Unversteuerte Erbschaft: Muss ich mit Busse rechnen?

(Symbolbild: Philipp Schmidli)
RECHT ⋅ Ich bin Einzelkind und weiss, dass meine verwitwete Mutter (82) einen Teil ihres angelegten Vermögens nicht versteuert hat. Zudem hat sie noch Goldmünzen in einem Bankfach. Eines Tages werde ich dieses Schwarzgeld erben. Wie soll ich damit umgehen?
04. August 2017, 05:00
Daniel Disler

Als Erbe des Schwarzgeldes, das im Nachlass Ihrer Mutter enthalten ist, können Sie mit einer «straflosen Selbstanzeige» der Busse entgehen. Es ist nicht zulässig, dass Sie für die Verfehlungen Dritter (Ihrer Mutter) Strafe zahlen. Bei der straflosen Selbstanzeige zahlen Sie die Einkommens- und Vermögenssteuern für das Schwarzgeld für die vergangenen drei Jahre sowie die Verzugszinsen nach.

Drei Bedingungen müssen erfüllt sein

Achtung: Die Straflosigkeit ist an drei Bedingungen geknüpft:

  1. Die Selbstanzeige muss freiwillig erfolgen, und zwar bevor die Steuerbehörden dem Schwarzgeld auf der Spur sind.
  2. Der Erbe muss sich bemühen, die entstehenden Steuerschulden zu begleichen.
  3. Die Steuerbehörde muss bei der Aufklärung des Sachverhaltes vorbehaltlos unterstützt werden.

Legen Sie jedoch beim Tod Ihrer Mutter das Schwarzgeld nicht offen, und der Fiskus kommt Ihnen auf die Spur, so wird es massiv teurer. In diesem Fall müssen Sie neben der Nachsteuer auch eine Strafsteuer (Busse) bezahlen. Die Busse kann dabei bei leichtem Verschulden auf einen Drittel der Nachsteuern ermässigt, bei vorsätzlichem Handeln jedoch auf das Dreifache erhöht werden.

«Teilweise Selbstanzeige» ist nicht gültig

Gesetzlich nicht geregelt ist die «teilweise Selbstanzeige». Das wäre dann der Fall, wenn Sie beschliessen, nur denjenigen Teil des Schwarzgeldes offenzulegen, von welchem Sie annehmen, dass die Steuerbehörde einer Selbstanzeige zuvorkommen könnte. Sie würden dabei etwa Vermögenswerte, wie etwa der Inhalt eines Safes, nicht offenlegen und auch nicht versteuern. Sollten die Steuerbehörden davon erfahren, ist gemäss der aktuellen Rechtspraxis die Selbstanzeige als Ganzes hinfällig, und die Straflosigkeit entfällt. Eine «straflose Selbstanzeige zu Lebzeiten» Ihrer Mutter setzt immer ihren Willen als Eigentümerin voraus, dass sie für die bisher unversteuerten Vermögenswerte, Nachsteuern und Verzugszinsen für die letzten zehn Jahre nachzahlt. Die Vorteile einer Legalisierung zu Lebzeiten sind, dass das bisherige Schwarzgeld nicht länger blockiert ist.

Möglicherweise ist sich Ihre Mutter nicht bewusst, welche negativen Konsequenzen das Schwarzgeld haben kann. Oder Sie fand bislang die Abwicklungsmodalitäten einer straflosen Selbstanzeige zu umständlich. Ich empfehle Ihnen, mit Ihrer Mutter die Möglichkeiten zur Legalisierung des Schwarzgeldes zu besprechen und allfällige weitere Fragen mit einem Steuerexperten zu klären.

Eine straflose Selbstanzeige zu Lebzeiten hat zur Folge, dass für die unversteuerten Vermögenswerte Nachsteuern und Verzugszinsen für die letzten zehn Jahre zu zahlen sind.


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