Wie erreiche ich, dass mein letzter Wille umgesetzt wird?

DIE WAHRHEIT DER BIBEL BIBEL LIEGT AUF EINER BANK IN DER KIRCHE, HINTEN FRAU AM BETEN. RELIGION, ALTES TESTAMENT, NEUES, KATHOLISCH (NEUE LZ/ESTHER MICHEL) (Symbolbild: Esther Michel)
RECHT ⋅ Ich habe drei Kinder und bin seit langem geschieden. Ich möchte, dass meine Kinder zu gleichen Teilen von meinem Nachlass profitieren. Gleichzeitig möchte ich neben meinen Kindern auch eine Stiftung für sozial Benachteiligte begünstigen. Wie stelle ich sicher, dass mein letzter Wille korrekt umgesetzt wird?
28. Juli 2017, 05:00
Roman Schnider

Das Schweizer Erbrecht sieht einen Pflichtteil von drei Vierteln Ihres Erbes für Ihre drei Kinder vor. Demnach beträgt die frei verfügbare Quote für die Stiftung insgesamt 25 Prozent Ihres Nachlasses. Nun soll das über hundertjährige Erbrecht revidiert werden, und diese Revision sieht eine Reduktion des Pflichtteils für die Kinder von 75 auf 50 Prozent vor. Bis das neue Erbrecht aber in Kraft ist, kann es noch Jahre dauern.

Im Hinblick auf Ihre Zielsetzung sind verschiedene Wege möglich. So können Sie für die Stiftung eine Schenkung zu Lebzeiten ins Auge fassen. Grundsätzlich empfehle ich Ihnen, eine allfällige Schenkung vorgängig mit Ihren Kindern zu besprechen, da Schenkungen, die über Gelegenheitsgeschenke hinausgehen und innerhalb von fünf Jahren vor dem Tod des Erblassers erfolgt sind, der Herabsetzung unterliegen, wenn dadurch die Pflichtteile der Erben verletzt werden.

Falls Sie der Stiftung nach Ihrem Ableben mehr als die frei verfügbare Quote Ihres Nachlasses zuwenden wollen, ist eine einvernehmliche Lösung mit Ihren Kindern unverzichtbar. Dazu müssten Sie mit Ihren Kindern einen Erbvertrag abschliessen, in welchem die Kinder auf ihren Pflichtteil verzichten.

Auch wenn der Pflichtteil Ihrer Kinder nicht reduziert werden soll, kann ein Erbvertrag Sinn machen. Denn im Rahmen eines derartigen Vertrages können Sie etwa auch die Frage regeln, ob Ihre Kinder allenfalls für Ihre Pflege im Alter besorgt sein und im Gegenzug womöglich mehr als den ihnen zustehenden Pflichtteil erhalten sollen. Gleichzeitig muss man sich aber bewusst sein, dass ein Erbvertrag in der Regel nur dann aufgehoben oder geändert werden kann, wenn alle Vertragspartner zustimmen. Sowohl der Abschluss als auch gewisse Änderungen von Erbverträgen bedürfen zudem der öffentlichen Beurkundung.

Statt in einem Erbvertrag können Sie Ihren letzten Willen auch in einem Testament festhalten. Dieses offeriert Ihnen mehr Freiheit für die allfälligen Veränderungen Ihrer Erbvorstellungen. Denn ein Testament kann von Ihnen einseitig jederzeit geändert oder aufgehoben werden.

Willensvollstrecker einsetzen

Eventuell ist, ob im Erbvertrag oder Testament, auch die Einsetzung eines Willensvollstreckers in Betracht zu ziehen. Denn: Der Erbvorgang erfordert Fachwissen. Hinzu kommt, dass der Verlust eines Elternteils für die Kinder in aller Regel belastend ist und es auch Streit zwischen den Erben geben kann.

Zu den Kernaufgaben des Willensvollstreckers gehört die Inventaraufnahme, die Verwaltung des Nachlasses und der Erhalt des Vermögens. Der Willensvollstrecker bezahlt die Schulden des Erblassers aus dem Nachlass, er treibt offene Forderungen ein, verwaltet den digitalen Nachlass des Erblassers, steht für Fragen der Erben zur Verfügung und bereitet die Erbteilung vor. Entschädigt wird er mit Rücksicht auf die fachlichen Ansprüche des konkreten Erbes und den damit verbundenen Aufwand.

Roman Schnider


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