Trennung: Streit um das gemeinsame Kind

(Bild: PD)
RATGEBER ⋅ Unser Sohn ist mit einer Ausländerin verheiratet. Nun hat er sie für eine andere Frau verlassen. Unsere Schwiegertochter will ihm nun verbieten, den gemeinsamen Sohn übers Wochenende zur neuen Freundin mitzunehmen, sie droht auch, mit dem Kind in ihre Heimat zurückzukehren. Darf sie das?
04. Oktober 2017, 08:25
Dr. iur. Mathias Völker

Betrachtet man die gestellten Fragen rein juristisch, muss die Antwort jeweils heissen: «Es kommt darauf an …» Fest steht jedenfalls, dass es sich um einen sehr komplexen Sachverhalt handelt, in dem nicht nur schweizerisches Recht, sondern allenfalls auch das Recht des Heimatlandes Ihrer Schwiegertochter Anwendung finden könnte. Für eine klare Antwort müsste man die Ausgangslage vertieft analysieren, was den Rahmen des Ratgebers aber bei weitem sprengen würde. Ausserdem sind internationale Staatsverträge tangiert.

Kindeswohl im Zentrum

Im Zentrum steht die Frage des Kindeswohls. Dem Kind müsste entsprechend ein Beistand gegeben werden, bzw. die Kesb müsste wohl auch noch tätig werden. Ein solcher Fall kann sehr weitläufige rechtliche Abklärungen und allenfalls Expertisen erfordern. Aufgrund dieser könnte dann in ferner Zukunft ein Gericht einen Entscheid fällen. Diese Abklärungen und Prozesse könnten Jahre dauern, und die Kosten werden dementsprechend hoch sein.

Selbst wenn dann ein Gerichtsentscheid vorliegt, ist damit noch lange nicht die Umsetzung gewährleistet. Was will man beispielsweise tun, wenn die Mutter das Kind dem Vater im konkreten Moment nicht zum Besuch geben möchte, wenn er vor der Tür steht, um das Kind abzuholen, und er ein Urteil in den Händen hält, das besagt, dass er das Kind alle zwei Wochen zu sich (und seiner Freundin) nehmen darf? Keine Institution wird das Kind «unter Zwang» dem Vater zuführen.

Oder was will der Mann unternehmen, wenn die Mutter mit dem Kind in ihr Heimatland abreist? Wird er dort prozessieren und die Mutter wegen Kindesentführung anklagen?

Mediation als Alternative

All dies ist juristisch und faktisch sehr komplex, mit einem rein rechtlichen Vorgehen kann der Fall kaum befriedigend gelöst werden. In einer solchen Situation könnte die Alternative einer Mediation sinnvoll sein.

Zusammen mit einem unabhängigen Mediator kann eine vom Paar für sich selbst massgeschneiderte Lösung erarbeitet werden. Lassen sich beide auf den Vermittlungsprozess ein, können rasche und kreative Problem- und Konfliktlösungen gefunden werden, die zum jetzigen Zeitpunkt noch niemandem bewusst sind.

Win-win-Lösungen

Die Mediation berücksichtigt die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten und ermöglicht Win-win-Lösungen. Sie führt zu fairen, tragfähigen und rechtsverbindlichen Vereinbarungen und stärkt die Autonomie der Konfliktparteien. Da die Lösung durch das Paar selbst erarbeitet wird, ist diese viel besser durchsetzbar und wirkt zudem vorbeugend gegen weitere Konflikte und damit deeskalierend in der gesamten Situation, was für das Kind das Beste ist.

Dr. iur. Mathias Völker

Rechtsanwalt, Vorstand Mediation Zug
 


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