In Sneakers zum festlichen Anlass: Geht das?

Bei den Proben tuns auch noch Turnschuhe. Für die richtige Show wirft sich Gastgeber Sven Epiney dann doch richtig in Schale - wie es sich gehört für ein Varieté. (Manuela Jans / Neue LZ)
STIL ⋅ Sneakers sind momentan total im Trend. Können Männer diese aber auch an festlichen beziehungsweise offiziellen Anlässen tragen, oder würde man damit offenbaren, dass man kein Stilgefühl hat? Gibt es eine Altersgrenze, respektive ab wann macht der Mann sich lächerlich in Sneakers?
09. Oktober 2017, 04:38
Doris Pfyl

Ihre Frage führt mich auf dünnes Eis. Denn wenn ich unverblümt meine Meinung zu diesem Thema kundtue, wird dies zahlreiche Reaktionen auslösen. Nicht alle werden meine Ansicht teilen. Deshalb starte ich vorsichtig und versuche, mich möglichst diplomatisch auszudrücken.

Sneakers können ganz schön lässig wirken, sind funktional, bequem und vor allem zurzeit total in Mode. Das verwundert nicht, denn sie entsprechen dem momentanen Lebensgefühl. Alles muss schnell gehen, und in diesem Schuhmodell können wir uns tatsächlich flink bewegen. Einige Schuhliebhaber sind so sehr davon begeistert, dass sie zu Sammlern werden und für seltene Exem­plare viel Geld hinblättern.

Sneakers haben sich zu einem Massenhype entwickelt. Sie kommen in allen möglichen und – gestatten Sie die Bemerkung – auch unmöglichen und billig wirkenden Farben und Formen daher. Sie werden zu jeder Tages- und Nachtzeit getragen und zu jedem Outfit kombiniert. Mit meinem Stilverständnis habe ich da auch gar nichts einzuwenden, wenn auch die Bekleidung dazu eine gewisse Lässigkeit zeigt. Mit Lässigkeit meine ich die eher sportlich wirkenden Stoffe, Schnitte und Materialien.

Zum eleganten Businessoutfit ist der Sneaker aber unpassend. Hier gehört ein Lederschnürer her. Immer mehr Männer kombinieren eine Mischung aus klassischem Lederschuh und Sneaker zum Anzug. Das mag dann gehen, wenn der Herr seinen Anzug leger trägt und dieser mit Casualeinflüssen – wie etwa Struktur in der Stoffoberfläche – ausgestattet ist. Selbstverständlich wird dann auf das Tragen einer Krawatte verzichtet.

Zur Abendrobe passt der Sneaker indes ganz und gar nicht. Der Konzert- oder Theatersaal ist die letzte «Bastion», in der wir uns festlich kleiden dürfen, ja sollen. Kleider haben immer eine Bedeutung, sprechen eine Sprache und senden Signale. Viele verstehen diese Sprache nicht mehr und vertreten die Meinung «anything goes» (alles ist erlaubt). Das sehe ich ganz anders. Es ist gegenüber den Künstlern und Musikern respektlos und egoistisch, in dieser Situation das oft sehr geringschätzig wirkende Casual­outfit zu zelebrieren.

Nicht Alter, sondern Art zählt

Für Sneakers gibt es keine Altersgrenze. Sie werden selber merken, wann es nicht mehr die Neonfarbenen sein sollen. Die dezent modischen, eher schlichten Modelle ohne fette Sohlen und grelle Verzierungen sind universeller einsetzbar und zeigen ganz grundsätzlich mehr Stil. Helle und grelle Farben wirken blicklenkend. Der Herr, der leuchtend farbene Sneakers zur dunklen Hose trägt, muss sich also nicht wundern, dass der Blick erst einmal auf seine Schuhe fällt, bevor er zum Gesicht wandert.

Noch ein letzter, mir wichtiger Hinweis: Weisse Sneakers erinnern an Turnschuhe. Und diese wurden eigentlich ausschliesslich für die stets sauber gereinigte Halle konzipiert – und nicht fürs staubige Trottoir.

Doris Pfyl

Knigge-Trainerin, Farb- und Modestilberaterin, Ausbildnerin des Schweizer Fachverbands FSFM, www.

imagemodestil.ch

 

 

 

 


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