Ratgeber

Mann und Schmuck: Wie viel darf denn sein?

(Bild: Manuela Jans-Koch)
STIL ⋅ Ich (m, 33) trage gerne Schmuck. Aktuell sind es drei markante Ringe, einige Lederarmbänder und eine feine goldene Halskette. Eine Uhr benötige ich nicht (iPhone). Nun werde ich vermehrt auf die Art des Schmucks und darauf, wie ich ihn trage, angesprochen. Ich fühle mich plötzlich unsicher, ob ich stilmässig gut unterwegs bin.
28. August 2017, 05:00
Doris Pfyl

Ein italienischer Uhrendesigner hat behauptet, ein Mann brauche nur gerade drei Schmuckstücke: sein Auto, seine Frau und seine Uhr. Zugegeben, eine nicht wirklich ernst gemeinte Äusserung, für die ich ein gewisses Verständnis habe – schliesslich lebt dieser Mann vom Uhrengeschäft. Herrenschmuck ist in der Tat eine Sache für sich, und nur wenige Männer haben den Mut, ihren Stil mit besonderen Accessoires zu unterstreichen. Da sind Sie eine Ausnahme. Ich persönlich finde es toll, wenn ein Mann passend zur Person und zum Anlass Schmuck trägt. So zeigt er Individualität und Kreativität.

Unter «passend zur Person» verstehe ich, dass das Material, die Grösse und die Menge stimmen müssen. Der Herr mit sportlichem Stil trägt nicht viele, aber grössere Teile, wie etwa grobe Fingerringe aus Silber oder Stahl, Lederarmbänder, Ketten mit Holzelementen und robuste Uhren. 

Dagegen trägt der Mann mit klassischem Stil zeitlose, eher feine Ring- und Uhrenvarianten. Er mag es dezent, elegant und kontrolliert. Darum freut er sich, wenn die Krawattenklammer wieder in Mode kommt. Siegelringe und Designer­uhren gehören in die Ausstattung eines Herrn mit aristokratischem Stil. An den eher fein wirkenden Händen und Armen sehen diese Schmuckstücke perfekt aus, ohne protzig oder «falsch» zu wirkend. Hingegen kann der Mann mit dem abenteuerlichen Touch mit solchen Teilen nicht viel anfangen. An ihm wirken die traditionellen Schmuckstücke langweilig, ja ereignislos. Seine sehnig muskulösen Hände und Arme vertragen bestens den ausgefallenen, kreativ-modischen Schmuck.

Welchem Stil Sie angehören, kann ich nur vermuten. Sicher schwingt der sportlich-natürliche Stil mit. Allerdings passt dabei die feine Halskette aus Gold nicht recht ins Konzept. Grundsätzlich rate ich von solchen Kombinationen ab. Tragen Sie keine Mischungen verschiedener Metallfarben, ausser natürlich zu Bicolorteilen. Da sind Sie mit Ergänzungen frei. Ansonsten bleiben Sie besser bei einer Schmuckfarbe, um nicht «überladen» zu wirken.

Nicht zu viel auf einmal

Überladung hat aber nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Anzahl zu tun. Vor allem im geschäftlichen Bereich ist weniger mehr. Drei Teile genügen da. Ein bis zwei Ringe, Manschettenknöpfe oder eine Uhr sind genug des Guten und passend zum offiziellen Outfit. Lederarmbänder, bunte Plastikuhren, auffallende oder provokative Schmuckteile können dagegen bei Gelegenheiten in der Freizeit getragen werden.

Sie tragen keine Uhr. Schade. Ich finde, Männer sollten diese Gelegenheit, Schmuck tragen zu können, benützen. Zeit ist etwas Wertvolles, und der Blick auf ein iPhone kann niemals dieselbe Emotion auslösen, wie es das Zeitchecken auf einer zur Persönlichkeit passenden Uhr tut. Dazu ein Bonmot, das ich mit einem Augenzwinkern an Sie weitergebe: «Jungs schauen auf ihr Smartphone, um nach der Uhrzeit zu sehen – Männer auf ihre Uhr.»

Doris Pfyl


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