Ratgeber

Wie sauber muss die Wohnung bei der Übergabe sein?

Illustration Unfallgefahr im Haushalt. Arbeitslose verunfallen häufiger im eigenen Haushalt, da sie mehr Zeit zuhause verbringen. Littau am 13. März 2007. (Adrian Baer/Neue LZ) Unfall Gefahr Leichtsinn Putzen aufräumen Wohnung (Bild: Archiv ZZ/Adrian Baer)
RECHT ⋅ Nach zehn Jahren verlassen wir unsere Mietwohnung für eine grössere Bleibe. Der Besitzer will die Wohnung teilweise renovieren. Wie sauber müssen wir die Wohnung vor der Abgabe putzen? Auf was müssen wir besonders achten?
21. Juni 2017, 05:00
Hugo Berchtold

Der Zustand der Mietwohnung bei der Abgabe sorgt immer wieder für Streit. Das auch deswegen, weil im Gesetz dies, wie so vieles, nicht genau geregelt ist. Gemäss Art. 267 OR haben Sie die Wohnung in dem Zustand zurückzugeben, «der sich aus dem vertragsgemässen Gebrauch ergibt».

Doch was heisst das konkret? Gemäss Mieterverband sollten Böden und Kacheln in Küche, Bad und WC sowie die sanitären Anlagen feucht mit entsprechenden Putzmitteln gereinigt, Schränke, Kühlschrank und Backofen ausge­waschen, die Fenster geputzt und Spannteppiche scham­poniert werden.

Gewisse Mietverträge enthalten zudem Bestimmungen über das Ausmass der Reinigung vor der Wohnungsabgabe. Allzu hohe Ansprüche dürfen aber auch vertraglich nicht vereinbart werden. Bestimmungen, die riskante Reinigungsarbeiten betreffen oder besondere Fachkenntnisse erfordern, sind nicht gültig. So müssen Fensterläden nur soweit gereinigt werden, als dies ohne gefährliche Fassadenklettereien möglich ist. Wie beim kleinen Unterhalt sind zudem Vertragsklauseln, die vom Mieter Reinigungsarbeiten verlangen, die nur unter Beizug von Fachleuten möglich sind, nicht verbindlich. Ein Beispiel ist die Bestimmung, Teppichböden durch eine Firma tiefenextrahieren zu lassen.

Zusätzlich zur Reinigung aber müssen kleine Schäden ausgebessert wurden: Dübellöcher sind fachgerecht zu schliessen, sanitäre Armaturen zu entkalken und verstopfte Ab­läufe zu reinigen.

Sind sich die Parteien bei der Abnahme uneinig, ob eine Abnutzung ordentlich oder ausserordentlich ist, sollte der Mieter einen Vorbehalt auf dem Protokoll anbringen wie z. B. «gemäss Ansicht des Mieters ordentliche Abnutzung». Findet man keine Einigung, sollte der Mieter das Protokoll nicht unterschreiben. Im Streitfall kann die Schlichtungsstelle Miete und Pacht am Ort der Wohnung angerufen werden.

Wenn Sie nicht selber putzen wollen, können Sie auch ein Unternehmen beauftragen. Holen Sie frühzeitig bei mehreren Reinigungsfirmen eine schriftliche Gratisofferte ein. Darin sollten folgende Punkte klar fixiert werden: den Reinigungsumfang (gehört auch der Keller dazu), den Putzzeitpunkt und die Haftung der Firma für allfällige Putzschäden. Zentraler Bestandteil ist der verbindliche Preis. Wichtig ist zudem eine schriftliche Übergabegarantie.

Bei Renovation: besenrein

Steht nach dem Auszug des Mieters eine Sanierung der Wohnung bevor, käme es einer Schikane gleich, wenn der Vermieter eine gründliche Reinigung verlangt. In diesem Fall genügt es in der Regel, die Wohnung besenrein zu übergeben. Es sollte allerdings so weit gereinigt werden, dass es für die Handwerker nicht unzumutbar ist, die Ge­räte anzufassen. Weitere Reinigungen sind nicht nötig. Wird nur ein Teil der Wohnung renoviert, z. B. die Fenster ersetzt oder die Küche, so gilt besenrein nur dort: Der Rest der Wohnung muss gründlich gereinigt werden.

Hugo Berchtold

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