Dürfen Hunde ins Speiselokal mitgebracht werden?

STIL ⋅
13. November 2017, 08:29
Wer seinen Hund mit ins Restaurant bringt, handelt weder gesetzeswidrig noch unsittlich, da auch die Lebensmittelverordnung kein allgemeines Verbot dagegen ausspricht. Dennoch sind diesbezüglich einige Regelungen möglich:

Es ist dem Lokalinhaber überlassen, ob er den Hunden Eintritt gewährt oder ob diese draussen bleiben müssen. Diese Entscheidung liegt im Ermessen des Gastgebers und soll vorbehaltlos akzeptiert werden. Meines Erachtens gilt die Frage nach dem Anstand weniger der Tatsache, ob ein Hund im Lokal zugelassen ist oder nicht, sondern es geht darum, wie die jeweiligen Parteien damit umgehen. Lautstarkes Ausrufen und Schimpftiraden gegenüber dem Wirt, dem Hundebesitzer oder eben dem Befürworter eines Rayonverbots sind ebenso wenig angebracht wie der freie Auslauf der Vierbeiner zwischen fein angerichteten Speisen und fremden Tischbeinen. Besonders im Speisebereich soll der Hund angeleint sein und die Genussfreude der übrigen Gäste nicht beeinträchtigen. Dass ein (eventuell gar bellender oder nasser) Hund am Nebentisch bei manchen Gästen nicht gut ankommt, sollte auch für Tierfreunde nachvollziehbar sein.
Auch dass manche Menschen Angst vor Hunden haben, darf den Betroffenen nicht zum Vorwurf gemacht werden – nicht selten trübt die Erinnerung an eine unliebsame Bekanntschaft mit Hunden die objektive Wahrnehmung der Situation.

Wer es vorzieht, seinen Vierbeiner beim Restaurantbesuch an seiner Seite zu wissen, kann dies auch telefonisch voranmelden. Somit schenkt man dem Gastgeber einen gewissen Handlungsspielraum, und die Platzierung am Ecktisch ermöglicht es Mensch und Hund, ohne zusätzlichen Stress den Abend zu geniessen. Zudem schadet es nicht, wenn man als Hundebesitzer bei der unmittelbaren Tischnachbarschaft nachfragt, ob das in Ordnung ist.

Ebenfalls zu beachten ist die Frage nach der Verköstigung des Vierbeiners. Dass ein Hund weder vom Teller noch mittels Handreichungen mitessen sollte, versteht sich von allein. Bisweilen verwöhnen aber sogar die Gastgeber in (zu) gut gemeinter Gastfreundschaft die Vierbeiner mit Leckereien. Ein bereitgestellter Hundenapf muss übrigens aufgrund der Hygienevorschriften zwingend als solcher deklariert sein. Im Unterschied zu den Hunden erfreuen sich indes weitaus weniger Hundebesitzer über die wohlmeinend angebotenen Leckerli. Nachfragen lohnt sich also auch hier.

Gegenmeinung reflektieren

Hilfreich ist es, Situation und Meinung der Gegenseite kurz zu reflektieren. Nicht jedermann – bisweilen selbst Hundefreunde nicht – mag es, Tiere im Speiselokal vorzufinden. Der Anspruch, ohne fremdes Tier unter dem Tisch dinieren zu wollen, macht Menschen nicht zu schlechteren Zeitgenossen. Umgekehrt lohnt sich auch das Verständnis, dass Hundebesitzer ihren Liebling aus verschiedenen Gründen bei sich wissen wollen. Abhilfe schaffen immer mehr innovative Gastgeber, indem sie für die vierbeinigen Freunde ein tiergerechtes und angenehmes Wartehäuschen einrichten.
 




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