Muss ich die Reinigungshilfe gegen Unfall versichern?

ZUEGELTERMINE MACHEN IMMER VIEL ARBEIT UND UMTRIEBE. WER BEZAHLT WELCHE SCHAEDEN UND WAS FUER ABMACHUNGEN SOLLTE MAN MIT REINIGUNGSFIRMEN TREFFEN? EINE FRAU PUTZT EIN BADEZIMMER AM 14. SEPTEMBER 1999. (NEUE LZ, BRUNO A. ARNOLD) (Symbolbild: Bruno A. Arnold)
RECHT ⋅ Ich beschäftige in meinem Privathaushalt eine Reinigungskraft stundenweise, in der Regel vier Stunden pro Woche. Sie arbeitet noch bei anderen Leuten. Muss ich Sozialleistungen sowie eine Unfallversicherung für die ­Reinigungskraft bezahlen/abschliessen? Wie muss ich dabei vorgehen?
19. Juli 2017, 05:00

Wer eine Raumpflegerin, eine Haushaltshilfe oder einen Babysitter beschäftigt, ist verpflichtet, Sozialversicherungsbeiträge abzurechnen – auch wenn der Geld- oder Naturallohn tiefer ist als 2300 Franken im Jahr. Im Privathaushalt ist jede entlöhnte Tätig­keit beitragspflichtig. Wer im Jahr 2017 Hausangestellte mit Jahrgang 1999 oder älter beschäftigt, meldet sich bei der kantonalen Ausgleichskasse an, um die Sozialversicherungs­beiträge abzurechnen.

Vereinfachte Abrechnung, Ferien und Steuern

Die Sozialversicherungsbeiträge können in einem vereinfachten Abrechnungsverfahren mit der kantonalen Ausgleichskasse abgerechnet werden. Nebst den Sozialversicherungsbeiträgen werden auch Beiträge an die Quellensteuer entrichtet. Voraussetzung ist, dass die Haushaltshilfe weniger als 21 150 Franken im Jahr verdient.

Der Arbeitgeber zieht die Beiträge an AHV, IV, EO, Arbeitslosenversicherung und Steuer vom massgebenden Lohn ab und rechnet mit seiner Ausgleichskasse jeweils per Ende Jahr ab. Die Ausgleichskasse schickt den Arbeitnehmenden für die Steuererklärung eine Bescheinigung über die abgelieferte Steuer. Die Quellensteuer beträgt 5 Prozent, die auch direkt vom Lohn abgezogen wird, dies gilt auch bei Schweizer Angestellten. Diese erhalten dafür eine Bestätigung für Ihre Steuererklärung.

Bei geringen Arbeitsverhältnissen ist es Usus, den Ferien­anspruch prozentual dem Bruttolohn zuzuschlagen. Bei vier Wochen Ferien 8,33 Prozent, bei fünf Wochen 10,63 Prozent.

Unfallversicherung abschliessen

Es gibt gute Gründe, warum Hausangestellte gemeldet und unfallversichert sein müssen. Nur wer einzahlt, erhält bei Bedarf auch Leistungen aus dem Sozialversicherungssystem (z. B. Heilungskosten, Rente). Arbeitgeber müssen für ihre Haushaltshilfe eine Berufs­unfallversicherung abschliessen und bezahlen. Die Prämie hierfür beträgt zirka 100 Franken pro Jahr. Das gilt auch, wenn die Reinigungskraft schon bei einem anderen Arbeitgeber versichert ist. Putzhilfen, die ausschliesslich kleine Jobs haben, müssen von ihren sämtlichen Arbeitgebern zwingend gegen Berufsunfall versichert werden.

Nichtbetriebsunfall über Krankenkasse

Achtung: Wenn die Reinigungskraft bei keinem anderen Arbeitgeber mindestens 8 Stunden pro Woche angestellt ist, muss sie bei ihrer obligatorischen Krankenversicherung die Unfalldeckung miteinschliessen, da sie von ihrem Arbeit­geber nur gegen Berufsunfälle versichert ist. Arbeitet eine Hausangestellte mehr als 8 Stunden pro Woche bei einem einzigen Arbeitgeber, ist dieser verpflichtet, sie auch gegen Nichtberufsunfälle zu versichern. Diese Beiträge können der Angestellten vom Lohn abgezogen werden.

Bruno Gismondi


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