Autounfall im Ausland: Wer zahlt meinen Schaden?

RECHT ⋅ Ich war vor kurzem in einen Verkehrsunfall in Frankreich verwickelt, weil ein Auto mir den Vortritt verweigert hat. Es gab keine Verletzten, aber am Auto entstand ein Schaden von 5000 Franken. Ich habe eine Teilkaskoversicherung für mein Auto. Wer kommt nun für meinen Schaden auf?
03. November 2017, 07:54
Lic. iur. Urs Schaffhauser

Die Teilkaskoversicherung wird Ihnen leider nicht helfen, weil sie auf bestimmte Schäden begrenzt ist (z. B. Hagelschaden). Für die Deckung eines Kollisionsschadens würden Sie eine Vollkaskoversicherung benötigen. Wegen des Selbst­behalts und einer möglichen Bonusrückstufung lohnt es sich aber auf alle Fälle, nicht die eigene Vollkaskodeckung, sondern die Motorfahrzeug­haftpflichtversicherung des Unfallgegners in Anspruch zu nehmen.

Unfallprotokoll erstellen

Damit diese ausfindig gemacht und der Sachverhalt später belegt werden kann, sollte bereits am Unfallort das Europäische Unfallprotokoll ausgefüllt und von allen Beteiligten unterzeichnet werden. Sind Personen verletzt worden, muss von Gesetzes wegen die Polizei verständigt werden. Diese erstellt dann einen Polizeirapport, der alle notwendigen Angaben enthält.

Bei Ihnen kommt nun hinzu, dass sich der Unfall in Frankreich ereignet hat. Im Europäischen Unfallprotokoll oder im Polizeirapport ist der Name der Haftpflichtversicherung vermerkt. Ist diese bekannt, gibt es grundsätzlich zwei mögliche Wege, um Schadenersatz zu verlangen: Entweder Sie kontaktieren direkt die französische Motorfahrzeug-Haftpflicht­versicherung des Unfallverur­sachers an deren Sitz in Frankreich. Oder aber Sie können den Verkehrsopferschutz aufgrund des europäischen Besucherschutzabkommens in Anspruch nehmen.

Das Abkommen ermöglicht die einfachere Geltendmachung des Schadens direkt in der Schweiz beim Vertreter des ausländischen Versicherers (sog. Schadenregulierungsbeauftragter). Um den Vertreter in der Schweiz ausfindig zu machen, können Sie sich an die Auskunftsstelle des nationalen Versicherungsbüros (NVB/NBI) in Zürich wenden (Tel. 0800 831 831; www.nbi-ngf.ch ). Wenn Sie den Schadensregulierer in der Schweiz kennen, können Sie bei diesem den Ersatz der Reparaturrechnung einfordern (Rechnung für Reparatur und weitere Kosten eingeschrieben senden, Kopie für die eigenen Akten machen).

Ausländisches Recht

Trotz der Erleichterung durch das internationale Besucherschutzabkommen bei Auslandunfällen ändert das allerdings nichts an der Anwendbarkeit des ausländischen Rechts des Unfallorts. Im vorliegenden Fall erfolgt daher Ihre Entschädigung nach französischem Recht und französischen Massstäben, auch wenn Sie den Anspruch in der Schweiz einreichen können. Bei reinen Sachschäden dürfte das in der Regel unproblematisch sein.

Sobald jedoch Körperverletzungen entschädigt werden müssen, ergeben sich bereits im näheren europäischen Ausland zum Teil enorme Unterschiede bei der Höhe der Entschädigungen. Es lohnt daher in einem solchen Fall unbedingt, sich durch einen im internationalen Schadensrecht kundigen Experten beraten zu lassen.

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