Ratgeber

Auf dass auch mein letzter digitaler Wille geschehe

(Bild: Archiv ZZ/Maria Schmid)
RECHT ⋅ Mein Testament habe ich als geschiedener Vater von zwei Kindern bei meinem Treuhänder als meinem ­Willensvollstrecker deponiert. Was aber passiert mit meinen digitalen Spuren? Eigentlich geht mein PC-Verkehr nach meinem Tod ja niemanden mehr etwas an. Und was geschieht zum Beispiel mit meinem Facebook-Profil?
17. Mai 2017, 05:00
Roman Schnider

In der Tat: Bestens verankert ist bei uns der gut geregelte Umgang mit dem zu vererbenden Hab und Gut. Dies wird als Ganzes auf die Erben übertragen. Digitale Daten, die auf einem lokalen Datenträger gespeichert sind, gehören ebenfalls dazu. Für Daten, die nur im Internet gespeichert sind, gibt es demgegenüber keine eindeutigen gesetzlichen Regeln. Meistens stehen diesbezüglich nicht vermögensrechtliche, sondern persönlichkeitsrechtliche Aspekte zur Diskussion. Umso wichtiger sind Vorkehrungen auch in Online-Belangen.

Konkret stellt sich hier die Frage nach den eigenen digitalen Aktivitäten: Wo bin ich aktiv? E-Mail-Verkehr betreiben heute ja fast alle. Aber wie sieht es betreffend den Umgang mit Geld aus? Betreibe ich Onlinebanking? Laufen auf meinen Namen Abos, deren Kosten automatisch und fortlaufend ­abgebucht werden? Und wo und wie bin ich auf den sozialen Kanälen aktiv?

Liste der digitalen Präsenz

Entsprechend empfiehlt es sich als Erstes, eine Liste der eigenen digitalen Präsenz zu erstellen. Dann stellt sich die Frage nach dem gewünschten Umgang mit den eigenen Daten in diesen Bereichen: Wo möchte ich meinen Erben bewusst Zugang verschaffen, damit sie sich als Sachwalter meines digitalen Erbes betätigen können? Wo möchte ich womöglich eben nicht, dass meine Erben Einblick in mein Online-Leben erhalten? Und wo gilt es, meine Erben vor unerwünschten Überraschungen zu bewahren, wie zum Beispiel vor weiterlaufenden Abo-Kosten?

Testament ergänzen

Da können einige Fragen zusammenkommen. Ihnen allen ist zumindest ein Aspekt gemeinsam, nämlich: Damit mein Wille umgesetzt werden kann, muss ich die entsprechenden Zugangsdaten wie Benutzername und Passwort für mich und meine Nachwelt sicherstellen und laufend aktualisieren. Seine eigenen Passwörter kann man heute zum Beispiel auch in einer Cloud verwalten. Aber auch der Zugang zur Cloud muss für den Willensvollstrecker möglich sein. Das herkömmliche Testament sollten Sie deshalb um ein Kapitel für den Umgang Ihrer Erben mit Ihrer digitalen Hinterlassenschaft ergänzen. Da legen Sie dann insbesondere auch fest, welche Daten und Zugänge nach Ihrem Tod zu löschen sind. Zum Beispiel wenn Sie möchten, dass Ihr Facebook-Profil in den «Gedenkzustand» versetzt oder aber gelöscht wird.

Bei Facebook kann zudem bereits zu Lebzeiten gewählt werden, wie nach dem Ableben mit dem Konto umgegangen werden soll und wer berechtigt ist, das Konto zu löschen, respektive in den «Gedenkzustand» zu setzen. Selbstverständlich gelten auch beim «digitalen Testament» folgende Regeln: Von Hand geschrieben, mit Datum und Unterschrift oder öffentlich beurkundet mit zwei Personen. Das Testament übergeben Sie am besten Ihrem Treuhänder, den Sie ja als Willensvollstrecker eingesetzt haben. Damit Ihr letzter Wille auch in der digitalen Welt geschehe.

Roman Schnider

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