Bauch aufweisen, der sich gegen oben verengt. Eine Ausnahme bilden die Weinwelt des Burgunds sowie andere aus der Blauburgundertraube gekelterte Weine: Der Burgunderkelch ist ballonförmig rund gewölbt und fördert so mit der breiten Flüssigkeitsoberfläche den Sauerstoffaustausch.

Entscheidend ist selbstverständlich auch die Temperatur des Weins. Für Rotweine empfiehlt sich eine Ausschanktemperatur von 18 Grad Celsius. Vor einigen Jahren war damit noch die Zimmertemperatur gemeint. Daher spricht man von Chambrieren (chambre = Zimmer): das frühzeitige Holen des Weins aus dem Keller, um ihn Zimmertemperatur annehmen zu lassen. Da zudem künstliches Licht wie Neon einen Einfluss haben kann, empfiehlt sich die Anschaffung eines Weinschranks. Mit einem klimatisierten Weinschrank sowie einer Selektion qualitativ hochwertiger Stielgläser ist die Basis für den perfekten Weingenuss geschaffen.

Ob ein Wein dekantiert werden soll, ist vom verarbeiteten Traubengut und vom Alter des Weins abhängig. Zwei Gründe legen das Dekantieren nahe: Länger gelagerte Bordeauxweine werden aus tanninreichen Trauben gekeltert. Nach längerer Reife setzen sich die Gerbstoffe (Tannine) als Depot am Flaschenboden ab. Während des Umschenkens wird nun darauf geachtet, dass das Depot nicht in die Karaffe gelangt. Zudem schmeichelt das Dekantieren jungen Weinen, da der Sauerstoffaustausch während des Umschenkvorganges den Wein zum Atmen bringt. Doch Vorsicht bei älteren italienischen Weinen: Hier ist das Dekantieren manchmal zu viel des Guten, der Wein schmeckt nach zu intensivem Sauerstoffaustausch fahl und gehemmt.

Genügend Ruhe bringt’s

Frisch dekantierter Wein sollte noch mindestens eine Stunde in der Karaffe ruhen dürfen.

Ist selbst nach dem Dekantieren das volle Bouquet noch immer nicht im Glas erkennbar, kann ein sanftes Ruhen im Weinkelch Abhilfe schaffen: Die deutlich tiefere Flüssigkeitsmenge im Glas ermöglicht es dem Wein, sich schneller an die Raumgegebenheiten anzupassen. Empfehlenswert ist zudem oft auch das Avinieren des Glases (Ausspülen mit etwas Wein vor der Verwendung).

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