Ratgeber

Körpergeruch: Wie sag ich’s meinem Nächsten?

DEO, ACHSELGERUCH, SCHWEISS, DEODORANT, ACHSELSCHWEISS 6.JANUAR 2004 (NEUE LZ/ESTHER MICHEL) (Bild: Archiv LZ/Esther Michel)
STIL ⋅ Bei den warmen Temperaturen fühle ich mich (w., 42) wieder vermehrt durch unangenehme Körpergerüche von Mitmenschen belästigt. Bereits am Morgen riecht es im Zug «streng». Im Geschäft stelle ich fest, dass ein Arbeitskollege noch nie etwas von Deos gehört hat. Darf ich andere auf ihren unguten Duft aufmerksam machen?
03. Juli 2017, 06:00
Doris Pfyl

Wer an einem hitzigen Sommertag mit synthetischer Kleidung zur Arbeit erscheint, mag es offensichtlich heiss! Denn synthetische Stoffe atmen oft nicht, geben deshalb tendenziell viel wärmer – und riechen schnell unangenehm.

Schwitzen ist normal und wichtig. Die Körpertemperatur wird auf diese Weise reguliert (darum beschäftigt das Thema übrigens nicht nur im Sommer). Frischer Schweiss ist eigentlich völlig geruchlos, ausser in der Pubertät oder in Wechseljahrzeiten: Hormonelle Veränderungen und Stresssituationen lassen bereits frischen Schweiss ungut riechen. Ansonsten sind es Bakterien in den Achselhöhlen, die den Schweiss zersetzen und so zum Schweissgeruch (Buttersäure!) führen.

Duschen, waschen oder baden, diese tägliche Pflege muss sein, das sind wir unseren Mitmenschen schuldig. Damit zeigen wir Respekt und Wertschätzung. Auch das Benützen von Deos oder Antitranspirants sollte selbstverständlich sein. Wer befürchtet, in diesen könnten sich schädliche Sub­stanzen verbergen, sollte Körperpuder ausprobieren. Das ist eine angenehme Alternative, die ebenfalls Schutz bietet. Welche Produkte auch immer verwendet werden: So oder so macht es Sinn, sich an heissen Sommertagen auch zwischendurch mal frisch zu machen.

Hautporen atmen lassen

Leichte Stoffe aus Naturfasern unterstützen die Luftzirkulation auf der Haut, die Poren können atmen. Oberbekleidung, die direkt auf der Haut getragen wurde, sollte am Abend im Wäschekorb landen. Ungewaschene Kleidungsstücke im Schrank verursachen oft den typisch muffigen Geruch.

Grundsätzlich bin ich eine Befürworterin davon, Missstände zu klären und sich für die eigenen Interessen einzusetzen. Allerdings gibt es klare Grenzen. Wildfremde Menschen – also etwa im öffentlichen Verkehrsmittel – auf ihre Körpergerüche anzusprechen, halte ich für sehr unschön. Solche Äusserungen verletzen und stellen bloss. Beim Arbeitskollegen verhält es sich aber anders. Ihm darf oder muss sogar mitgeteilt werden, dass der üble Körpergeruch auffällt. Es nützt nichts, wenn hinter seinem Rücken getuschelt wird und sich jeder die Nase zuhält. Er verdient diese Ehrlichkeit. Ausserdem erhält er so die Chance, etwas ändern zu können. Eventuell ist ihm ja gar nicht bewusst, dass er riecht.

Am besten wird dieses – zugegeben etwas heikle – Gespräch von Mann zu Mann unter vier Augen geführt. Delegieren Sie es also nach Möglichkeit einem Mitarbeiter, mit dem Ihr Kollege ein gutes Einvernehmen hat. Dabei soll nicht lange um den heissen Brei herumgesprochen werden. Die Ansage könnte etwa lauten: «Vermutlich merkst du es selber nicht, aber du hast Körpergeruch. Eventuell liegt es an deiner Bekleidung. Ich arbeite sehr gerne mit dir zusammen, deshalb war es mir wichtig, dir das mitzuteilen.»

Die meisten Personen reagieren sehr positiv, leiten dann aber vielleicht über zu: «Ich habe auch etwas, was ich dir schon lange sagen wollte …»

Doris Pfyl


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