Ratgeber

Wie reagiere ich, wenn ich ein Tier angefahren habe?

(Symbolbild: Boris Bürgisser)
RECHT ⋅ Ich habe kürzlich nur knapp einen Zusammenstoss mit einem Reh vermeiden können. Wie hätte ich reagieren müssen, wenn ich das Wildtier angefahren hätte? Wie ist es, wenn ich ein Haustier (Katze, Hund) angefahren habe? Kann ich bei falschem Verhalten gebüsst werden?
30. August 2017, 05:00
Dr. iur. Beat Frischkopf

Es ist wichtig, sich im Voraus mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. In der Aufregung über eine derartige Kollision ist es möglich, dass man aus Unwissenheit Fehler begeht, die gravierende Folgen nach sich ziehen können.

Seit dem 1. April 2003 sind Tiere vor dem Gesetz keine Sachen mehr. Unser Zivilgesetzbuch (ZGB) bestimmt aber, dass die auf Sachen anwendbaren Vorschriften auch für Tiere gelten, sofern keine besonderen Regeln bestehen. Demzufolge ist auf Unfälle mit Tieren im Strassenverkehr Art. 53 Abs. 3 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) anwendbar.

Der Schädiger hat sofort den Geschädigten zu benachrichtigen und Namen und Adresse anzugeben. Ist dies nicht möglich, hat er unverzüglich die Polizei zu verständigen. Unterlässt er dies, kann er zum einen nach dem SVG mit Busse und andererseits unter Umständen wegen Tierquälerei nach Art. 26 des Tierschutzgesetzes (TSchG) mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geld­busse bestraft werden.

Nach einer Kollision mit einem Wildtier ist sofort der zuständige Wildhüter zu informieren. Ist dieser nicht bekannt, kommt man seiner Meldepflicht mit einer Mitteilung an die Polizei nach. Nach einer Kollision mit einem Haustier kann der Eigentümer benachrichtigt werden oder, wenn dieser nicht bekannt ist, ebenfalls die Polizei. Zuerst aber ist die Unfallstelle zu sichern (Warnblinker, Pannendreieck usw.). Ist das Tier tot, muss es anschliessend (wenn möglich nach Beweisfoto) von der Strasse entfernt werden, um die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer zu verhindern.

Lebt ein Wildtier noch, sollte man sich ihm nicht nähern – es könnte versuchen, sich zu wehren oder sich mit einem Fluchtversuch überanstrengen. Ist es geflohen, müssen Sie die Unfallstelle markieren und sich die Fluchtrichtung merken. Ein verletztes Haustier sollten Sie wenn möglich zum Tierarzt bringen. Sind Sie mit einem Wildtier kollidiert, erstellt der aufgebotene Wildhüter ein Schadensprotokoll. Gestützt darauf wird eine allfällige Teilkaskoversicherung den Schaden übernehmen.

Zwei Kausalhaftungen

Sind Sie hingegen mit einem Haustier kollidiert, treffen zwei sogenannte Kausalhaftungen (Haftung ohne Verschulden) aufeinander. Für den Schaden am Tier (z. B. Tierarztkosten) muss der Fahrzeugführer gestützt auf die sogenannte Betriebsgefahr (generelle Gefahr, die der Betrieb des Motorfahrzeuges mit sich bringt) grundsätzlich zu zwei Dritteln (bezahlt die obligatorische Haftpflichtversicherung) und der Tierhalter zu einem Drittel aufkommen.

Die Schäden am Auto werden nach demselben Schlüssel verteilt, wobei der Anteil des Fahrzeugführers von seiner Teilkaskoversicherung (sofern vorhanden) übernommen wird. Diese Kostenaufteilung kann sich aber verschieben, wenn z. B. einer der beiden Beteiligten ein Verschulden bzw. höheres Verschulden an der Kollision trägt (z. B. der Tierhalter das Tier zu wenig beaufsichtigt hat).

Dr. iur. Beat Frischkopf


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