Handwerksbetrieb: Wie sichere ich den Weiterbestand?

(Bild: Stefan Kaiser)
RECHT ⋅ ch (56) bin Inhaber einer kleinen Baufirma mit vier Mitarbeitern. Der grösste Teil meines Vermögens steckt im Betrieb. Nun möchte ich meiner Frau und meinen zwei Kindern die grösstmögliche finanzielle Flexibilität geben, falls mir etwas zustossen sollte. Soll ich einen Vorsorgeauftrag aufsetzen – und was regelt er in meinem Fall konkret?
11. August 2017, 05:00

Ein Unfall oder eine schwere Krankheit: Es kann jeden treffen. Plötzlich sind wir nicht mehr in der Lage, wichtige Dinge zu entscheiden, die eben noch selbstverständlich waren. Sind Menschen betroffen, die viel Verantwortung tragen, ist die Situation besonders gravierend. Dazu zählen in erster Linie Inhaber von Einzelunternehmen – gerade wie Sie.

Stillstand vermeiden

Wenn Sie als Geschäftsführer ausfallen, steht im Betrieb vieles still. Das kann grossen Schaden anrichten. Unter Umständen können Verträge ohne Ihre Einwilligung nicht unterschrieben werden. Auch können wichtige Kunden abwandern, Partner verunsichert werden oder Schlüsselmitarbeiter die Firma verlassen.

Für Selbstständige mit einer Einzelfirma ist ein Vorsorgeauftrag deshalb unverzichtbar: Damit können Sie ein Stück weit regeln, wer die Firma weiterführt, falls Sie plötzlich ausfallen. Sie können eine Vertrauensperson Ihrer Wahl beauftragen, die rechtliche, finanzielle und unternehmerische Verantwortung im Betrieb in so einer Situation zu übernehmen. Auch Aktionäre und Gesellschafter, denen die Mehrheit eines Familienbetriebs (AG oder GmbH) gehört, sollten einen Vorsorgeauftrag aufsetzen. Darin können sie unter anderem festlegen, wer sie an der Generalversammlung oder in anderen Gremien vertreten soll, und wie ihre Stimmrechte ausgeübt werden sollen.

Sonst entscheidet Kesb

Unternehmer, die für solche Fälle nicht vorsorgen, überlassen die Geschicke ihres Betriebs ausgerechnet in turbulenten Zeiten dem Zufall. Wenn kein Vorsorgeauftrag vorliegt, kommt die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) ins Spiel. Sie muss die Urteilsunfähigkeit nämlich von Gesetzes wegen feststellen und anschliessend prüfen, ob eine Beistandschaft erforderlich ist. Wenn Sie keine Massnahmen treffen, bestimmt die Kesb einen Beistand, den sie für geeignet hält. Das Abklärungsverfahren kann unter Umständen bis zu einem Jahr dauern. Und der beauftragte Beistand darf viele Entscheide nur in Absprache mit der Behörde treffen.

Übrigens: Mit einem Vorsorgeauftrag erweitern auch Ehepaare ihren Handlungsspielraum. Dem Ehepartner steht zwar schon von Gesetzes wegen ein Vertretungsrecht zu. Es umfasst aber nur Rechtshandlungen zur Deckung des Unterhaltsbedarfs sowie die ordentliche Verwaltung des Einkommens und Vermögens.

Für weitergehende Rechtshandlungen wie etwa den Verkauf des Eigenheims, die Aufstockung der Hypothek oder die Vertretung im Rahmen einer Geschäftsbeziehung zu einem Finanzintermediär ist der Ehepartner auf die Zustimmung der Kesb angewiesen. Liegt dagegen ein Vorsorgeauftrag vor, kann der Ehepartner grundsätzlich alle Entscheidungen selber fällen sowie sämtliche Rechtshandlungen in Vertretung vornehmen.

Philipp Hostettler

 


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