Bewerbung: Wie viel Eigenlob darf denn sein?

STIL ⋅ In der Ausbildung wird gelehrt, dass man sich in einer Bewerbung im allerbesten Licht darstellen soll. Wie ernst kann aber ein Arbeitgeber eine Bewerbung nehmen, wenn diese standardmässig lauter «Höchsttonfloskeln» aufzählt («Warum ich und nur ich der/die einzig Richtige für diese Stelle bin»)? Wie bin ich glaubwürdig?
16. Oktober 2017, 14:44
Irène Wüest Häfliger

Im Bewerbungsverfahren geht es um Selbstmarketing: sich von der Masse abzuheben und seine eigene Person so gut zu vermarkten, dass potenzielle Arbeitgeber auf einen aufmerksam werden. Das erinnert an Selbstdarstellung und löst bei vielen eine negative Assoziation aus, nämlich dass Blenden, Prahlen und Eigenlob stinken.

Der Grat zwischen Selbstmarketing und Selbstbeweihräucherung ist tatsächlich äusserst schmal. Prahlhänse, die nur in Superlativen von sich sprechen, stossen ab. Prahlen heisst, Behauptungen aufstellen, die sich bei näherem Hinsehen in Luft auflösen, weil sie nicht durch Fakten gedeckt sind.

Doch wie sagt der Volksmund so schön: «Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.» Wer beachtet werden und beruflich vorankommen will, darf und muss auf seine Stärken hinweisen, doch dies aufrichtig und mit Mass.

Beginnen Sie mit einer «Reise nach innen». Halten Sie für sich Ihre beruflichen Erfahrungen fest, beschreiben Sie Ihre beruflichen Erfolge und Kompetenzen. Setzen Sie sich mit Ihren Stärken und Schwächen sowie mit Ihren beruflichen und privaten Bedürfnissen und Zielsetzungen auseinander. Lassen Sie sich dabei von folgenden Fragen leiten: Warum bewerbe ich mich? Was kann ich gut oder besser als andere Kandidaten? Was sind meine beruflichen Erfolge? Worauf bin ich stolz? Was hat der Arbeitgeber davon, wenn er mich einstellt? Welche Aufgaben und Arbeiten machen mir Freude? Was ist mir wichtig hinsichtlich einer neuen Stelle? Das heisst also: Werden Sie sich klar, wer Sie sind, was Sie (besonders gut) können und was Sie wollen. Diese ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst bringt ein grosses Stück Selbstbewusstsein sowie Selbstsicherheit.

Überlegen Sie sich danach, wo respektive bei welchen Firmen Ihre Qualitäten gebraucht werden, auf welche ausgeschriebenen Stellen Ihr Profil passen könnte. Haben Sie dann ein auf Ihr Profil passendes Stellenprofil gefunden, beginnt das Vermarkten der eigenen Person mit einem aussagekräftigen und authentischen Bewerbungsschreiben. Weisen Sie darin auf Ihre Stärken, besonderen Fähigkeiten und Leistungen gebührend hin und zeigen Sie Ihre Motivation. Greifen Sie dabei aber nicht auf Mustervorlagen zurück, sondern gestalten Sie Ihre Bewerbung persönlich.

Keine leeren Phrasen

Verzichten Sie auf leere Phrasen wie «Ich bin flexibel und teamfähig». Erklären Sie stattdessen anhand eines konkreten Beispiels, in welchem Aufgabengebiet Sie Flexibilität und Teamfähigkeit bewiesen haben. Sind beispielsweise beste Englischkenntnisse verlangt und liegt die eigene Schwäche in diesem Bereich, wäre es verkehrt, hochzustapeln und sich als Englischprofi darzustellen. Signalisieren Sie lieber, dass Sie bereit sind, Ihre Sprachkenntnisse weiterzuentwickeln.

Und falls Sie im Lebenslauf eine Lücke haben, stehen Sie dazu. Dies mit einer Lüge zu kaschieren, könnte beim Bewerbungsgespräch oder in der späteren Anstellung auffliegen.

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